Evolutionsphasen im Projektmanagement

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Kürzlich habe ich mich etwas mit den Evolutionsphasen des Projektmanagements beschäftigt. Hier mein Zwischenfazit – exklusiv für Sie:

ab ca. 1950 Klassisch-logisches PM:

Als Startpunkt des „modernen“ Projektmanagements wird in der Literatur immer wieder das „Manhattan District Project“ genannt – der Bau der ersten Atombombe. Warum eigentlich Start des „modernen“ Projektmanagements? Da beispielsweise auch der Bau der Pyramiden in Ägypten als Projekt bezeichnet werden kann. Doch erst ab der Mitte des letzten Jahrhunderts wurden auch entsprechende, PM-spezifische Methoden (Netzplantechnik, Aufgabenplanung, GANTT-Charts etc.) zur systematischen Planung und Abwicklung angewandt. Das klassisch-logische PM-Verständnis ist geprägt von „technischem Ingenieursdenken“.

ca. ab 1960 Phasenorientiertes PM:

Eine Weiterentwicklung des klassisch-logischen PM stellte die phasen- oder ablauforientierte Herangehensweise an Projekte dar. Der Ursprung hierfür lag wiederum hauptsächlich in den USA, wo Projekte von Regierungsbehörden wie der NASA oder auch der Rüstungs- und Automobilindustrie nach klar definierten Phasenkonzepten abgewickelt wurden. Dies führte wesentlich zu einer Systematisierung und Standardisierung des Projektmanagements. Die phasenorientierte Sichtweise von Projekten hält bis heute an, wobei heutzutage eher von einer prozessorientierten Sichtweise gesprochen werden kann. Und zum Unterschied von – meist sequenziellen – Phasen haben PM Prozesse heutzutage einen stark iterativen, parallelen und zyklischen Charakter.

ca. ab 1975 Systemorientiertes PM:

Mit der zunehmenden Komplexität der Aufgabenstellungen wie auch der zunehmenden Dynamik der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umfeldfaktoren nahm die Bedeutung systemorientierter Managementansätze rasch zu. Auf der Basis der allgemeinen Systemtheorie (nach Bertalanffy, Ashby, McCulloch, Pitts, Rosenblueth, Wiener, Beer, von Foerster, Vester etc.) nahm auch die Bedeutung des systemorientierten Managements schnell zu (auch Managementkybernetik). Konsequenzen für das Projektmanagement? Projekte wurden vermehrt als psycho-soziale Systeme betrachtet. Es wurde langsam aber sicher klar, dass die Leistungsfähigkeit dieser Systeme einerseits von der Qualität der Zusammenarbeit (Team Management), andererseits aber auch von der professionellen Gestaltung und Steuerung des Projektumfeldes (Einbettung in die Stammorganisation, Kontext- und Stakeholdermanagement) abhängt.

ca. ab 1985 OE/PE-orientiertes PM:

Die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Wandlungsprozesse nahmen ab Mitte der 80er Jahre immer mehr an Geschwindigkeit auf. Die logische Konsequenz: Unternehmen und sonstige Organisationen mussten sich diesem Wandel immer dynamischer anpassen, um wettbewerbs- und überlebensfähig zu bleiben. Projektmanagement wurde vermehrt zur Planung und Steuerung betrieblicher Veränderungsprozesse angewandt – sprich zur Organisations- und Personalentwicklung. Weiters wurde Projektmanagement immer stärker als erfolgsrelevanter (meist ergänzender) Organisationsansatz betrachtet und implementiert. Die organisatorische Verankerung erfolgte in manchen Unternehmen nur schwach (funktionale Projektorganisation), in anderen Branchen sehr intensiv (reine Projektorganisation, projektorientiertes Unternehmen). Die meisten Unternehmen praktizieren bis heute einen „Kompromiss“ in Form einer Matrix-Organisation (schwache bis starke Matrix). Und bis heute wird insbesondere dem Aspekt der organisatorischen Verankerung des Projektmanagementkonzepts vielerorts (viel) zu wenig Bedeutung beigemessen.
Dieser PM-Evolutionsphase kann auch die steigende Bedeutung von Projektmanagement im Zusammenhang der Personalentwicklung (oder auch des HR Managements) zugeordnet werden. Einerseits entwickelt sich das Berufsbild des/der Projektmanager/in, damit geht auch die steigende Bedeutung internationaler PM Zertifizierungen einher. Andererseits wird PM an sich vermehr auch als PE-Instrument betrachtet, da im Team entscheidende individuelle und auch organisationale Lernprozesse angestoßen werden (Lernen 1., 2. und 3. Ordnung).

ab ca. 2000 Agiles Projektmanagement:

Durch die weiter steigende Komplexität der Projektaufgaben und Dynamik der Rahmenbedingungen von Projekten (wie z.B. wechselnde Anforderungen, Ziele) wurde eine flexiblere, agilere Anwendung des Projektmanagementkonzepts notwendig. Die starre, oft lehrbuchartige Anwendung des Projektmanagements wurde immer stärker durch eine pragmatischere, flexiblere Herangehensweise abgelöst. Insbesondere das Denken und Handeln in Iterationen, sprich in sich ständig wiederholenden Zyklen, prägt diese Epoche des Projektmanagements. Diese Form des agilen Projektmanagements ist auch im Zusammenhang mit neuen Informationstechnologien (Stichwort Web 2.0) zu sehen. In diesem Kontext wird auch immer häufiger von „Social Project Management“ gesprochen, nämlich indem der Projekterfolg auch wesentlich durch eine intensive und pro-aktive Kommunikation aller beteiligten Stakeholder sicher gestellt wird.
Einschränkend muss aber festgehalten werden, dass sich das agile Verständnis von Projektmanagement hauptsächlich auf den IT- und Technologiebereich beschränkt. In anderen Bereichen wie beispielsweise dem industriellen Projektmanagement oder auch dem Bauprojektmanagement kommen derartige Methoden und Prinzipien nur sehr selten (bis gar nicht zur Anwendung).

ab ca. 2005 ???

Wer traut sich, eine Prognose abzugeben? 🙂

3 Gedanken zu „Evolutionsphasen im Projektmanagement

  1. Stephan

    Danke, sehr gute Übersicht.
    Agiles PM resp. die iterativen Modelle gibt es aber schon länger. Sie konnte sich bisher einfach noch nicht entsprechend Durchsetzen. So hat IBM von 1977 bis 1980 in 17 Iterationen in 31 Monaten SW für die NASA entwickelt. (Quelle: Madden 1984, Design, Development, Integration: Space Shuttle Primary Flight Software System)

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