Konkretisierung: Projektmanagement = Management

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Vergangene Woche ist das passiert, was ich erhofft hatte: Der Beitrag „Projektmanagement = Management“ hat Resonanz erzeugt – in den Kommentaren, auf Twitter und auch auf Facebook. Jetzt kann ich es ja sagen: Meine Überlegung war, einfach mal eine provokante und eher unscharfe These in den virtuellen Raum zu werfen und diese dann schrittweise – gemeinsam mit Ihnen – zu konkretisieren.

Besonders gefreut haben mich die kritischen Stimmen und RĂŒckmeldungen, u.a. auch heute frĂŒh von Bernhard M. Scheurer (Autor „Projektherz). Auf Hr. Scheurers Argumente möchte ich nun kurz einzeln eingehen (den ganzen Kommentar finden Sie hier):

[
] dass Projektmanagement etwas mit Management zu tun hat, darĂŒber lohnt es nicht zu streiten, das ist trivial.“

Stimmt. Eine Kernfrage ist meines Erachtens, wie große die Schnittmengen sind.

Der Pfiff in Ihrem Artikel ist ja auch ein anderer, nĂ€mlich die Gleichsetzung der beiden Wörter. Ich halte das fĂŒr sehr gewagt [
]„.

Wie oben erwĂ€hnt: Den Pfiff mit der – zugegebenermaßen unzulĂ€ssigen – Gleichsetzung der beiden Begriffe habe ich bewusst hinein gebracht, um den Punkt, um den es mir eigentlich geht, in den Fokus zu rĂŒcken. Denn ich bin davon ĂŒberzeugt, dass sich die Projektmanagementdisziplin in den letzten Jahren durch die fast schon religiös anmutende Auseinandersetzung mit Standards, Prozessen, Vorgehensmodellen und Methoden vom wirklich Essentiellen immer weiter entfernt hat. Gleichzeitig bin ich mir sicher, dass Hr. Scheurer und ich gerade in diesem Punkt sehr nahe zusammen liegen.

Angenommen, ich sage: „Richtige und gute Rockmusik unterscheidet sich im Kern nicht von richtiger und guter Musik.“ Ich vermute, Mick Jagger wird ebenso widersprechen wie Daniel Barenboim. „Rocken“ bedeutet mehr als nur zu musizieren, es geht um den speziellen Klang und Rhythmus, um Tanz und Leidenschaft. Projektmanagement ist fĂŒr mich Rockmusik, nicht zu verwechseln mit Barockmusik oder Jazz.“

Eine tolle Metapher! Ich wiederum behaupte: Die PRINZIPIEN, die gute Musiker oder Musikgruppen ausmachen, sind universell. Es geht um handwerkliche FĂ€higkeiten, kontinuierliches, hartes und teilweise mĂŒhsames Üben, Trainieren und Lernen, Leidenschaft, Empathie und Leidenschaft etc.

„Peter Kruse erklĂ€rt in seinem Video den Unterschied old school / new school. Er betont, dass herkömmliches Management (Prozesse optimieren, Menschen coachen etc.) auch in Zukunft wichtig sein wird, aber es muss etwas hinzukommen: Die FĂ€higkeit, Sinn zu stiften (ab 0:58) und Menschen zu faszinieren (ab 1:31). Ich behaupte: Den Sinn und die Faszination bekommst du nicht durch Management, sondern durch Wagnis, Mut zur VerĂ€nderung, ein einzigartiges Ziel, sprich: ein Projekt. Von mir aus nennen wir es „new school“, dann hat Christoph Kolumbus halt new school praktiziert.

Dass es etwas Übergeordnetes, etwas Höheres braucht, aus dem wir Menschen einen „Sinn“ ableiten können, ist unbestritten. Ich bin sehr froh, dass Hr. Scheurer dieses Thema explizit in die Diskussion eingebracht hat. Ich habe nicht behauptet, dass dieser Sinn durch das Management erzeugt werden kann (dies hat auch Peter Kruse in dem Video nicht behauptet). Vielmehr beziehen wir den Sinn aus ĂŒbergeordneten Zielen und Ergebnissen, die am Ende des Tages „gut fĂŒr die Menschen“ sein mĂŒssen.

Genau das vermisse ich bei Fredmund Malik. In „FĂŒhren, Leisten, Leben“ (1. Auflage 2000, Vorwort 1999) wird das Thema „Projekt“ auf einer Viertelseite abgehandelt – bei insgesamt 400 Seiten ist das weniger als ein Promille. Ebenso wenig ist von Sinnstiftung und Faszination die Rede, auch nicht wirklich vom „Leben“ (wie im Titel suggeriert), sondern ĂŒberwiegend von Leistung/Effizienz/Karriere.“

Es stimmt sicher, dass Prof. Malik in seiner ganze Art und Weise, Dinge zu tun und auszudrĂŒcken, auf viele Menschen nĂŒchtern und sachlich wirkt. Ich wĂŒrde sogar noch weiter gehen und behaupten wollen, dass dies auch seine kommunikative Positionierung / seine „Marke“ ausmacht. Gerade deswegen war und ist er so erfolgreich. Aber auch hier gilt Watzlawicks einfache und gleichermaßen geniale Erkenntnis: „Wahr ist nicht, was A sagt, sondern was B versteht.“ So lese ich – um es am Beispiel von Maliks Buch „FĂŒhren, Leisten, Leben“ aufzuhĂ€ngen – aus dem Kapitel „Positiv denken“ ab S. 157 viele Aspekte heraus, die mit Inspiration und Sinnstiftung zu tun haben.

Der Begriff „Inspiration“, den ich im Untertitel von „Projektherz“ verwendet habe, wird in Maliks Buch ins LĂ€cherliche gezogen (Teil III, Zusammenfassung, S. 268f.). Herr Malik ist weder Rocker noch Musiker, er ist habilitierter Musiktheoretiker. Und den grundlegenden Gedanken Peter Druckers (20. Jahrhundert) hat er nichts hinzugefĂŒgt, was mich vom Hocker reißen wĂŒrde.“

Dies wiederum sehe ich etwas anders, denn gerade Maliks scharfe Abgrenzung zu einer „Psychologisierung von Management“ (S. 53) ist fĂŒr mich aufgrund der Klarheit sehr erfrischend (um nicht zu sagen inspirierend).

Sie mĂŒssen sich entscheiden, Herr Hagen: Drucker/Malik oder DeMarco/Scheurer, Management oder Projektmanagement. Und vergessen Sie nicht: Ihre Domain heißt PM-BLOG, nicht M-BLOG.“

Danke fĂŒr diesen weiteren Steilpass! Denn jetzt kommen wir zum wahren Kern. Denn: Die Wahrheit liegt in der Mitte. Es gibt in diesem Thema – gleich wie auch im richtigen Leben – keine ultimativen Wahrheiten. Kein einziger Mensch hat fĂŒr sich allein gesehen und ultimativ recht. Vielmehr kann man nur im jeweiligen Kontext, in der jeweiligen Situation versuchen zu beurteilen, ob man wohl nĂ€her an der vermeintlichen „Wahrheit“ liegt oder eben nicht.

Genau dieses Denken und Handeln in Spannungsfeldern und PolaritĂ€ten ist es auch, was wir beherrschen mĂŒssen, wenn wir den Versuch unternehmen, andere Menschen (im allerbesten Sinne des Wortes) zu fĂŒhren.

Es bleibt spannend… 🙂

13 Gedanken zu „Konkretisierung: Projektmanagement = Management

  1. Gebhard Borck

    Hallo Stefan,

    schön, dass Du das Thema mal wieder aufgreifst ;)!

    Ich stimme Dir hier mal ganz unironisch und spaßfrei zu … natĂŒrlich ist Projektmanagement = Management, denn Du verlĂ€sst ja das Bezugssystem gar nicht.

    Das wird in diesem Satz in Deinen weiteren ErlÀuterungen deutlich:

    Ich persönlich sehe darin kein Übel, sondern sogar eine dringende Notwendigkeit. Allerdings nur dann, wenn fĂŒr den “Beruf des (Projekt)Managers die richtigen Menschen” ausgewĂ€hlt und entwickelt werden.

    Das setzt ja implizit voraus, dass es jemanden gibt, der objektiv diese Auswahl treffen kann und das schließt Du ja hier:

    Es gibt in diesem Thema – gleich wie auch im richtigen Leben – keine ultimativen Wahrheiten. Kein einziger Mensch hat fĂŒr sich allein gesehen und ultimativ recht.

    durchaus korrekterweise kategorisch aus.

    Sprich, weder das Projektmanagement, noch das Management kommt aus dem Bezugssystem der (Schein-)ObjektivitÀt, der Planwirtschaft sowie der pseudorationalen Vorherbestimmbarkeit heraus und damit sind es nur Spielarten des selben im gleichbleibend kranken Kontext.

    Alles weitere ist die von Guilio Cesare Giacobbe als abstellbar beschriebene Hirnwichserei

    Provokante GrĂŒĂŸe 😉
    Gebhard

    Antworten
  2. S. Hagen Beitragsautor

    Hallo Gebhard,

    ich freue mich ehrlich, dass Du Dich gemeldet hast!

    Zum Thema „die richtigen Menschen fĂŒr den Beruf des (Projekt)Managers“ auswĂ€hlen: Dies setzt aus meiner Sicht nicht notwendigerweise eine objektive Auswahl durch Menschen voraus. Kann dies nicht auch an Ergebnissen gemessen und beurteilt werden? Und dabei meine ich keinesfalls nur kurzfristige, betriebswirtschaftliche Kennzahlen.

    Zu den Bezugssystemen: Sind diese nicht auch einem Wandel unterworfen? Bzw: Muss kategorisch ausgeschlossen werden, dass sich das Bezugssystem des „alten“ Managements in ein neues, zeitgemĂ€ĂŸes Bezugssystem transformieren kann? (im Sinne von „re-invention of management“)

    Brauchen wir wirklich ein gĂ€nzlich neues Bezugssystem und auch eine neue Bezeichnung fĂŒr das, was jetzt „Management“ genannt wird?

    Viele GrĂŒĂŸe, Stefan

    Antworten
  3. Gebhard Borck

    Kann dies nicht auch an Ergebnissen gemessen und beurteilt werden?

    Nein, denn die Auswahl findet ja vor den Ergebnissen statt oder?
    Nein, denn es gibt keine objektiven MaßstĂ€be fĂŒr menschliche Leistung.

    Sind diese nicht auch einem Wandel unterworfen?

    Hoffentlich – zumindest fĂŒr mich ist das mit die letzte Hoffnung ;)!

    Brauchen wir wirklich ein gÀnzlich neues Bezugssystem

    Nein! Die Welt hat sich auch schon um die eigene Achse gedreht als die Menschen noch geglaubt haben, sie wÀre eine Scheibe?
    Die Frage ist eher: Wollen wir an einem Bezugssystem festhalten, das praktisch in allen anderen Denkschulen außer der Betriebswirtschaftslehre widerlegt wurde?

    Brauchen wir wirklich ein eine neue Bezeichnung fĂŒr das, was jetzt “Management” genannt wird?

    Nein! Der Tiger wird einer bleiben, auch wenn wir ihn Morgen Wombel nennen.
    Meine Frage ist: Warum sollten wir an Management festhalten, wenn es tagtĂ€glich beweist wie unfĂ€hig es genau in der Lösung jener Aufgaben ist, fĂŒr die es sich verantwortlich zeichnet? Warum es nicht einfach mal mit Verantwortung an Stelle von Management und mit Denken an Stelle von Wissen versuchen. Schlimmer wird das auch nicht sein … 😉

    Antworten
  4. S. Hagen Beitragsautor

    Hallo Gebhard,

    unser Dialog zum Thema FĂŒhrung & Management dauert ja nun schon einige Zeit an. An dieser Stelle möchte ich Dir (und auch allen anderen Diskussionsteilnehmer/innen) mal einen sehr ernst gemeinten Dank aussprechen. Denn durch unsere Diskussionen, auch im Zusammenhang mit dem „Ludwigsburger Kreis“, konnte ich andere Perspektiven und Meinungen kennen lernen, was ungemein anregend und auch lehrreich war und ist.

    In vielen Punkten teile ich Deine Meinung voll und ganz. Doch an einem Punkt gerate ich immer wieder ins Stocken. Wenn ich Dich, Niels PflĂ€ging, Andreas Zeuch und Markus Stegfellner richtig verstanden habe, plĂ€diert Ihr fĂŒr „FĂŒhrung statt Management“ („Bye, bye, Management“). Dem stimme ich wiederum in vielen Aspekten absolut zu („vom Alpha- zum Beta-Kodex„), aber ĂŒber einen ganz bestimmten Punkt komme ich noch nicht drĂŒber.

    Meine Überzeugung ist es (nach wie vor), dass wir neben FĂŒhrung auch Management brauchen. Idealerweise wird Management obsolet. Aber wir leben nicht in einer idealen Welt. Ich glaube, dass es auch Situationen und Kontexte gibt, in denen (richtiges und gutes) Management notwendig und unablĂ€ssig ist. Ich glaube nicht an entweder-oder, sondern an sowohl-als-auch.

    Viele GrĂŒĂŸe!

    Stefan

    Antworten
  5. Gebhard Borck

    Hallo Stefan,

    Wenn ich Dich, Niels PflĂ€ging, Andreas Zeuch und Markus Stegfellner richtig verstanden habe, plĂ€diert Ihr fĂŒr “FĂŒhrung statt Management” (“Bye, bye, Management”).

    Dann hast Du vor allem NIels richtig verstanden. Uns anderen – ich nehme jetzt meine Kollegen mal in die Sippenhaft 😉 – Ist diese Unterscheidung inzwischen eigentlich piepegal, denn sie hat uns nicht weiter gebracht.

    Egal ob Du Management hast oder nicht, egal ob Du all die neuen soften Praktiken der FĂŒhrung beherrschst usw. – Empirisch nachweisbar wandert FĂŒhrung je nach Situation und Verhalten.
    Wer von uns erinnert sich nicht an eine Situation, in der ein bisher anerkannter FĂŒhrungsmitarbeiter am Tisch zu einem Thema sitzt, die Runde allerdings auf die MeinungsĂ€ußerung einer ganz anderen Person im Raum wartet.
    Nicht selten ist es sogar so, dass die FĂŒhrungsperson zwar etwas sagt, die Blicke allerdings zu jemand ganz anderem gehen. Und diese andere Person ist nicht etwa immer dieselbe – Nein – je nach Situation ist es eine andere und die GrĂŒnde, warum diese Person angeschaut wird sind ebenso vielfĂ€ltig und Komplex, wie wir Menschen und unsere Beziehungen an sich.
    In meinem Buch ist dieses allseits erlebte PhĂ€nomen ein Bestandteil des „Sozialen Prozesses“.

    Mit der Forderung „FĂŒhrung statt Management“ kommt man an der Stelle nicht mehr weiter. Man lenkt sich nur ab! Es stellt sich vielmehr die Frage: In welchen Bezugssystem bin ich unterwegs und was will ich dort erreichen?“

    Bleibt der Diskurs bei „FĂŒhrung statt Management“, verharrt er im Bezugssystem des – wie wir es nennen – „kranken bis hin zum gesunden Wirtschaften“. Die Zielsetzung ist: Krankes Wirtschaften zu optimieren, so dass gesundes Wirtschaften dabei mehrheitlich heraus kommt.“ Will man diese Optimierung betreiben, hat die Debatte „FĂŒhrung statt Management“ und die Frage: „Wann ist was davon notwendig?“ Sinn.

    VerlĂ€sst man dieses Bezugssystem und tritt in ein anderes ein. Wir, Andreas Zeuch, Markus Stegfellner und ich, sind in das Bezugssystem des „sinnvollen Wirtschaftens“ eingetreten und suchen in diesem Bezugssystem nach Wegen und Lösungen.

    Dort hat diese Unterscheidung keinen Sinn mehr, denn es ist trivial, dass gefĂŒhrt wird, es eine Hierarchie gibt und man zugleich irgendwie verwalten und kontrollieren muss.
    In unserem Bezugssystem versuchen wir herauszufinden, welche Praktiken Sinn machen oder auch nicht und womit wir unseren Tag fĂŒllen können, wenn wir die sinnlosen Praktiken abgestellt haben.
    So ist beispielsweise die Praktik der langfristigen Zukunftsgestaltung völlig sinnfrei, da niemand die Zukunft vorhersehen kann. Die Praktik des stĂ€ndigen und immer wieder neuen gemeinsamen Nachdenkes ĂŒber die Zukunft hingegen ist zum einen natĂŒrlich und darĂŒber hinaus als Vorbereitung auf eine Vielzahl von möglichen ZukĂŒnften höchst sinnvoll. Dabei sollte man aufpassen das eigene Wissen nicht zu ĂŒberschĂ€tzen und die FĂ€higkeit ĂŒber die eigene Fehlbarkeit lachen zu können nicht verlieren ;).

    Dieser letzte Absatz stimmt allerdings nur, wenn man das Bezugssystem des „krank – gesund Wirtschaftens“ verlassen hat. In diesem Bezugssystem ist der letzte Absatz genau umgekehrt sinnvoll, denn dort zĂ€hlen terminierte, messbare und plangerechte Zielerreichungen genau einer Zukunftsvorstellung. FĂŒhrung ist hier zu einem nicht geringen Maße damit beschĂ€ftigt, die stĂ€ndig auftretenden Störungen in der Zielerreichung (sprich die immer wieder neu eintretende Wirklichkeit, die dem gestalteten Zukunftsbild nicht entspricht) wegzumanagen oder gezwungenermaßen jedoch ungewollt damit umzugehen.
    Es sind GlaubenssĂ€tze, dass es einer detaillierten Planung bedarf, oder man die Zukunft gestalten kann – keine Naturgesetze ;).

    Meine Überzeugung ist es (nach wie vor), dass wir neben FĂŒhrung auch Management brauchen. Idealerweise wird Management obsolet. Aber wir leben nicht in einer idealen Welt. Ich glaube, dass es auch Situationen und Kontexte gibt, in denen (richtiges und gutes) Management notwendig und unablĂ€ssig ist. Ich glaube nicht an entweder-oder, sondern an sowohl-als-auch.

    Meine Überzeugung ist: Wir sind mehrheitlich, was unser Wirtschaftsdenken angeht, im völlig falschen Bezugssystem unterwegs und versuchen innerhalb dieses falschen Bezugssystems zu optimieren.
    Solange wir so unterwegs sind, hast Du sicherlich recht, denn es ist besser zu optimieren, als sich fatalistisch zurĂŒckzulehnen. Und das wir nicht in einer idealen Welt leben ist auch eine triviale Erkenntnis.

    In einer Diskussion mit meinem Schwager – der noch wesentlich tiefer in der old schlool verhaftet ist als Du – habe ich ihm die Frage gestellt: Warum gehst Du immer den 15% Faulenzern nach, anstatt aus den 12% Wollern 60% zu machen?

    Im sinnvollen Wirtschaften ist es ein prikelnder Gedanke, den Schmarotzern zu geben was sie wollen, um dann den Menschen, Themen und Dingen die volle Aufmerksamkeit widmen zu können, die man liebt und bei denen man Spaß hat. Im krank-gesund Wirtschaften wird immer ein betrĂ€chtlicher Teil von Hochleistung in die Verfolgung und Ausmerzung der Schmarotzer und die Identifikation sowie Anzeige der SĂŒndenböcke gehen.
    Ich trĂ€ume nicht von einer idealen Welt, allerdings kann ich mir vorstellen, meinen Leistungswillen sinnvoller in Leistung umzusetzen als in der Optimierung einer Planwirtschaft …

    Gruß
    Gebhard

    Antworten
  6. Bernhard M. Scheurer

    @S. Hagen

    Auch fĂŒr mich war vieles in der bisherigen Diskussion anregend und lehrreich, deshalb: Danke auch an Sie, Herr Hagen.

