(Leise) Kritik am GPM Methodenwürfel
Geschrieben von S. Hagen am 5. Oktober, 2009
Die Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V. betreibt mit dem GPM Infocenter eine Plattform für Wissenschaftler/innen bzw. all jene, die eine wissenschaftliche Arbeit im Themenfeld Projektmanagement verfassen. Was steckt dahinter?
“Das GPM InfoCenter ist die wissenschaftliche Plattform der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement für Informationen rund um das Thema Projektmanagement. Wenn Sie eine Seminararbeit, eine Abschlussarbeit oder eine Dissertation auf diesem Gebiet schreiben oder an einem darauf ausgerichteten Forschungsvorhaben arbeiten, sind Sie hier richtig. […] Mit dem Portal sollen Wissenschaftler und Studierende bei ihrer Arbeit unterstützt werden. Angesprochen sind aber auch fachlich interessierte Projektleiter und Projektmanager in Wirtschaft und Verwaltung sowie ganz allgemein jeder, der sich mit Projektmanagement professionell beschäftigt.” (Quelle: GPM)
Was mir an dem Angebot gut gefällt:
- klare Struktur
- gute Übersicht (z.B. über nationale und internationale PM Standards)
- der grundsätzliche Ansatz des PM Methodenwürfels
- die vielen Links und kostenlosen Downloads
Was ich eher kritisch sehe:
- die Systematik und Terminologie des PM Methodenwürfels
Zu diesem Kritikpunkt möchte ich kurz Stellung beziehen. Die Differenzierung nach Projektphasen, Prozessgruppen und Methodenarten erscheint mir grundsätzlich sehr sinnvoll zu sein. Allerdings gehe ich nicht konform mit der Definition dieser 3 Dimensionen.
- Denn die genannten Projektphasen (Initialisierung, Definition, Planung, Steuerung, Abschluss), wie sie hier beschrieben werden, haben meines Erachtens den Charakter von iterativen PM Prozessen (oder Prozessgruppen, wie sie nach PMI® Terminologie genannt werden).
- Projektphasen sind zeitlich begrenzte Abschnitte, die in der Regeln durch einen Meilenstein abgeschlossen werden. Wir sollten uns doch wirklich endlich von der Vorstellung lösen, dass beispielsweise die Planung eines Projekts dieses Kriterium erfüllt! Planung ist in komplexen Projekten doch vielmehr ein kontinuierlicher Prozess. Gleiches gilt für die restlichen PM Prozessgruppen oder PM Funktionen.
- Die genannten Prozessgruppen (Ablauf & Termine, Information, Dokumentation und Kommunikation, Kosten & Finanzen, Organisation, Qualität, Ressourcen, Risiko, Projektstruktur, Verträge & Nachforderungen, Ziele) stellen eine wichtige Differenzierung dar. Aber auch hier halte ich den Begriff “Prozessgruppen” für nicht gut gewählt. Meine Vorschläge: PM Wissensfelder (äquivalent zu PMI) oder PM Dimensionen.
Noch einmal: Der Ansatz des PM Methodenwürfels ist meines Erachtens sehr gut und auch wirklich sinnvoll. Allerdings halte ich die Strukturierungsdimensionen für nicht gut gewählt bzw. definiert. Denn ich vermute dahinter ein recht antiquiertes, phasenorientiertes Verständnis von Projekten und Projektmanagement (zuerst die Initiierung, dann die Definition, dann die Planung…). Dieses Verständnis sollte meines Erachtens durch ein iteratives Prozessverständnis abgelöst werden.
Projektphasen (und entsprechende Meilensteine) sind weiterhin ungemein wichtige Strukturierungsmerkmale in Projekten. Allerdings sind Projektphasen meines Erachtens je nach Projektart spezifisch. Aus der Summe der Projektphasen ergibt sich der Projektprozess.
Fazit: In derartigen Diskussionen hat niemand wirklich “recht”. Denn vor dem Hintergrund eines individuellen Begriffsverständnisses hat Jede/r für sich recht. Mein Plädoyer besteht im Kern darin, dass wir uns von einer phasenorientierten Sichtweise im Projektmanagement endlich lösen. Die Abwicklung von Projekten erfolgt sehr wohl in Phasen, nicht aber das Management. Projektmanagement muss flexibel und dynamisch sein und dadurch iterativen PM Prozessen folgen.










5. Oktober 2009: