Interview mit dem Projektmagazin

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In der heute erschienenen Ausgabe des Projektmagazins ist auch ein Interview enthalten, das die Herausgeberin, Petra Berleb, anlässlich des PM Camp 2011 mit mir geführt hat.

Ich habe auf meinem Blog ja schon öfters Kritik (hier, hier oder hier) an den großen PM Verbänden geübt, insbesondere an PMI® (da ich jahrelang PMI Mitglied war). Dabei geht es mir im Kern um Folgendes:

  • Wenn sich Verbände tatsächlich der Weiterentwicklung und der Professionalisierung des Projektmanagements verpflichtet fühlen (siehe die entsprechenden Missions von PMI und IPMA), sollten sie sich meines Erachtens wesentlich stärker öffnen. Insbesondere sollten sie meines Erachtens als Wissens-Plattformen dienen, die mit Know-How und Standards sehr offen umgehen. Denn die Frage soll erlaubt sein: Warum sollen eigentlich nur Mitglieder vom Wissen profitieren?
  • Unbestritten ist, dass auch ein Verband ein Geschäftsmodell benötigt, um lebensfähig zu sein. Ich sehe in den Bereichen Zertifizierung, Aus- und Weiterbildung sowie Veranstaltungen genug wirtschaftliches Potenzial.
  • Von einer stärkeren Öffnung der Verbände würden aus meiner Sicht alle profitieren. Praktiker, Experten, Studierende und Lernende des Projektmanagements könnten sich mit den verschiedenen Themen auseinander setzen und sich vor allem auch in die Weiterentwicklung einschalten. Denn schon jetzt finden wichtige Weiterentwicklungen im Projektmanagement zu einem erheblichen Teil abseits der großen Verbände statt – beispielsweise jene in der „Agilen Community“.

Ich würde mich freuen, wenn das Thema innerhalb und außerhalb der Verbände kritisch und konstruktiv diskutiert wird.

Übrigens: Mein Blogger-Kollege Marcus Raitner hat genau aus diesem Grund die „OpenPM Initiative“ gestartet (weitere Infos hier). Ziel ist es, relevantes PM Wissen gemeinsam zu dokumentieren, zu entwickeln und zu teilen. Von der Praxis, für die Praxis. Es bleibt spannend!

15 Gedanken zu „Interview mit dem Projektmagazin

  1. Andreas Heilwagen

    Hallo Stefan,

    ich unterstütze eine Öffnung der PM-Verbände voll und ganz. Nur ziehen solche Organisationen gerne einen gewissen Menschenschlag an, der auf Kontinuität bedacht ist. Zwar sehe ich bei den großen Verbänden leichte Bewegung, allerdings müsste das Geschäftsmodell und die value proposition für Ehrenamtliche geändert werden, um wirklich voran zu kommen.
    Daneben sind die Mitglieder meist eher konservativ eingestellt und Unternehmen mit einer langen PM-Historie wie Siemens etc. haben natürlich auch ihre Interessen, die gerne berücksichtigt werden.

    Als Sofortmaßnahme schlage ich vor, die PM-Standards alle kostenlos bereitzustellen und die DIN-Norm freizuboxen. Insbesondere die DIN wird ansonsten keine Relevanz entfalten. Hände hoch, wer damit arbeitet? ,-)

    Letztlich ist es auch Sache der PM-Verbände, ob sie Veranstaltungen wie das PM-Camp unterstützen oder sich die Butter vom Brot nehmen lassen. Wenn ich die Teilnehmer richtig einschätze, werden sie sich nicht von einem Verbandskorsett einengen lassen, so dass nur eine Zusammenarbeit verhindert, dass die Verbände aus der eigenen Sicht an Relevanz verlieren.

    Trotzdem sind und bleiben die PM-Veranstaltungen eine Randerscheinung, insbesondere da ich bisher an keiner Stelle so schlechte Kommunikatoren wie Projektmanager untereinander erlebt habe! Glücklicherweise gibt es auch viele rühmliche Ausnahmen und die letzten beiden Tage in Stockholm waren an der Stelle besonders spannend.

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  2. S. Hagen Beitragsautor

    Hallo Andreas,

    vielen Dank für Deine Einschätzung!

    Ich bin zu 100% Deiner Meinung. In einem Punkt möchte ich aber ergänzen: Ich glaube, dass das Bedürfnis an „gelingender Zusammenarbeit in Teams“ in der Wirtschaft und auch in Non-Profit-Bereichen riesig ist. Entsprechend mag ich die „Butter-vom-Brot-nehmen-Metapher“ nicht so gerne. Denn wenn wir nicht die „Wettbewerbs-Brille“ sondern vielmehr die „Zukunfts- und Entwicklungs-Brille“ aufsetzen, dann werden wir feststellen, dass der Bedarf riesig ist und es auch nicht darauf ankommt, ob sich PM Verbandsmitglieder oder Nicht-Verbandsmitglieder mit der Thematik auseinander setzen.

    Entsprechend braucht es viele Plattformen, Formate und Zugänge, um die Herausforderungen, die in den meisten Projekten bestehen, noch besser zu meistern.

    Viele Grüße!

    Stefan

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  3. Andreas Heilwagen

    Hallo Stefan,

    eine Schwäche der nicht-verbandsgestützten Arbeit ist leider die Credibility. Aus der Außensicht heraus wird ein „Produkt“ durch einen Verband immer in gewisser Weise „geadelt“ und wirkt autoritativ. Bis man außerhalb eines Verbands die Traktion bekommt, muss man schon sehr viel bewegen und an die Schwergewichte wie Konzerne etc. kommt man so nicht mal eben heran.

    Viele Grüße!

    Andreas

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  4. Nadja

    Hallo Stefan,
    ich finde noch einen Faktor wichtig, der bisher – aus meiner Sicht – nicht so recht durchklingt. Die neue Generation der Projektmanager, die ihre Aufgaben per Googledocs und Twitter steuern, langweilen sich schnell in den „klassischen“ Formaten. Und: Auch die Team-Mitglieder und Kunden verändern sich, die Medienmöglichkeiten führen dazu, dass wir z.B. Monatsreports bald – hoffentlich sehr bald – nicht mehr in Powerpoint machen müssen, sondern über die Ampelfarbe online abstimmen und das alles führt dazu, dass neue Spielregeln entstehen. Wenn die Hauptfrage des Projektmanagements bisher „Wer macht was bis wann“ war, wird diese nicht vom Tron gestoßen, aber sicher um Fragen wie „Warum?“ und „Wie?“ vervollständigt.
    Da ich nie Mitglied in irgendeinem Verband war, kann ich den unterschied im verfügbaren Kontent nicht beurteilen. Dass das Wissen – auch Projektmanagementwissen – frei verfügbar sein muss, steht für mich außer Frage, ich teile gern und kenne viele, die es auch tun. Hat sich denn schon jemand vom PMI bei dir gemeldet? Bei dem Gespräch wär ich gern Mäuschen! 😉
    Grüße aus dem Norden
    Nadja

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  5. Reinhard Wagner

    Hallo zusammen,

    vielleicht ist es ja schick, auf „open“ zu machen, aber ehrlich gesagt verstehe ich den hype nicht so recht. 1. steht hier ein Link auf ein Interview, bei dem ich erst mal bezahlen muss, um es zu lesen, soweit also zu „open source“. Dann ist die Rede von „Verbände müssen sich öffnen“: Die GPM stellt eine Menge von Studien offen ins Netz, für die man anderswo viel Geld bezahlen muss, der eigene Kompetenzstandard ICB 3.0 ist offen zu beziehen. Wer bei der GPM in Fachgruppen mitarbeiten will, muss noch nicht mal Mitglied sein… und so weiter. Die Standards von DIN/EN/ISO (an der die GPM stark mitarbeitet) sind nicht offen, das kann auch die GPM nicht entscheiden, das muss das DIN tun. Hier geht es aber auch um Standards, die in der zwischenbetrieblichen Zusammenarbeit verlässlich sein müssen, das stellt hohe Anforderungen an die Erstellung und die Qualität. Solch ein Standard steht nämlich auch in dem einen oder anderen Vertrag als Anforderung. Da hört dann der „Spaß“ auf. Deshalb unterstützen Unternehmen diese Art von Standards. Wir haben übrigens immer wieder dazu aufgerufen bei der Normung mitzumachen, wenn es dann aber um die Arbeit geht (ehrenamtlich!), dann sind die Leute immer schnell verschwunden. Bin also mal gespannt, was in der openPM Bewegung wirklich raus kommt.

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  6. Nattl

    Wer schon länger im Projektmanagement tätig ist, wird sicher festgestellt haben, dass sich vieles in den letzten Jahren verbessert hat. Hat vor zehn Jahren in einem durchschnittlichen Unternehmen kaum einer gewußt, was man unter Projektmanagement zu verstehen hat, ausser, dass es irgend etwas mit Projekten zu tun hat, hat sich hierbei einiges getan. Es ist viel mehr Basiswissen und Verständnis da wie früher. Das ist nicht zuletzt ein Verdienst von Institutionen wie PMI oder IPMA, die sich hier stark für die Popularisierung von Projektmanagement eingesetzt haben.

    Dass sich solchen Institutionen mit der Zeit mehr und mehr eine Elfenbeinturm-Mentalität durchsetzt, ist zwar ärgerlich, aber passiert praktisch überall, wo sich Dinge bzw. Ideen institutionalisieren. Ich gehe sogar so weit, und behaupte, dass wir uns in zehn Jahren vermutlich genauso über die agilen Institutionen wie die Scrum Alliance ähnlich echauffieren werden, die dann ebenfalls zu so einem Molloch geworden sein wird.

    Dass es unterschiedliche Ansätze gibt, die sich eben nicht wie ein Ei dem anderen gleichen, finde ich richtig und gut, da auch Projekte unterschiedlich sind. Was beim einen funktioniert, schlägt beim anderen möglicherweise fehl.

    Was mir mehr Gedanken macht ist, dass Institutionen wie PMI, IPMA und Co. immer Biotope von Consultingfirmen mit sich bringen, die offenbar die Lizenz zum Gelddrucken haben. Das ist mir heuer wieder aufgefallen, als ich meine IPMA Zertifizierung erneuerte und diverse Schulungen vorweisen musste. Was einem da als Kurs für viel Geld angeboten wird, ist teilweise schon ein starkes Stück, wird aber von der Zeritifizierungsstelle so verlangt…

    Die Idee des openPM finde ich gut und unterstützenswert, da jede weitere Quelle an Informationen, Wissen und Erfahrung begrüßenswert ist. Die Gefahr besteht aber, dass man dem allgemeinen Trend, alles hipp und open zu machen, weil das so toll ist, aufliegt… Deswegen kann ich mich hier dem Vorposter Reinhard Wagner nur anschließen und darauf gespannt sein, wass bei openPM rauskommt. Denn wer für alles offen ist, der kann nicht ganz dicht sein 😉

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  7. Marcus Raitner

    „Denn wer für alles offen ist kann nicht ganz dicht sein!“ Die Gefahr der Beliebigkeit und nicht ausreichenden Fokussierung sehe ich auch und es muss sich erst noch zeigen wie wir dem in der Community entgegen wirken.

    Ich möchte die Prioritäten von openpm ein Stück gerade rücken. Auch wenn die Initiative zu openpm ihren Ursprung in dem Ruf nach „Befreiung“ von PM-Standards hatte, hat sich der Anspruch im Laufe der Diskussion auf dem PM-Camp ein wenig verschoben. Sicherlich soll der Inhalt von openpm offen, frei zugänglich und frei weiterverwendbar sein, genau so wichtig ist für mich aber mittlerweile der praxisorientierte Zugang. Während Verbände und Standards das Thema Projektmanagement eher top-down behandeln (nach dem Motto: „Ein Betriebssystem ist ein 17-Tupel …“) geht openpm bottom-up vor: Aus der Praxis für die Praxis.

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  8. S. Hagen Beitragsautor

    Hallo zusammen,

    ich war heute den ganzen Tag auf einer Fortbildung. Umso mehr freut es mich, dass die Diskussion schon gut in Fahrt gekommen ist. Gerade habe ich im Forum des Projektmagazins zu einigen Kommentaren Stellung bezogen – nun ist mein eigener Blog dran.

    @Andreas: Ich denke, dass die Bezeichnung „Standard“ im Zusammenhang mit Open-PM ein falsches Bild erzeugt. Ich möchte der Entwicklung von Open-PM nicht vorgreifen, aber für mich kann uns soll die Initiative nicht den Anspruch erheben, die nationalen und internationalen PM Standards zu ersetzen. Wenn dieser Anspruch bestünde, dann gebe ich Dir vollkommen recht: Dann hätten wir ein Credibility-Problem.

    @Nadja: Ich bin voll bei Dir. Und: Nein, PMI hat sich nicht gemeldet.

    @R. Wagner: Dass das Interview für Nicht-Projektmagazin-Mitglieder kostenpflichtig ist, war nicht meine Entscheidung. Wenn es nach mir gegangen wären… