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Integriertes Projektmanagement

Geschrieben von S. Hagen am 27. Februar, 2010


Wir leben in einer komplexen, dynamischen und teilweise unberechenbaren Zeit. Damit einher geht die Tatsache, dass es in den allermeisten Bereichen keine Patentlösungen mehr gibt, die den Erfolg sicher stellen. Vielmehr benötigen wir ein breites Repertoire an Methoden, ein ganzheitliches Verständnis für Problemsituationen und Veränderungen und vor allem die Offenheit, eingetretene Pfade immer wieder zu hinterfragen und gegebenenfalls zu verlassen.

Diese Thesen lassen sich auch 1:1 auf die Disziplin Projektmanagement übertragen. Ich bin davon überzeugt – und habe an dieser Stelle schon diverse Male darüber geschrieben – dass wir teilweise ein neues Projektmanagement Verständnis brauchen. Weg vom sturen Festhalten an Standards und vermeintlich bewährten Methoden, hin zu einem ganzheitlich-integrierten (Management)Verständnis. Damit meine ich vor allem auch die Integration traditioneller und agiler PM-Ansätze. Hierzu einige Gedanken:

Im Kern geht es darum, die Prinzipien einer differenzierten und integrierten Managementlehre auf das Projektmanagement zu übertragen. Und das bedeutet eben NICHT, dass traditionelle Ansätze und Methoden nun keine Gültigkeit mehr haben, und alle Projekte nur noch agil geführt werden sollten. Vielmehr sollten wir ein möglichst breites Methodenverständnis haben, um so die richtigen Werkzeuge und Vorgehensweisen zur richtigen Zeit anzuwenden. Oder wie es William Ross Ashby ausdrücken würde: “Only variety can destroy variety.”

 

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7 Kommentare zum Thema
“Integriertes Projektmanagement”

Thomas
28. Februar 2010:

Folie 23 ist aus meiner Sicht ein schönes Beispiel für die Integration unterschiedlicher Methoden, die ich im täglichen Berufsleben erlebe.

Die professionelle Arbeitsmethodik der Teammitglieder schafft Vertrauen und Verlässlichkeit. Wenn nun die Projektleitung das Projekt mit klassischen Methoden steuert und gleichzeitig weiß, dass das Projektteam zuverlässig arbeitet, genau dann können in der Zwischenschicht selbstorganisierende Methoden zugelassen werden.

Wichtig ist dabei, dass die Projektleitung “loslassen kann” weil sie das Vertrauen in sein Projektteam. Die Projektleitung muss nicht alles Wissen. Eventuell muss sie die Möglichkeit besitzen auf Informationen zurückzugreifen. Aber ich habe bemerkt, dass ein Projektteam, dem man die Freiheit lässt, sich selbst zu organisieren, häufig zu intelligenteren Lösungen kommt, als eine Projektleitung mit mechanistischen Methoden.

Patrick Fritz
28. Februar 2010:

Ich bin ja eigentlich ein “Integrationsfan”! Mir ist aber nicht klar was der Vorteil der Integration “alter” und “neuer” Methoden sein soll. Ich stelle jetzt einfach mal die These in den Raum die Methode anzuwenden die zum Problem passt. Wenn ich ein Projekt relativ genau planen kann ist ein klassicher Ansatz sicherlich hilfreich (z.B. Hausbau, PSP, Gantt, usw). Wenn ein Projekt relativ schwer planbar ist (z.B. Entwicklung einer hochkomplexen Software) macht ein agiler Ansatz durchaus Sinn. SCRUM ist ein Framework zur Steuerung empirischer Prozesse, meint probieren und anpassen, probieren und anpassen, probieren und anpassen… beim Hausbau macht das wohl wenig Sinn und würde wenig Vorteile mit sich bringen.

S. Hagen
28. Februar 2010:

Hallo Patrick, Du Integrationsfan ;-)

Der Vorteil der Integration liegt aus meiner Sicht auf der Hand: Mehr Effizienz und Effektivität in Projekten durch einen ganzheitlich-integrativen PM Ansatz. Dieser Ansatz besteht aber aus mehr als “nur” Methoden, sondern wesentlich auch aus dem damit verbundenen Führungs- und Managementverständnis.

Wenn wir uns anschauen, auf welchem Verständnis die klassischen PM Ansätze beruhen, so sind diese mit jenem der agilen PM Ansätze kaum vergleichbar. Wenn dies NICHT so wäre, dann hätte es das agile Manifest (http://agilemanifesto.org) nie gebraucht.

Für mich ist “Integriertes Projektmanagement” eine stringente Übertragung der integrierten Managementlehre (wie z.B. hier http://bit.ly/bEVjN2 oder auch in der modernen Qualitätsmanagementlehre) auf das Projektmanagement. Es geht um eine ganzheitlichen Blick auf möglichst alle relevanten Elemente und Ebenen des Managements.