    Meinen derzeitigen Standpunkt bzgl. Management (M), Projektmanagement (PM) und – nicht zu vergessen – FĂŒhrung (F) kann ich fĂŒr alle, die keine Mathematik-Phobie haben 😉 und mit dem Zeichen „⊂“ (Teilmenge von) vertraut sind, in die folgende kompakte Form bringen:
    F ⊂ M ⊂ PM.

    In Worten: FĂŒhrung gehört zum Management, aber Management ist mehr als nur FĂŒhrung (z. B. gehört das Planen dazu, was m. E. zumindest im engeren Sinne nicht zum FĂŒhren gehört); ebenso gehören alle Teilkompetenzen eines guten Managers (also auch FĂŒhrung) zur Gesamtkompetenz eines guten Projektmanagers, aber PM ist mehr als nur Management, vor allem muss die BegeisterungsfĂ€higkeit mit Blick auf ein einzigartiges Ziel hinzukommen, wie ich in meinem Kommentar vom 10.9.11 ausgefĂŒhrt habe:
    http://pm-blog.com/2011/09/06/projektmanagement-management/#comments

    Insgesamt bin ich also mit meiner Auffassung relativ nahe bei der Ihrigen, Herr Hagen – dies kann ich vor allem nach Ihrem jĂŒngsten Artikel „Konkretisierung …“ sagen. Im ĂŒbrigen denke ich, vieles ist – wie von Ihnen schon festgestellt – eine Frage der subjektiven Erfahrung und Interpretation.

    Wenn man z. B. bei „Projekt“ vorzugsweise an Standard- und Wiederholungsprojekte denkt (die es durchaus in sich haben können), lĂ€uft’s tatsĂ€chlich auf PM=M hinaus; fĂŒr mich aber gehört zum „harten Kern“ des PM das Managen von Pionier-, Forschungs- und Entwicklungsprojekten, wo man ohne „Spirit“ kaum zum Erfolg kommen kann.

    Ebenso könnte man – anders als ich es tue – „FĂŒhrung“ so umfassend und „Management“ so eng auslegen, dass man zu dem Ergebnis M ⊂ F gelangt.

    Ausgehend von den Beschreibungen in den gĂ€ngigen Nachschlagewerken (Wikipedia, Webster’s etc.) bleibe ich aber bis auf Weiteres bei meiner Auffassung: F ⊂ M ⊂ PM.

    Viele GrĂŒĂŸe
    Bernhard M. Scheurer

    Antworten
  7. S. Hagen Beitragsautor

    Hallo Gebhard,

    Deinem Kommentar ist von meiner Seite her (fast) nichts hinzu zu fĂŒgen. Ich bewundere Euren Mut, ein – wie Du schreibst – neues Bezugssystem zu propagieren und die „alten Management/FĂŒhrungs-Zöpfe“ radikal abzuschneiden. Ich bin schon gespannt, wie wir in 30-40 Jahren Whiskey-trinkend und Zigarren-rauchend auf Euren Ansatz des „sinnvollen Wirtschaftens“ zurĂŒck blicken werden. 🙂

    Ich der Zwischenzeit glaube ich weiterhin daran, dass wir die Welt auch im aktuellen Bezugssystem schrittweise verbessern können.

    Viele GrĂŒĂŸe!

    Stefan

    PS: Den Seitenhieb mit „…noch wesentlich tiefer in der old schlool verhaftet…“ fand ich besonders amĂŒsant. 🙂

    Antworten
  8. S. Hagen Beitragsautor

    Hallo Hr. Scheurer,

    interessant: Ich hĂ€tte Ihre Formel F ⊂ M ⊂ PM genau umgekehrt! NĂ€mlich: PM ⊂ M ⊂ F. Aus folgendem Grund:

    Eine wirkungsvolle Top-FĂŒhrungskraft muss auch Management- und Projektmanagement beherrschen. Ein wirkungsvoller, „post-heroischer“ Manager kann meines Erachtens auch Projekte leiten.

    Viele GrĂŒĂŸe,

    SH

    Antworten
  9. Gebhard Borck

    Hallo Stefan,

    angenehme Vorstellung, das wĂŒrde bedeuten, wir leben in 30 bis 40 Jahren noch und reden nach wie vor miteinander ;)!

    Auf die Zigarre verzichte ich, doch zum Whiskey lasse ich mich gerne ĂŒberreden und verstehe Deinen Post somit als Einladung dazu, die ich hiermit annehme!

    Dein Bild hat bei mir noch ein anderes Bild ausgelöst. Dieses andere Bild rĂŒckt unseren Mut ein wenig ins rechte Licht, denn ich bin weit weniger bewunderungswĂŒrdig, wie Du es beschreibst.

    Was wir nĂ€mlich in Wahrheit tun, ist PrĂ€vention betreiben. Und zwar im Hinblick auf einen anderen RĂŒckblick, der wohl schon in 12 bis 15 Jahren ansteht. Dann werden meine Kinder in einem Alter sein, in dem sie vor der Frage stehen, was sie mit Ihrem Leben anfangen wollen/ sollen. Sie werden dann auf die Welt und mir in die Augen schauen und dann möchte ich nicht sagen mĂŒssen: „Na ja, wir haben halt versucht das zu optimieren, was uns jetzt endgĂŒltig und unabwendbar um die Ohren fliegt und in die Sch… geritten hat.“

    Fromm hat einmal gesagt:

    „Wenn Jesus heute auf die Welt kommen wĂŒrde hĂ€tten wir es nicht mehr so einfach. Mit – Denn sie wissen nicht was sie tun – können wir uns heute nicht mehr aus der AffĂ€re ziehen. Vielmehr gilt es sich einzugestehen: Den wir könnten wissen was wir tun.“

    … wenn wir nur wollten.

    So viel mehr Antrieb, ausser natĂŒrlich Ruhm, Ehre, eine gute Gesinnung fĂŒr Jedermann, den Weltfrieden und unermesslichen Reichtum, haben ich gar nicht.

    Schönes Wochenende
    Gebhard

    Antworten
  10. Bernhard M. Scheurer

    Hallo Herr Hagen,

    interessant: Damit ist fĂŒr Sie PM=M endgĂŒltig vom Tisch, oder? Denn „PM ⊂ M“ bedeutet „PM ist echte (!) Teilmenge von M“, d. h. Management ist mehr als nur PM. Helfen Sie mir, wenn ich’s falsch verstanden habe.

    Schönes Wochenende
    bms

    Antworten
  11. S. Hagen Beitragsautor

    Hallo Hr. Scheurer,

    ja, genau so sehe ich das: PM ist eine Teilmenge von M. PM = M war natĂŒrlich etwas provokant, um die Diskussion anzukurbeln. Meine These: „Ein/e gute/r Projektmanager/in ist in erster Linie ein/e gute/r Manager/in.“

    Viele GrĂŒĂŸe! Stefan Hagen

    Antworten
  12. S. Hagen Beitragsautor

    Hallo Gebhard,

    ich sehe absolut keinen Grund, warum wir in 30-40 Jahren nicht mehr miteinander sprechen sollten 🙂 Im Gegenteil!

    In diesem Punkt bin ich absolut Deiner Meinung: Die Situation spitzt sich immer mehr zu. Wir brauchen neue Wege, neue kognitive Modelle und ein neues VerstĂ€ndnis von FĂŒhrung, Organisation und Zusammenarbeit. Meine BefĂŒrchtung (auch im Hinblick auf Dein Bild 2026): Zuerst muss der Mega-Crash kommen. Andernfalls wird ein tiefgreifender Wandel in den meisten Bereichen nicht möglich sein.

    Viele GrĂŒĂŸe!

    Stefan

    Antworten
  13. Gebhard Borck

    Zuerst muss der Mega-Crash kommen. Andernfalls wird ein tiefgreifender Wandel in den meisten Bereichen nicht möglich sein.

    Na das sind ja schöne Aussichten … da versuche ich es doch lieber noch mal mit sinnvoll·wirtschaften 😉

    Antworten

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