Archiv für den Monat: Oktober 2009

Wie wird unsere Arbeitswelt in Zukunft aussehen?

Wirklich gesicherte Antworten auf diese Frage hat niemand. Aber gewisse Entwicklungen zeichnen sich bereits jetzt ab. Bereits die vergangenen 15-20 Jahre waren von bislang kaum vorstellbaren Veränderungen geprägt. Aber das Tempo des Wandels wird weiter zunehmen, ob wir wollen, oder nicht.

Brilliante Präsentation!


Projektmanagement wird von vielen als DAS Instrument der Zukunft betrachtet, um „Change“ zu bewältigen und Innovationen hervorzubringen. Mir persönlich erscheint Projektmanagement – zumindest das, was die breite Masse aktuell darunter versteht – angesichts dieser Themen wesentlich zu trivial zu sein. Was meine ich damit?

Ich glaube, dass die meisten Projektmanagement-Theorien und Ansätze auf relativ stabilen Rahmenbedingungen und Grundannahmen aufbauen. Überspitzt formuliert: Eine Aufgabenstellung wird analysiert, daraus werden Ziele und Aufgaben abgeleitet, diese werden in eine Struktur und Reihenfolge gebracht und schlussendlich abgearbeitet.

Eines ist für mich sicher: So (trivial) werden die hochkomplexen Problemstellungen der Gegenwart und Zukunft nicht lösbar sein.

PS: Ich empfehle, die Präsentation via Slideshare herunter zu laden (ist als PDF-File verfügbar). Denn im Acrobat Reader kann man die Inhalte einfacher betrachten.

Global Society

Gordon Brown, Prime Minister in Großbritannien, kannte ich bislang nur aus kurzen TV Berichten oder Zeitungsartikeln. Heute bin ich aber bei TED auf eine bemerkenswerte Rede gestoßen, die er im Juli diesen Jahres gehalten hat.

An bewegenden Beispielen macht Brown deutlich, dass es auf der Welt viele globale Probleme gibt, die wir nur gemeinsam lösen können. Er ist der Ansicht, dass wir nun erstmals in der Menschheitsgeschichte die Chance haben, eine „Global Society“ zu schaffen (auf der Basis einer globalen Ethik, Kommunikation, Organisation und Zusammenarbeit).

[ted id=604]

Diese Rede macht mich sprachlos, betrübt, nachdenklich und hoffnungsvoll zugleich.

Agilität vs. Stabilität

Agilität vs. Stabilität (GPM Event in Friedrichshafen)

Agilität vs. Stabilität – GPM Veranstaltung

Alissa Schneider von doubleSlash hat mich heute auf eine GPM Veranstaltung mit dem Titel „Agilität vs. Stabilität“ aufmerksam gemacht. Patrick Schmerbach und Edmund Hierlemann (beide Mitarbeiter bei doubleSlash) berichten anhand eines konkreten Beispiels über die Kombination agiler und traditioneller PM Methoden. Ein aus meiner Sicht hochaktuelles Thema.

Der Vortrag findet am Freitag, den 27. November 2009 in Friedrichshafen statt (18-20 Uhr, Competence Park). Veranstalter ist die GPM.

Noch eine kurze Ergänzung meinerseits zum Thema „Agilität vs. Stabilität“: Im Rahmen der XING-Gruppe „Projektmanagement – Kooperation im Projekt“ (die Gruppe hat übrigens knapp 40.000 Mitglieder!) hat sich kürzlich eine interessante Diskussion zu genau diesem Thema entwickelt. Ursprünglich wurde die Frage gestellt, ob SCRUM für den Vertrieb nur ein Wort sei. Nach einigem hin und her hat Sebastian Stücker kritisch nachgefragt, wie die Unterscheidung zwischen traditionellem und agilem Projektmanagement überhaupt theoretisch begründet sei? Sebastian hat völlig recht, theoretisch ist diese Differenzierung wahrscheinlich wirklich noch kaum fundiert.

Weiters hat Sebastian zurecht eingebracht, dass auch vermeintlich „traditionelle“ Ansätze wie der PMI Standard „Project Management Body of Knowledge“ (PMBOK) agile Elemente enthält.

Fazit: Der konstruktiv-kritische Diskurs muss weiter gehen. Wir haben praktisch und auch theoretisch noch viel zu lernen!

The Future of Project Management

Future of PM

Future of PM

Aus Zufall bin ich gerade auf eine neue Fansite bei Facebook gestoßen: „The Future of Project Management„. Die Seite basiert auf einer aktuellen PMI Publikation: „Project Management Circa 2025“ (Inhalt & Vorwort; für US$ 39,95 für PMI Members erhältlich). Auf gut 500 Seiten schreiben verschiedene Autoren über Entwicklungen und Trends, die im Projektmanagement in den nächsten Jahren von Bedeutung sein werden.

Ich konnte mich mit den Inhalten des Buchs noch nicht auseinander setzen, bei Josh Nankivel findet Ihr allerdings eine erste grobe Bewertung der Inhalte. Hier die Kurzbeschreibung von PMI:

For nearly 50 years, numerous books have addressed the management of projects

Sicher ist, dass nichts sicher sein wird.

Was wird die Zukunft bringen? Niemand kann es wissen, denn die Zukunft wird erst geschrieben. Aber eines ist sicher: Die Zeiten der Stabilität, Sicherheit und Planbarkeit sind vorbei. Alles wird schneller, dynamischer, komplexer und damit auch vielfach riskanter.

Die gesellschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Herausforderungen der nächsten Jahre und Jahrzehnte werden enorm sein. Sie werden eine weitaus intensivere Kollaboration von Staatengemeinschaften, Volkswirtschaften, Organisationen und Einzelpersonen erfordern. „Kollaborative Kompetenz“ wird ein Schlüssel zum Erfolg sein.

Ob man nun Projektmanagement, Teamorganisation, Selbstorganisation oder wie auch immer dazu sagen möchte: Wir müssen die Art und Weise, wie wir unterschiedliche Kompetenzen und Standpunkte zu sinnvollen Lösungen zusammenführen (sprich organisieren), wesentlich optimieren. Entsprechend muss auch Projektmanagement neu gedacht, teilweise neu erfunden werden. Agile Vorgehensweisen, Systemtheorie und Kybernetik oder auch virtuelle Netzwerke sind erst der Anfang.

Dr. Ian Goldin gibt uns in seinem hervorragenden TED-Vortrag „Navigating our global future“ eine Ahnung, was auf uns zukommen könnte:

Die Kunst der Improvisation

Dr. Andreas Zeuch

Dr. Andreas Zeuch

Heute habe ich auf der Heimfahrt wieder mal den Podcast „Abenteuer Intuition“ von Dr. Andreas Zeuch gehört. Er ist einer der Top-Experten im deutschsprachigen Raum für die Themen Intuition & Nichtwissen.

In der aktuellen, 25. Folge von „Abenteuer Intuition“ geht es um Improvisation. Gerade für Projektmanager/innen ist dieses Thema aus meiner Sicht von enormer und ständig steigender Bedeutung.

Bevor ich das Thema aus meiner Perspektive und Erfahrung kurz beleuchte: Falls Ihr Podcast-Hörer/innen seid, solltet Ihr den Podcast von Andreas unbedingt abonnieren. Falls Ihr lieber lest, empfehle ich Euch Andreas‘ Webseite mit etlichen hervorragenden Inhalten (Texte, Scribecasts…) oder auch den Artikel „Improvisation will gelernt sein“ (PDF), der bei ChangeX erschienen ist (Inhalt ist identisch mit der Folge 25 des Podcasts).

Nun noch kurz meine persönlichen Gedanken zu dem Thema:

  • Projekte werden in der Praxis immer komplexer und dadurch schwerer planbar.
  • Traditionelle Projektmanagement-Methoden und Ansätze gehen jedoch von einer weitgehenden, deduktiven Planbarkeit von Projekten aus. Das Problem wird erfasst, Ziele formuliert, die Projektstruktur entwickelt, Aufgaben geplant und in eine zeitliche Reihenfolge gebracht und schlussendlich wird der Plan umgesetzt. Vom Groben ins Detail, nach einem logischen Schema.
  • Allerdings führt dieser Planungs- und Steuerungsansatz immer häufiger in die Sackgasse. Denn der Anteil an unplanbaren und unkontrollierbaren Projektteilen steigt an.
  • Als eine logische Konsequenz erobern agile Vorgehensmodelle wie SCRUM, Extreme Programming oder Crystal die Projektmanagement-Szene mit rasanter Geschwindigkeit. Über kurz oder lang wird kaum ein PM-Bereich mehr an diesen Methoden, Modellen und vor allem Prinzipien vorbei kommen!
  • Die „epistemische Arroganz“ (Überschätzung des Wissens und Geringschätzung des Nichtwissens und der Intuition) – wie es Andreas in seinem Artikel so treffend beschreibt, ist auch im Projektmanagement weit verbreitet. Das führt häufig soweit, dass sich Projektmanager/innen hinter umfangreichen Projektplänen, Balkenplänen, Risikochecklisten etc. verstecken. Das aktive Management hingegen kommt zu kurz.

Einige Hypothesen, die ich daraus für gutes, effektives Projektmanagement ableite:

  • Wir brauchen besonders im Projektmanagement eine gesunde Balance zwischen Planung und Improvisation.
  • Das Erlernen und Trainieren einer „professionellen Intuition“ als Basis für effektive und wirkungsvolle Improvisation sollte ein wichtiger Bestandteil von Qualifizierungskonzepten und -maßnahmen im (Projekt)Management werden.
  • Wir brauchen BESONDERS AUCH IM PROJEKTMANAGEMENT eine neue Kultur, mit Fehlern, Nichtwissen und auch Intuition umzugehen. Dieses Kultur kann – wie immer – nur „von oben“ vorgelebt und eingefordert werden.

Denn schon Charles Darwin hat erkannt:

In der langen Geschichte der Menschheit setzten sich diejenigen durch, die gelernt hatten, möglichst effektiv zusammenzuarbeiten und zu improvisieren.“

PS: Mein Respekt und Dank gebührt Andreas Zeuch für seinen hervorragenden Artikel zum Thema.