Konkret: Wir sind uns einig, dass sich das Projektmanagement und die damit verbundene Methodik dem jeweiligen Projekt anpassen sollte. Entsprechend ist auch klar, dass SCRUM in der z.B. Baubranche wohl nicht 1:1 anwendbar ist. Aber: Ich behaupte, dass agile Prinzipien und Vorgehensweisen in praktisch ALLEN Projekten Anwendung finden können. Denn diese basieren auf einem modernen Führungs- und Managementverständnis (partizipativ, selbstorganisiert, kommunikations-getrieben, kybernetische Steuerung, etc. etc.).

Und: Mir geht es bei der ganzen Diskussion auch wesentlich darum, dass beide “Welten” viel voneinander lernen können und auch sollen. In diesem Sinne ist Integration mehr als nur Kombination – sondern eben voneinander lernen.

S. Hagen
28. Februar 2010:

@Thomas: Bin voll Deiner Meinung.

Ich musste beim Verfassen der Präsentation einige Male an unseren “Ludwigsburger Kreis” zurück denken. Denn ich glaube, dass wir dort im Kern über etwas Ähnliches diskutiert haben. Können alte und neue Führung voneinander lernen? Oder ist die alte Führung gänzlich obsolet geworden?

Meine Meinung: Wir brauchen ein ganzheitlich-integratives Management- und Führungsverständnis, das auf menschenwürdigen Prinzipien und Werten aufbaut, in sich aber differenziert und eben integrativ funktioniert. (siehe auch Prof. Kruse: http://bit.ly/2VPDX)

Ganz schön abstrakt… ;-)

[...] Integriertes Projektmanagement [...]

Eberhard
1. März 2010:

Wenn ich alles in einem Satz zusammenfassen müsste, würde ich diesen hier nehmen

Management- und Führungsverständnis, das auf menschenwürdigen Prinzipien und Werten aufbaut,

Dieser Satz hat aber Implikationen, die über das Thema Führungsverständnis hinausgehen. Da kommt man relativ schnell auch an die Wertefrage, die sich das Unternehmen stellen muss. Provozierend gefragt: Kann das in einem Unternehmen, das sich alleinig der Profitmaximierung um jeden Preis verschrieben hat, jemals funtionieren?

Olaf Hinz
1. März 2010:

ich bin ganz bei Dir, lieber Stefan.
In meinen Publikationen spreche ich daher von der notwendigen Bedingung erfolgreichen Projektmanagements (den Methoden, Vorgehensmodellen und Prozessen, ohne die Projekte har nicht manageble wären)und von der
hinreichenden Bedingung (dem Führungsverhalten, unter Unsicherheit zu entscheiden, mit Gruppendynamik sinnvoll umzugehen und Komplexität/ Emergenz zu nutzen).

Ob das Neue nun integriert, systemisch, agil oder einfach nur neu ist, ist für mich eher ein Wortspiel. Für mich kommt es u.a. darauf an, dass Projektmanager auf die Vorgaben einer „Planwirtschaft“ verzichtet, wie sie im Projektmanagement a la PMI noch immer gelehrt wird. Anstatt sich den Blick durch lineare Methoden einzuengen, nimmt er aufmerksam alle Ereignisse und Signale auf, die er im Zusammenhang mit seinem Projekt beobachtet. Dabei unterscheidet er sich vor allem in fünf Punkten von Kollegen:

- Er arbeitet mit Beschreibungen, anstatt von einer „objektiven Wahrheit“ auszugehen. Für ihn gibt es nicht die Realität, sondern eine Vielfalt von möglichen Sichtweisen. Projektmanagement-Modelle haben für ihn keinen normativen Charakter, sondern nur einen Orientierungswert. Sie schärfen den Blick, ohne ihn zu begrenzen.

- Er denkt in Alternativen, anstatt nach eindeutigen Lösungen zu suchen. Er handelt nicht im Entweder-oder-Modus, sondern in Kategorien von „sowohl – als auch“. Bevor er entscheidet, bildet er Hypothesen und beobachtet genau, welche Rückkopplungen eine Entscheidung auslöst.

- Er setzt auf Vernetzung statt auf lineare Kausalketten – und behält so Rückkopplungen und die dahinter liegenden Prozesse im Griff. Von vordergründigen Inhalten, die in Ursache-Wirkungsbeziehungen verknüpft sind, lässt er sich nicht blenden. Statt die Dinge starr festzuhalten, fokussiert er sich auf dynamische Beziehungen und Prozesse.

- Er entscheidet unter Risiko, anstatt bei unerwarteten Situationen entscheidungsunfähig zu sein. Unentscheidbare Entscheidungen zieht er trotz ihrer unerwünschten Nebenwirkungen dem Abwarten vor.

Projekt- Management jenseits der Planwirtschaft eben!





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