Ist schlechtes Projektmanagement an der Krise der Automobilindustrie mitschuldig?
Geschrieben von S. Hagen am 11. Juni, 2009
Die Universität Erlangen-Nürnberg hat gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen maxence business consulting eine Studie in Unternehmen verschiedenster Branchen durchgeführt. Dabei kommen sie u.a. zum Schluss, dass ein wesentlicher Grund für die Krise der Automobilindustrie mangelhaftes Projektmanagement ist.
Als Indikator dafür – so lese ich es zumindest aus dem InformationWeek-Artikel heraus, soll das Nichtvorhandensein eines PMO (Project Management Office) sein.
Na ja…
Klar kann ein PMO das Projektmanagement in Unternehmen wesentlich voran bringen – aber ist es ein Allheilmittel oder Patentrezept? Ich denke nicht. PMO’s funktionieren dann, wenn sie vom Top-Management voll unterstützt werden und wenn sie einen starken Platz in der Hierarchie des Unternehmens bekommen. Dann kann ein PMO mit seinen Expert/innen KULTURVERÄNDERND in die Organisation eingreifen, durch Support, Coaching, Trainings und auch durch entsprechendes Performance Measurement und Controlling.
Wenn dies nicht gegeben ist, führt ein PMO ein Schattendasein in einer Organisation – ähnlich wie viele QM-Abteilungen.
Fazit: Die Leistungsfähigkeit des Projektmanagements einzig und allein an der Existenz eines PMO aufzuhängen ist meines Erachtens wesentlich zu kurz gedacht.
Über die Studie (Quelle Pressebox)
Die Universität Erlangen und maxence business consulting hatten Anfang 2009 mit Unterstützung von Compuware in Deutschland 232 Unternehmen nach dem Einsatz einer zentralen Instanz zur Koordinierung von Projekten befragt. Die Unternehmen kamen aus den Branchen Informationstechnologie, Automobil, Banken und Versicherungen, Pharma/Chemie, Transport und Logistik, Telekommunikation sowie Energieversorgung. Die Befragten sind in ihren Unternehmen überwiegend Projektleiter (24,1 Prozent), gefolgt von Leitern des Projektbüros im Fachbereich Projektmanagement (22,8 Prozent), Mitarbeitern in diesem Büro (15,5 Prozent), Fachbereichs- und Abteilungsleitern (15,5 Prozent) sowie Vorständen und Geschäftsführern (8,6 Prozent).
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12. Juni 2009:
Das sehe ich absolut genau so. In vielen Konzernen sieht man diesen falschen Ansatz immer wieder:
Die Arbeit im gesamten Unternehmen soll in eine bestimmte Richtung verbessert werden. Hin zu besserem Projektmanagement, hin zu besserem Design/Usability der Produkte, hin zu höherer Qualität.
Zur Lösung dieser Aufgabe wird eine neue Abteilung gegründet, die das jeweilige Ziel im Unternehmen vorrantreiben soll. Dies kann so nicht funktionieren, da die Abteilung außerhalb des täglichen Geschäftes steht und nicht akzeptiert wird. Häufig bekommt die neue Abteilung garnicht mit, wenn in Hinsicht auf ihren Bereich gepfuscht wird.
Was fehlt ist das Problembewusst sein in der normalen Linienorganisation. Erst wenn diejenigen, die Projekte Tag täglich vorrantreiben verstehen, was alles zum PM gehört, und wie hilfreich es für Sie selbst und für Ihre Arbeit ist, werden Sie sich über ein PMO freuen, es nutzen und von dessen Arbeit profitieren. Entsprechendes gilt für Spezialabteilungen für GUI Design, Software Architektur, Qualitätsmanagement …