Komplexe Probleme lösen
Geschrieben von S. Hagen am 27. Juli, 2009
Unsere Welt ist komplex. Und Projekte sind es auch. In diesem Zusammenhang drängen sich (zumindest) 2 zentrale Fragen auf:
- Was bedeutet überhaupt Komplexität?
- Wie können komplexe Probleme gelöst werden?
Die erste Frage ist verhältnismäßig einfach zu beantworten. Bei der 2. Frage tut man sich mit einer einfachen Antwort schon schwerer. Ich werd’s trotzdem versuchen…
1. Komplexitätsbegriff
Es gibt einfache, komplizierte und komplexe Probleme.
Bei einfachen Problemen/Systemen sind wenige Faktoren und Einflussgrößen zu beachten. Zudem verhalten sich diese Faktoren relativ stabil zueinander. (Beispiel: Personaleinsatzplanung in einem kleinen Unternehmen).
Bei komplizierten Problemen/Systemen hingegen ist eine Vielzahl von Faktoren zu beachten. Allerdings verhalten sich die unterschiedlichen Faktoren relativ stabil zueinander. (Beispiel: Computer oder andere technische Systeme).
Bei komplexen Problemen/Systemen hingegen sind viele Faktoren zu beachten, die sich gleichzeitig noch laufend verändern können. (Beispiel: Markteinstieg in Asien)
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27. Juli 2009:
Hallo Stefan,
Mannomann, was ich hier lese kann ich ja kaum glauben.
VERSTEHEN-VEREINFACHEN-VERÄNDERN
Da fallen mir gleich die Ärzte ein: “Wenn das alles so einfach wär, dann hätt’ ich drei Sorgen wenigär …”
oder die Fantastischen 4: “Es könnt’ alles so einfach sein, ist es aber nicht!”
Ich weiß, dass es weit verbreitet ist, Bezeihungen zu definieren, besondere Hebel zu identifizieren und über diese dann wirksame Veränderungen umzusetzten. Das ist allerdings kaum eine Vereinfachung und kann ebenso bedingunglos nach hinten losgehen, wie irgend ein anderer Versuch Komplexität zu “vereinfachen”.
Wo ich noch weitestgehend zustimme ist die Unterscheidung von einfach, kompliziert und komplex. Wobei man das auch sehr schön von der Lösungseite her machen kann:
Einfach – Die richtige Lösung ist offensichtlich und simpel zu erreichen (z.B. gleichmäßige Verteilung von 9 kg Kartoffeln unter 3 Personen)
kompliziert – Die richtige Lösung ist nicht sofort zu erkennen, es gibt allerdings einen/ wenige bekannten Lösungsweg(e) die alle zum selben Ergebnis führen (z.B. Integrale zur Berechnung von kompliziereten Flächen).
komplex – Es gibt keine eindeutig richtige Lösung, vielmehr finden sich Lösungen in einem Lösungsraum mit unterschiedlichen gleichwertigen Alterntiven (z.B. die Simulation von möglichen Fehlern im Bezug auf ein modernes automatisches Sechsganggetriebe)
Wie man mit Komplexität erfolgreich umgeht halte ich hier für völlig falsch dargestellt. Das was Du hier als Lösung beschreibst ist doch in sich schon wieder so komplex, dass es als Lösung kaum geeignet ist.
Bei den Systemtheoretikern (Luhman/ Baecker) gibt es noch die Idee, dass Probleme, die in einem komplexen System entstehen im Zentrum des Systems zu lösen sind. Will heißen, wenn z.B. im Vertrieb eines Unternehmens Probleme auftreten, sollten nur die lokal relevanten dort gelöst werden, alle über die lokaliltät hinausgehenden sollen im Zentrum gelöst werden, da ansonsten die Lokale Lösung in den anderen lokalen Bereichen des Systems die Anzahl der Probleme vervielfacht. Also, wenn z.B. ein Vertriebsmitarbeiter krank wird, soll das der Vertrieb lokal lösen, wenn allerdings ein Preis vom Markt nicht mehr akzeptiert wird, soll das der Vertrieb nicht mehr lokal lösen, da diese Lösung ggf. in der Produktion (kein Deckungsbeitrag mehr) oder im Service (zu niedrige Verkaufspreise in Relation zu den Servicekosten) zu zwei Problemen führt.
Was ist also ein Vorschlag, um komplexe Probleme in Organisationen erfolgreich zu lösen.
1. Prinzip: Nichts ist von Dauer. Verabschieden wir uns von der Annahme, dass in Komplexen Systemen endgültige Lösungen gefunden werden (das ist ganz selten der Fall). Die meißten Lösungen halten eine Weile und sind dann wieder über Bord zu werfen, weil sich zu viele Faktoren der ersten Analyse bereits wieder verändert haben.
2. Komplexität braucht die Unterscheidung von dezentral und zentral. Wobei dezentral operativ, schnell und auf die Situation hin (sozusagen lokal) entschieden und agiert wird während zentral mit Blick auf das Ganze und in einer Zukunftsperspektive entschieden wird.
3. Lokale Entscheidungen werden schnell und auch gerne von Einzelpersonen gefällt, die ihre Entscheidungskonsequenz sofort umsetzen können.
4. Zentrale Entscheidungen sind, laut den Erkenntnissen der letzten 200 Jahre, am Besten von “Massen” zu entscheiden (siehe Surowieki “Die Weisheit der Vielen”. Entscheidend dafür ist Information zugänglich zu machen und nicht Entscheidungsgewalt zu zentralisieren! Komplexe Probleme in Organisationen werden somit am Besten von sogenannten Entscheigungsmärkten gelöst.
Die Vorstellung, dass ein zentraler Bereich oder eine zentrale Institution wie z.B. Cross-Functional-Teams) mit Komplexität erfolgreich umgehen könnte wurde (wie man bei Surowiecki eindrucksvoll nachlesen kann) noch nie bewiesen. Das Gegenteil hingegen, findet sich täglich in der Fach und monatilich in der allgemeinen Presse.
Kontinuierlich lernen und reflektieren ist dabei ein natürliches Verhalten der Menschen. Was getan werden msusste, damit das wieder neu zu wecke ist, ist es irgendwann in der Vergangenheit einmal vorsätzlich unterdrück zu haben.
Das ist wie lebenslanges Lernen, das ist nichts was speziell zu erwecken wäre, dass ist ganz normal!
Egal wie schön die Bilder sind und wie gerne wir uns glauben machen, damit könnte Komplexität “besiegt” werden. So lange wir das glauben, werden wir nur eines schaffen mehr Kompliziertheit – Umgang mit Komplexität ist das sicherlich nicht!
Grüsse
Gebhard