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Sollten PM Standards kostenlos und frei zugänglich sein? JA.

Geschrieben von S. Hagen am 6. Januar, 2009


Mein PM Kollege Franz Votapek aus Wien versteht die Aufregung um die PM Standards nicht. Er ist der Ansicht, dass es nur legitim ist, dass man dafür bezahlen muss.

Klar ist es legitim! Aber es ist meiner Ansicht nach nicht mehr zeitgemäß.

Das PMI verfolgt die Strategie, ihre Normen und Standards den PMI-Mitgliedern in elektronischer Form kostenlos (und neuerdings passwortgeschützt) zur Verfügung zu stellen. Die gedruckten Fassungen sind natürlich kostenpflichtig. Grundsätzlich halte ich dies auch für ein wirklich gutes Mitglieder-Service, denn die Standards haben hohe Qualität und werden auch regelmäßig (mit sehr viel Aufwand) aktualisiert. Da sind Franz Votapek und ich einer Meinung.

Die Tatsache, dass die PDF-Files neuerdings aber zusätzlich passwortgeschützt sind, ist aber ein klares Indiz dafür, dass das PMI verhindern möchte, dass die Standards Nicht-Mitgliedern unrechtmäßig (sprich kostenlos) zugänglich gemacht werden. Dahinter vermute ich rein wirtschaftliche Interessen, denn PMI geht es um Mitgliederzahlen, Einnahmen aus Buchverkäufen, Zertifizierungs- und Trainingseinnahmen etc. etc. Dieser Meinung ist Bernhard Schloß offensichtlich auch. Und genau das geht mir gegen den Strich.

Ist gegen wirtschaftliches Denken etwas einzuwenden? Nein! Natürlich nicht – wenn es sich um ein privatwirtschaftliches Unternehmen handelt. Dass aber ein großer PM Verband wie PMI nach den gleichen Prinzipien geführt werden soll wie ein Wirtschaftsunternehmen, lehne ich strikt ab. Und PMI bezeichnet sich selbst als “Not-for-Profit Professional Association”, wie man der PMI Webseite entnehmen kann. Hier heißt es weiter:

“At PMI, our primary goal is to advance the practice, science and profession of project management throughout the world in a conscientious and proactive manner so that organizations everywhere will embrace, value and utilize project management-and then attribute their successes to it.”

Eben! Genau darum bin ich dafür, die Standards frei zu verteilen und zugänglich zu machen.

Mir ist sehr wohl bewusst, dass die Entwicklung und Weiterentwicklung von Standards und Normen viel Geld beansprucht. Ich denke aber, dass das Geschäftsmodell eines modernen Verbandes so konzipiert sein sollte, dass diese Ausgaben (locker) durch Mitgliedsbeiträge etc. herein gespielt werden können.

Ich bin dafür, dass sich Verbände noch mehr öffnen, als sie es bisher getan haben. Sie sollen ihre Mission wirklich ernst nehmen und alles dafür tun, die “Praxis, Wissenschaft und auch das Berufsbild Projektmanagement” weltweit nach vorne zu bringen. Darum geht es. Und um nichts anderes.

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4 Kommentare zum Thema
“Sollten PM Standards kostenlos und frei zugänglich sein? JA.”

[...] kann ich hier Stefan Hagen beruhigen. Es gibt hier nichts zu diskutieren, sondern nur zu [...]

Andreas Heilwagen
6. Januar 2009:

Hi Stefan, ich bin mal bösartig und beende die Diskussion einfach durch Erhängen des PMI am eigenen Galgen. Lt. dem Code of Ethics and Professional Conduct darf das FilePlugin nicht verwendet werden, verschlüsselt werden darf. Da die Herleitung einen Blog-Kommentar doch sprengt, verweise ich in diesem Fall einfach dreisterweise auf das eigene Blog und werde mir jetzt eine Portion Baldrian oder sowas gönnen. Das Ganze ärgert mich inzwischen maßlos.

Sebastian Stücker
8. Januar 2009:

Hallo Stefan,

ich bin nicht deiner Meinung.

1. wenn die Standards nur den Mitgliedern zugänglich sind, dann ist auch der Passwortschutz legitim, um die Mitglieder vor Missbrauch zu schützen. Dies ist für mich überhaupt keine Änderung gegenüber früheren Versionen, nur dass diese eben nicht geschützt waren und sich so leute die Leistung besser erschleichen konnten.

2. zur Frage, ob die Standards überhaupt was kosten sollten: Der Preis von 30-40 Euro für das PMBOK Guide ist erstens nicht sehr hoch und sollte für einen Projektleiter kein größeres Problem darstellen. Zweitens, wie du richtig sagst, finanziert sich die Entwicklung vor allem von den Mitgliedsbeiträgen. Dafür ist es auch erforderlich, den Mitgliedern Leistungen zu bieten, und eine wesentliche ist der Zugriff auf die Standards. Fällt dieser Mehrwert der Mitgliedschaft weg, gibts IMHO auch weniger Mitglieder.

Das PMI ist kein privatwirtschaftliches Unternehmen. Es ist aber auch keine gemeinnützige Organisation in der Ausprägung, dass die Standards ein freies Gut sein sollten, weil es von der Masse der Menschen benötigt wird. Projektmanagement wird nunmal meistens in privaten Organisationen durchgeführt. Daher halte ich es legitim, dass das Gut “PM-Standard” ein klein wenig verknappt wird.

Übrigens gibt es das PMBOK guide in vielen deutschen Bibliotheken kostenlos.

Viele Grüße
Sebastian

SH
8. Januar 2009:

Hallo an alle,

ich freue mich wirklich über diese kontroverse Diskussion zu den PM Standards. Mir war schon klar, dass meine Positionierung in der Sache auch andere Meinungen hervorrufen wird. Ich denke aber, dass diese Diskussionen gut und wichtig ist.

@Sebastian: Ich stimme Dir zu, dass der Passwortschutz nur ein konsequentes “Weiterdenken” dessen ist, dass der PMBOK Guide nur Mitgliedern kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Wenn man diese Haltung einnimmt, dann stellt es natürlich auch einen “Missbrauch” dar, wenn man das Dokument an Nicht-Mitglieder weiter gibt.

Ich persönlich halte den Preis von 30-40 EUR nicht für zu hoch und bin auch gerne bereit, diesen zu bezahlen. Das war aber nicht der Punkt, auf den ich aufmerksam machen wollte.

Es ist auch unbestritten, dass der kostenlose Zugang zu den PM Standards ein wesentliches Nutzenargument darstellt, um überhaupt PMI Mitglied zu werden. Ich als PMI Mitglied empfinde es wie gesagt als ein wirklich gutes Service, stets Zugriff auf die neuesten Standards zu haben.

Wenn man die aktuelle Strategie von PMI im Umgang mit den Standards für zeitgemäß und legitim hält, dann ist gegen die konsequente Umsetzung in Form von Passwortschutz etc. nichts einzuwenden (mit der Einschränkung, dass es dann auf Mac und Linux auch funktionieren sollte).

Wenn man diese Strategie aber zumindest für überdenkenswert hält – und das tue ich – dann sollten folgende Fragen erlaubt sein:

- Könnte das PMI seine Mission (…advance the practice, science and profession of project management throughout the world…) noch effektiver realisieren, wenn die Standards für Alle kostenlos zugänglich wären?

- Wäre das PMI kostendeckend zu betreiben und weiterzuentwickeln, wenn die Standards (in elektronischer Form) frei verteilt würden? (dadurch eventuell weniger Mitglieder)

- Würde das Interesse an PMI, den Standards oder Projektmanagement generell vielleicht noch weiter ansteigen, wenn gewisse Inhalte offensiv und kostenlos vermarktet werden?

Mein Fazit: Ich bin ein Verfechter des offenen Umgangs mit Wissen. Ich wäre auch dafür, dass Hochschulen und andere Bildungseinrichtungen ihre Unterrichtsmaterialien und auch ihre Lehrsäle öffnen. Denn in unserer Wissensgesellschaft sollte der Zugang zu Wissen und Inhalten möglichst frei sein. Denn wir haben in den meisten Bereichen kein Wissens- oder Erkenntnisdefizit, sondern vielmehr ein TRANSFER- UND UMSETZUNGSDEFIZIT. Darauf sollten wir unsere Energien lenken, nämlich auf das Verstehen, Adaptieren, Anwenden und Umsetzen von Theorien und theoretischen Inhalten.

Wenn man diese Haltung einnimmt, dann ist es meines Erachtens nur konsequent, gewisse Inhalte “for free” abzugeben.

Kleiner Nachsatz: ich bin übrigens der festen Überzeugung, dass dadurch der Absatz von Büchern oder anderen kostenpflichtigen Materialien in der Regeln nicht zurück gehen wird, sondern tendenziell eher steigt.