Innovationskultur – Vom Wettbewerbsfaktor zur Überlebensfrage.
Geschrieben von S. Hagen am 17. September, 2009
Gestern durfte ich bei der innovation(night ein interessantes Referat von Michel Fleischhacker erleben. Hr. Fleischhacker ist seines Zeichens Chefredakteur der Österreichischen Tageszeitung Die Presse (hier geht’s zu seinem Blog). Unter dem Titel “Vom Wettbewerbsfaktor zur Überlebensfrage einer Branche” referierte er über den erdbebenartigen Umbruch, der sich derzeit in der Medienbranche vollzieht. Kernthese: Die meisten (eigentlich ALLE) Medienunternehmen haben noch kein Geschäftsmodell gefunden, das ihr aktuelles Geschäftsmodell ersetzen könnte. Und die Krux an der Geschichte ist: Den Medienprofis muss schnell etwas einfallen, sonst wird es zu einem Massensterben kommen.
Was mir an Hr. Fleischhackers Vortrag besonders gut gefallen hat: Er hat von Beginn an gesagt, dass er wesentlich mehr Fragen als Antworten präsentieren wird. So war’s dann auch. Diese erstaunliche Ehrlichkeit hat deutlich gemacht, wie ratlos viele Medienunternehmen derzeit sind. Und ich behaupte, dass dies nicht nur Medienunternehmen betrifft.
Was lernen wir daraus? Hier einige Gedanken, die mir durch den Kopf gegangen sind:
- Wenn wir erst in der Krise über Innovation nachdenken, ist es oft schon zu spät.
- Innovation (= Produkte, Services, Prozesse) und Change Management sind immer mehr als eine Einheit zu sehen. Denn Innovation ohne entsprechende strategische, strukturelle und kulturelle Weiterentwicklung der Organisation und ihrer Mitglieder funktioniert häufig nicht mehr.
- Wir müssen Innovationsprozesse ganz neu denken, öffnen und vielfach wesentlich flexibler gestalten (u.a. auch mit den Prinzipien des agilen Projektmanagements).
- Das Internet wird zukünftig in vielen Bereichen und in vielfältiger Weise noch wichtiger werden, wenn wir über Innovationen nachdenken.
- Kontinuierliche technische Innovationen werden vom Kunden vielfach schon voraus gesetzt. Erlebnisse, Design und Serviceinnovation spiele eine immer wichtigere Rolle.
- Die Geschwindigkeit, mit der wir (= Menschen, Organisationen, ganze Gesellschaften) uns den geänderten Markt- und Umfeldbedingungen anpassen, ist vielfach immer noch zu gering. (Auch wenn diesen Satz viele nicht mehr hören können – es ist leider so.)
- Ein systematisches Vorgehen (z.B. durch Innovationsprozesse, ein professionelles Projektmanagement, Kreativitätsmethodik etc.) ist nach wie vor wichtig. Wenn Unternehmen aber versuchen, zu stark zu “systematisieren”, geht der Schuss nach hinten los. Flexibilität, Agilität und Kreativität sind wichtiger denn je. Diese Faktoren werden durch eine Bürokratisierung von Innovationsvorhaben jedoch torpediert und teilweise unmöglich gemacht.
- Offene Innovation (open innovation) betrifft nicht nur das Hereinholen von Kunden, Lieferanten etc. in den Innovationsprozess. Es muss auch bedeuten, dass die an Innovationen beteiligten Personen ihren persönlichen Horizont öffnen. “Kooperative Kompetenz” ist das Gebot der Stunde.
- Wirkliche Innovation passiert in der Regel nur in Teams – und nirgendwo anders. Wir müssen die Art und Weise, wie Expertenteams miteinander arbeiten, nachdenken, kommunizieren und reflektieren wesentlich effektiver und effizienter gestalten.
- Und zum Schluss der wichtigste Punkt: “KULTUR macht einen Unterschied – nicht nur für das Wohlbefinden, sondern auch in harten betriebswirtschaftlichen Zahlen.” (Winfried Berner) Die wirklichen “Innovations-Champions” der Gegenwart und der Zukunft werden “great places to work” sein. Denn nur die wirklich “coolen” Unternehmen werden es schaffen, die besten Köpfe anzuziehen, zu entwickeln und zu halten. Und wenn man “Kultur” in diesem Zusammenhang als die Summe aller Gewohnheiten in einer Organisation versteht, dann ist natürlich auch klar, dass im praktizierten Führungsansatz ein zentraler Stellhebel liegen wird.
Abschließend noch einige interessante Links zu dem Thema, die mir in den letzten Wochen in die Hände gefallen sind:
Podcast: “Strategien umsetzen. Innovationsprozesse und Unternehmenskultur” mit Dr. Michael Groß (ehemaliger Weltklasse-Schwimmer) von Peakom (Studie zum Download)
4-teilige Innovations-Serie von meinem geschätzten Kollegen Jens Hoffmann (Hoffmann Consulting)
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=W7raJeMpyM0]
HAPPY INNOVATING!









24. September 2009: