Selbstorganisation – Chance oder Illusion?

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Organisationen (= Unternehmen, Projekte, Vereine…) sind komplexe, sozioökonomische Systeme. Management und Führung hat die zentrale Aufgabe, diese Systeme zu gestalten und zu lenken – im Sinne des übergeordneten Systemziels. Soweit zur abstrakten Definition.

Wir alle wissen aber, dass es konkret um die Kooperation von Menschen geht – mit all Ihren Fähigkeiten, Talenten, Eigenheiten und auch Schwächen. Dort liegt die WIRKLICHE Herausforderung eines jeden Managers und einer jeden Managerin. Hierzu habe ich folgende Thesen:

  • Damit Führungskräfte OPERATIV wirkungsvoll führen können, benötigen Sie ein Grundverständnis über das „Funktionieren“ komplexer Systeme.
  • Management sollte in jedem Fall anstreben, dass es obsolet wird und dass die Managementfunktion von den Mitgliedern des Systems wahrgenommen (= Selbstorganisation).
  • Ich glaube NICHT, dass sich Organisationen längerfristig „von alleine“ selbst organisieren können. Vielmehr bedarf es einer sinnvollen und der jeweiligen Situation angepassten Balance zwischen direkter, struktureller, partizipativer und selbstorganisierter Führung.
  • Damit Selbstorganisation überhaupt eine Chance haben kann, müssen in einer Organisation Werte wie Vertrauen, Respekt und gegenseitige Wertschätzung hochgehalten und eingefordert werden.

Jurgen Appelo (NOOP.nl) hat zu diesem Thema wieder einmal eine hervorragende Präsentation veröffentlicht. Besonders beeindruckt bin ich von der optischen Aufbereitung, denn offenbar fertigt Jurgen die Grafiken für die Präsentationen jeweils selbst an. Erste Sahne…

Zum Kern dieser Präsentation nimmt auch der geniale Prof. Peter Kruse in diesem Interview Stellung. Er nennt selbstorganisierte Systeme hier „informelle Netze“. Weiters definiert er „qualitätsgesicherte Prozesse“ als Voraussetzungen für selbstorganisierte Systeme.

Was meint Ihr? Ist Selbstorganisation eine Chance oder doch eine Illusion?

26 Gedanken zu „Selbstorganisation – Chance oder Illusion?

  1. Gebhard Borck

    Hi Stefan,

    hierzu kann ich nicht schweigen ;o) …

    Die Präsentation sagt es bereits »Selbstorganisation ist die Norm – Management ist die Ausnahme«.
    Management ist ein künstlicher Eingriff und damit nicht zwingend nötig.

    Ein Unternehmen als soziotechnisches System zu beschreiben ist Bullshit. Das ist wie die Feststellung, dass Wasser nach unten fließt. Hilfreicher ist es ein Unternehmen als sozioökonomisches System zu beschreiben.

    Wenn Management sich selbst obsolet machen soll, ist es zumindest wiedersprüchlich anzunehmen, dass »sich Organisationen NICHT längerfristig “von alleine” selbst organisieren können«.

    Wenn Selbstorganisation das Normale und Management die Außnahme ist, kann sie nicht von »Werten wie Vertrauen, Respekt und gegenseitige Wertschätzung« abhängig sein. Das ist erst einmal ein Wunsch nach Komfort. Vielleicht macht es auch das Interagieren von sozioökonomischen Systemen effektiver, wer weiß?

    Diese Werte können auch nicht eingefordert werden. Das bricht sich mit der Sehnsucht nach Selbstorganisation.

    Es ist also so, dass wir in der Frage der Selbstorganisation an einem Scheideweg angekommen sind.

    These:
    Jeder irgendwie geartete mangementmäßige Eingriff im Sinne von »gestalten und lenken« in eine Organisation hebt das Prinzip der Selbstorganisation auf.

    So wie Du es am Beginn des Beitrags definierst stehen wir hier also vor einem Entweder-Oder und keinem Sowohl-Als-Auch.

    Spannend!

    Gruß
    Gebhard

    PS: Wie kann man denn, seit Deinem Relaunch, den einzelnen Diskussionssträngen folgen, indem man sich Mails über neue Nachrichten schicken lässt?

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  2. Olaf Hinz

    Moin Stefan,
    ich will die Idee meines Vorredners noch ergänzen, wobei ich zu einem anderen Schluss komme:

    Management steht vor der Aufgabe, eine neue Lösung für ein zumindest teilweise unbekanntes Thema in Teamarbeit zu finden. Dieser Entwicklungsprozess ruft bei den Beteiligten oft Unsicherheit und Widerstand hervor. So gesehen wird die Führung zu einer fachlich, psychologisch und politisch anspruchsvollen Aufgabe, die wohl kaum „exakt, vollkommen und richtig“ zu erfüllen ist. Ein Manager steht vielmehr vor dem typischen Problem der Führung in komplexen Systemen – er hat es mit unentscheidbaren Entscheidungen (von Förster) zu tun.

    Das häufige Auftreten unentscheidbarer Entscheidungen macht deutlich, dass eine Komplexitätsgrenze überschritten wird, ab der Verhalten und Fortgang eines Projektes nicht mehr berechnet und geplant, sondern nur noch prognostiziert und gesteuert werden können. Es gibt keine Checklisten mehr, an denen man sich festhalten kann.

    Das mechanistische (Projekt)Management unterstellt, dass die einfachste Form von Komplexitätsreduktion funktioniert: Man baut sich sein Maschine-Modell und geht stillschweigend davon aus, alle Vorgänge seien linear und bis in eine beliebige Zukunft aneinanderreihbar.

    Es braucht weiterhin Management in Organisationen, aber zukünftig auch Entscheiden unter Unsicherheit. Es braucht eine Haltung der Ambiguitätstoleranz, d.h. der Fähigkeit auch in uneindeutigen Situationen als Führungskraft zu handeln. Selbstverständlich spielen Zahlen, Daten und Fakten auch hier eine sehr wichtige Rolle. Auch hier stützen sich Entscheidungen auf eine solide Informationsgrundlage, die Hypothesen, Wenn-Dann-Kausalitäten und Wahrscheinlichkeiten einbezieht. Am Ende steht der Manager dann aber vor mehreren Alternativen und nicht nur einer. Die Zwangsläufigkeit des Wenn-Dann Modells wird durch die Offenheit des Rückkopplungsansatzes ersetzt. Projektmanager wählen unter den bestehenden Alternativen die Passende aus. Diese ist nicht dadurch gekennzeichnet, dass sie die Beste ist, sondern dass die Führungskraft sie für die beste hält. Das Risiko das nun entsteht, weil einerseits entschieden werden muss (sonst herrscht Stillstand) und andererseits jede Entscheidung eigentlich unentscheidbar ist, muss der Manager allein tragen.
    Gelebte Emergenz eben….

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  3. Andreas Christian Habicht

    Hallo Gebhard,

    ich denke NICHT, dass wir in der Frage der Selbstorganisation an einem Scheideweg angekommen sind. Unsere Aufgabe im Management ist es immer dafür zu sorgen, dass sich selbst organisierende Gruppen weiter entwickeln. Es gibt kein Ende in der Entwicklung von Menschen und Systemen. Wenn ich Peter Kruse richtig versanden habe, träumt er auch von Organisationen deren Mitglieder ein Höchstmaß an Bewußtsein und Eigenmotivation besitzen, ohne immer getrieben werden zu müssen. Unsere Aufgabe als Manager ist es solche Systeme künstlich zu befruchten, zu bereichern und zu ordnen, wenn es notwendig ist.
    Deiner These, dass jeder irgendwie geartete managementmäßige Eingriff im Sinne von Gestaltung, das Prinzip der Selbstorganisation aufhebt, stimme ich nicht zu. Es ist doch die Kür des Managements, Organisationen kontinuierlich weiter zu entwickeln. Es ist vielleicht immer ein Wechselspiel zwischen Gestaltung von außen und sich aus eigener Kraft entwickeln von Gruppen. Gruss A. C. Habicht

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  4. S. Hagen Beitragsautor

    @Gebhard:

    Ich musste bereits schmunzelnd an Dich denken, als ich gestern den Blogpost verfasst habe. 😉

    Du hast recht, dass die Definition „sozioökonomisches System“ wesentlich besser ist. Ich hoffe, es ist OK für Dich, dass ich diese Definition auf der Basis Deiner „Bullshit-Rückmeldung“ geändert habe 😉

    Ich denke, Du bringst es auf den Punkt: Ich glaube nämlich auch, dass wir mit der Selbstorganisation an einem Scheideweg angekommen sind. ENTWEDER-ODER bzw. SOWOHL-ALS-AUCH. Du plädierst für Ersteres, ich für Letzteres.

    Wirklich spannend…

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  5. S. Hagen Beitragsautor

    @Olaf:

    Du bringst die Situation sehr gut auf den Punkt: Die Zeit des mechanistischen (Projekt)Managements ist vorbei. Wir brauchen neue Strategien, Vorgehensweisen und Methoden im Umgang mit komplexen, unsicheren und teilweise unplanbaren Situationen.

    Für mich ist klar, dass die „klassischen“ Projektmanagementansätze hier meist wesentlich zu kurz greifen. Vielmehr habe ich den Eindruck, dass wir uns zuerst der grundlegenden „Management- und Führungsfrage“ stellen müssen, bevor wir diese Erkenntnisse auf Projekte und Projektmanagement übertragen. Oder anders formuliert: Gutes Projektmanagement ist im Kern nichts anderes als gutes Management.

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  6. Olaf Hinz

    @Stefan: Exakt!
    Projektmanagement nutzt eigene Methodik und Sprache, so wie die Disziplinen Strategie oder IT auch. Führung/ Management ist eine Meta-Kompetenz, die sich in Projekten aber auch in der Linie oder der Matrix transformieren muss.
    Weg von der Simplifizierung und Komplexitätsreduktion durch lineare Methoden hin zur Komplexitätserhöhung in der Disziplin Management durch das Führen in rückgekoppelten Systemen
    http://ow.ly/1g0Ry

    Antworten
  7. Pingback: Webschau Wirtschaftsblogs 2010-03-10 « Blick Log

  8. Paul Bayer

    Selbstorganisation entwickelt sich von selbst (wie der Name sagt) und ist emergent. Sie ist eine Charakteristik komplexer Systeme. Sie ist daher eine Realität und Notwendigkeit.

    Wir behandeln komplexe Systeme oft falsch und schränken sie zu sehr ein, blockieren so ihre Energien und Potenziale. Mehr Selbstorganisation zuzulassen ist eine Chance, weil sie diese Einschränkungen aufheben und Entfaltung ermöglichen kann. Je komplexer unsere Systeme werden, desto mehr Selbstorganisation ist nötig.

    Allerdings sind wir Menschen sinn- und zweckgerichtete Lebewesen und versuchen natürlich sehr wohl die Systeme in eine bestimmte Richtung zu bringen. Wenn es sich dabei um Organisationen handelt, dann sprechen wir von Management. Ohne Management gehts also auch nicht. Allerdings muss sich das Management zurück nehmen und Selbstorganisation verstehen und mit ihr umgehen und sie nutzen können.

    Vielleicht können wir Selbstorganisation und Management als zwei Pole sehen. Zuviel Management schränkt die Systeme zu sehr ein. Sie sind dann überbestimmt. Nur emergente Selbstorganisation wird kaum zu einem zweckgerichteten Arbeiten führen, wenn bestimmte Größenordnungen überschritten werden. Solche Systeme sind unbestimmt.

    Vgl. Systeme und ihre Constraints: http://www.wandelweb.de/blog/?p=997

    Viele Grüße,
    Paul Bayer

    Antworten
  9. Andreas Zeuch

    Ein paar kritische Gedanken über die Denker:

    a) Es erscheint mir logisch, dass „Manager“, egal ob Projektmanager oder was für Manager auch immer, höchstenfalls die für sie schon gewagte These vertreten können, dass ein bisschen Selbstorganisation sinnvoll und realistisch sei. Mehr jedoch geht nicht, denn es gibt ja immer wieder die Drückeberger, Inkompetenten, und natürlich auch immer wieder komisch geartete Systemdynamiken, die einen ordnenden Eingriff verlangen.
    Das erscheint mir deshalb logisch, weil alle Manager schlicht die Sorge haben, was sie denn zukünftig tun sollen, wenn sie obsolet wären. Ja, was dann?

    b) Interessant ist, dass es sehr wohl Unternehmen gibt, die „Management“ mehr oder weniger abgeschafft haben und nicht im selbstorganisierten Chaos versunken sind. Und das seit Jahren. Das sind sogar Unternehmen, die in Ihrer Domäne äußerst erfolgreich sind. Zum Beispiel der Schindlerhof. Ein entsprechendes Interview mit dem Inhaber und Geschäftsführer Klaus Kobjoll können Ihr hier lesen:
    http://www.psychophysik.com/integral-blog/?p=515

    Ja, ja, eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Also ein weiteres Beispiel: Das ist die Lunge Laufschuhmanufaktur, mit dessen Inhaber und GF ich ebenfalls gesprochen habe. Einen Bericht darüber findet Ihr in meinem integral.blog:
    http://www.psychophysik.com/integral-blog/?p=727
    und einen Podcastbeitrag in meiner Serie „Abenteuer Intuition“:
    http://www.dasabenteuerleben.de/index.php?id=2&oid=61598

    Und weil aller guten Dinge drei sind, empfehle ich allen Zweiflern der Selbstorganisation die Lektüre „Erfolg ohne Chef“, das Buch des Inhabers und GF der CPP Studios Event GmbH. Gernot Pflüger spricht von „Wirtschaftsdemokratie“, sehr radikal und konsequent umgesetzt. Erfolgreich seit 19 Jahren.

    Für mich stellt sich nicht die Frage, welche Welt wir vorfinden, sondern in welcher Welt wir leben wollen. Und ich kenne noch kein Naturgesetz, dass beweist, dass komplett selbstorganisierte Systeme nicht funktionieren können. Natürlch gibt es zahlreiche Unternehmen/Organisationen, in denen wir immer wieder den ordnenden Eingriff brauchen – aber warum?? Ich glaube kaum, dass dies der Beweis ist, dass es nicht geht, denn die zitierten Unternehmen funktionieren ja wesentlich selbstorganisierter, als 99% der restlichen Unternehmen. Erfolgreich.

    Es ist also eine Frage desse, was wir wollen und woran wir glauben. (Übrigens: Erwartungshaltungen beeinflussen nicht nur unser eigenes Verhalten in die Richtung der Erwartung, sondern auch die anderer Personen. Das nennt sich dann Rosenthal-Effekt…).

    HGAZ

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  10. Eberhard Huber

    In einem Punkt würde ich Herrn Kruse zustimmen, Selbstorganisation hat nichts mit freundlicher Luschigkeit zu tun, in der Tat ist Selbstorganisation anstrengend und erfordert auch Disziplin. Selbstorganisation benötigt in der Tat Rahmenbedingungen (self, boundaries usw.) – vor allem in real existierenden (noch nicht vollständig selbstorganisierten) Unternehmen kann ich einem Team oder einem Netz von Teams nicht sofort alle Freiheiten geben.

    ABER:

    Hochstandardsierte qualitätsgesicherte Prozesse vor allem in der Kommunikation halte ich aber mitnichten für eine Voraussetzung sondern für Gift. Ganz konkret, wenn ich einem Team die Hoheit über die (Mit)Gestaltung seiner Prozesse nicht zugestehe kann ich die Selbstorganisation knicken.

    In der Selbstorganisation steckt viel mehr Kraft und sie entspricht den Menschen und man muss sie wollen und bereit sein den Preis dafür zu bezahlen (gerade als Manager).

    Antworten
  11. Eberhard Huber

    Ich muss nochmal was ergänzen und nochmal Prof. Kruse widersprechen.

    Eine selbstorgansiertes System, das aus Menschen besteht, wird immer in Subsysteme zergliedert sein. Menschen haben kommunikativ / kognitive Grenzen, die die effiziente Gruppengrößen bestimmen. Gruppen mit deutlich mehr als 10 Mitgliedern zerfallen in typische Größen mit 5 bis 10 Mitgliedern. Eine Selbst-Organisation wird daher zwangsläufig aus kooperierenden Gruppen bestehen. Was in den einzelnen Gruppen passiert ist für die anderen Gruppe teilweise unsichtbar. Dieser unsichtbare Teil ist sogar notwendig, ohne diese selbstähnliche Kapselung kommt es zur nicht beherrschbaren Informations- oder Parameter Flut. Und es macht in meinen Augen keinen Sinn allen Gruppen standardisierte Prozesse vorzuschreiben. Die Schnittstellen zwischen den Gruppen müssen natürlich funktionieren, diese müssen aber (von Gruppenvertretern) ausgehandelt und nicht von einer Meta Instanz vorgegeben werden.

    siehe auch

    http://www.pentaeder.de/projekte/2010/02/17/selbstorganisation-vertrauen-und-die-mathematik-der-steuerbarkeit-2-2/

    Antworten
  12. Pingback: projekt (B)LOG » Lohnt sich Selbstorganisation » Von Dr. Eberhard Huber

  13. Gebhard Borck

    WOW – und wieder hat sich eine Bombe gezündet.

    Ich freue mich, radikal interpretiert worden zu sein und bedanke mich für das Forum, das sich hier immer wieder bietet, also explizit für die Toleranz und Offenheit von Stefan Hagen!

    Mir ist beim Lesen der Kommentare eine Frage eingefallen:
    „Wenn das Universum in unwiederlegter Art und Weise am besten als selbstorganisiertes System beschrieben werden kann und schwarze Schwäne uns im Großen und Kleinen tagtäglich die Dummheit von vorwegnehmender Gestaltung und Lenkung – hier ist vor allem das Wörtchen UND zu betonen – vor Augen führen. Und, wie Taleb eindrücklich aufzeigt, mehr Einfluss die kürzere Geschichte der Menschheit haben als alle Glockenkurven zusammen genommen. Wenn also an der Selbstorganisation nicht vorbei zu kommen ist, warum in Dreiteufelsnamen tun wir uns so scher damit, den von uns selbst erfundenen Gedanken des »Managements als gestaltende und lenkende Notwendigkeit« einmal beiseite zu schieben und auf die Welt zu schauen, die sich dahinter verbirgt?“

    Ich will nicht kämpfen, nicht überzeugen und auch nicht recht haben ich will verstehen!

    Gruß
    Gebhard

    Antworten
  14. S. Hagen Beitragsautor

    @Gebhard: Ich gebe den Dank gerne zurück! Denn ich freue mich, dass Du bei unseren Diskussionen immer wieder das „Salz in die Suppe“ bringst. Genau das ist nötig, um wirklich etwas voran zu bringen.

    Antworten
  15. Pingback: Webschau Wirtschaftsblogs mit Kurzblick auf Studie der Otto-Brenner-Stiftung | BLOGGERFORUM-WIRTSCHAFT.DE

  16. Oliver Fischer

    Hallo Stefan,

    ein sehr guter Beitrag. Ich persönlich stimme Dir und dabei besonders den letzten beiden Punkten absolut zu.

    Ich denke auch, daß Management nie überflüssig sein wird. Allerdings muß die Definition von Management und das Verständnis von Management sich ändern. Gutes Management kann nur indirekt steuern, in dem es die Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches Arbeiten schafft. Gerade daher kann ich Deinem vierten Punkt nur absolut zustimmmen.

    Viele Grüße aus Berlin

    Oliver

    Antworten
  17. Eric Schreyer

    Gebhard sagte:

    „Wenn Selbstorganisation das Normale und Management die Außnahme ist, kann sie nicht von »Werten wie Vertrauen, Respekt und gegenseitige Wertschätzung« abhängig sein. Das ist erst einmal ein Wunsch nach Komfort. Vielleicht macht es auch das Interagieren von sozioökonomischen Systemen effektiver, wer weiß?“

    Unser Universum, das sich höchst effizient selbst organisiert ist kein Vorbild für „Unternehmen“, die ein ebenso künstliches Konstrukt sind wie das „Management“. Produkte und Leistungen im Rahmen eines Unternehmens zu erstellen, verursacht weniger Transaktionskosten als der Abschluss einer Vielzahl individueller Verträge am Markt. Diese Erkenntnis hatte der Nobelpreisträger R.H. COASE bereits 1937 veröffentlicht.

    http://docs.google.com/fileview?id=0B-ykeWtPU9LvZDcxZGRiY2YtMDAxMS00ZGRjLTk2MWMtMDI1N2NlYzRhMTE4&hl=en

    Seitdem sind allerdings die Kosten der Komplexität erheblich angestiegen, so dass dezentrale Organisationsformen durchaus eine Alternative sein können. Erste Ansätze gibt es bereits in der Gestalt von „Peer to Peer – Plattformen“, wie sie Dirk Elsner in seinem lesenswerten Beitrag

    „Gedanken zur Eigenkapitalfinanzierung“

    http://docs.google.com/fileview?id=0B-ykeWtPU9LvZDcxZGRiY2YtMDAxMS00ZGRjLTk2MWMtMDI1N2NlYzRhMTE4&hl=en

    aufgezeigt hat.

    Aber so weit sind wir noch nicht. Solange wir es mit komplexen Unternehmen zu tun haben, hilft es nichts, diese Komplexität reduzieren zu wollen. Statt dessen muss Komplexität vernünftig gehandhabt werden.

    Zu diesem Zweck ist die Selbstorganisation in ihrer Erscheinungsform des „Sowohl als auch“ gut geeeignet und erfordert sehr wohl Vertrauen, Respekt und gegenseitige Wertschätzung.

    @Gebhard:

    Diese Werte sind verzichtbar, wenn es keine Unternehmen mehr gibt. Aber das ist eine Idealvorstellung und von Idealen hat schon NIETZSCHE mit seiner Forderung nach der Umwertung aller Werte nichts gehalten :-))

    In diesem Sinne wünsche ich mir eine weiterhin lebhafte Diskussion!!!

    Beste Grüße
    Eric Schreyer

    Antworten
  18. nigecus

    Selbst-Organisation hat immer etwas mit den Aufbau von Hierachien zu tun. Und zwar solche die bis zur Erledigung der Aufgabe von den Elementen akzeptiert wird. Viele Open-Source Softwareprojekte funzen so und übersteigen zeitweise eine Anzahl von Hierachieebenen die in keinen MNC zu finden sind. Nur verschwendet keiner Zeit Organigramme zu malen die bei der nächsten Aufgabe bereits Müll sind.

    Antworten
  19. nigecus

    Selbst-Organisation hat immer etwas mit den Aufbau von Hierachien zu tun. Und zwar solche die bis zur Erledigung der Aufgabe von den Elementen akzeptiert wird. Viele Open-Source Softwareprojekte funzen so und übersteigen zeitweise eine Anzahl von Hierachieebenen die in keinen MNC zu finden sind. Nur malt dazu keiner Zeit Organigramme die bei der nächsten Aufgabe eh obsolet sind.

    Antworten
  20. Pingback: Selbstorganisation hat nichts mit Selbstmanagement zu tun! | Komplexitätsmanagement

  21. Lucia

    Mal ein einfache Kommentar aus der Welt der Angestellten. Schreibe meine Facharbeit über das Thema „Herausforderungen eines sich selbst organisierenden Teams“ und stecke mitten drin. Wir sind eins, haben einen Träger (sitzt im Osten), uns als Team (im Süden) und keinen mehr, der in unserer Organisation über uns sitzt.

    „Über uns“ klingt negativ, aber nein unser Chef war nicht so „drüber“ Wir haben uns bewusst für „keinen neuen Chef“ entschieden, als er ging. Wir sind nur 6 Mitarbeiter. Nun wieder „am Anfang“ und es läuft langsamer, zäher, die Rollenfindung ist nicht wie gedacht abgeschlossen.

    Klar wünscht man sich ab und an einen, der nun etwas alleine entscheidet, über das wir noch nicht einig sind, damit es sich nicht so lange hinzieht, aber warum? Dass es schneller geht? Und dieser dann seinen Willen bekommt?

    Eine „graue Eminenz“ gibt es immer. Aber nicht in jeder Situation die Gleiche… Ich glaube auch, dass es möglich ist und bin gespannt, wie wir uns weiterentwickeln… Ob es der „Reiz des Neuen bzw. der Selbstbestimmung“ ist oder was für lange Zeit…

    Antworten
  22. SY

    Hallo,
    ich bin Studentin und interessiere mich sehr für die Systemtheorie. Ich habe mich schon immer gefragt, wo zu eigentlich Chefs da sind, wenn sie doch mehr oder weniger ausserhalb des UN sind. Mein Chef ist immer unter uns und kriegt alles mit, was wir machen und tun. Wir sind wie Freunde und er gibt mir viel Freiraum, so dass ich meine Arbeit ohne Hemmnisse vollbringen kann. Ich weiss nicht wie er es geschafft hat, aber er hat uns so geführt oder gelehrt, dass wir auch ohne Ihn zurechtkommen. Unser Team kommt auch ohne den Chef klar, da bin ich mir sicher, aber auch nur deshalb, weil er uns die Jahre all die Dinge gelehrt hat, die man benötigt.

    Ich stelle mir das so vor: Eine Mutter ( Coach oder Chef) zieht ihre Kinder (Mitarbeiter) jahrelang groß, bis sie schließlich irgendwann auf ihren eigenen Beinen stehen und das Haus verlassen. Sie sind nun erwachsen und selbstständig. Das heisst nicht mehr auf Ihre Mutter oder Vater angewiesen. Aber sich hin und wieder zu den Eltern hingezogen fühlen, um Ratschläge zu holen. Ich finde, auch wenn ein UN selbstständig ist, sprich keinen Coach braucht, ist es manchmal seelisch hilfreich doch jemanden zu haben, der einem aus der patsche hilft. So wie eine Mutter, die Ihre Kinder zum Leben motiviert. Manchmal reicht es zu wissen, dass sie einfach da ist.

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  23. Michael Frahm

    Hallo Stefan Hagen,

    ich finde Deinen Beitrag recht zutreffend. Besonderst gut gefällt mir folgender Satz: Gutes Projektmanagement ist im Kern nichts anderes als gutes Management. Dem kann ich voll zustimmen.

    Ansonsten rege ich weiter eine Diskussion über praktische Beispiele der SO an. Vielleicht kann das ja hier mal stattfinden!?

    Grüße MF

    Antworten

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