Ist Management “tot”?
Geschrieben von S. Hagen am 10. August, 2009
Kaum ein Beitrag hat in den letzten Jahren auf diesem Blog eine intensivere Diskussion ausgelöst als “Was ist Management?”.
Ich habe mich in dem Beitrag (wie vorher auch schon) offen als Befürworter einer modernen, integrierten und ganzheitlichen Managementlehre “ge-outet”. Meine Haltung und mein Verständnis zu diesem Thema wurde einerseits durch meine persönlichen Erfahrungen geprägt, und andererseits durch die Auseinandersetzung mit den Werken der großen Management-Denker wie Peter F. Drucker, Tom Peters, Michael Hammer, Gary Hamel oder auch die Beiträge im Kontext der “St. Galler Managementlehre” von Ulrich, Krieg, Malik, Gomez, Probst, Rüegg-Stürm, Schwaninger etc.
Zu meinem persönlichen Erfahrungshintergrund möchte ich ergänzen, dass ich seit meiner Jugend über 10 Jahre hinweg im elterlichen Textilbetrieb mitgearbeitet habe. Diese “unternehmerischen” Erfahrungen haben mich auch auf meinem späteren Weg geprägt. Im Kontext meines Verständnisses von “Management” haben sie dazu beigetragen, dass ich diesen Begriff mit der unternehmerisch geprägten, werteorientierten Führung, Koordination und Gestaltung von Organisationen verbinde. Gutes, effektives und menschenwürdiges Management ist folglich für mich etwas Positives. Und dafür trete ich ein.
Trotzdem hat der kritische Diskurs natürlich viele Fragen aufgeworfen. Wie u.a.:
- Ist Management tatsächlich “tot”? Muss der Managementbegriff eliminiert werden?
- Wenn ja, welche schlüssigen Alternativkonzepte gibt es?
- Brauchen Organisationen überhaupt etwas wie “Management”? Oder können sie sich selbst managen?
- Liegen die “Management-Gurus” der letzten Jahre und Jahrzehnte mit ihren Konzepten vollkommen daneben? Muss Management (oder sein Nachfolger) wirklich völlig neu gedacht und konzipiert werden?
Bezugnehmend auf die letzte Frage in dieser beispielhaften Aufzählung meine ich zum jetzigen Zeitpunkt: NEIN. Ich glaube nämlich immer noch nicht, dass die gemeinhin akzeptierte Management-Theorie völlig falsch ist – sehr wohl aber in vielen Punkte entwicklungs- und verbesserungswürdig (wie alles im Leben). Oder wie es Gary Hamel häufig formuliert: “We must re-invent management.”
Eine Frage drängt sich aber immer stärker auf:
“Warum erleben wir so wenig “gute Theorie” in der Praxis? Haben wir ein Erkenntnisdefizit oder haben wir nicht vielmehr ein Transfer- und Umsetzungsdefizit?”
Wenn wir dann zum Schluss kommen, dass Management “tot” ist und dass es ersetzt werden muss, dann soll’s mir auch recht sein. Denn in zumindest einem Punkt gebe ich allen Management-Kritikern völlig recht: WIR HABEN EIN ECHTES PRAXISPROBLEM IM MANAGEMENT!
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11. August 2009:
hello Stefan,
das ist ein ergiebiges thema!!!
ein paar gedanken dazu, obwohl daraus abendfüllende gespräche oder ganze bücher werden könnten…
* ich denke eines der grundübel aktuell gescheiterter managementansätze ist “komplexitätsreduktion” und kurzsichtigkeit http://blog.poczynek.org/2008/11/komplexittsreduktion.html
* die für mich deutlichste aussage dazu trifft Dirk Baecker bereits 1994 mit seinem werk “Postheroisches Management” (merve verlag berlin)
* und ein besonders hilfreiches konzept finde ich in der soziologischen systemtheorie, die “management” sehr deutlich von “führung” trennt. ich denke die vermengung dieser funktionen mit allen darunterliegenden macht-dynamiken bereitet große schwierigkeiten und passiert leider permanent.
* “eine schule” zu finden, die die richtige wäre halte ich für unmöglich. die individuelle (authentische) persönlichkeit innerhalb eines kulturellen (unternehmens-)kontexts muss zu einem ganzheitlich, handlungsfähigen wirken kommen, das die existenz des unternehmens sichert.
danke für den impuls Stefan!
sunshine!
Jan A. Poczynek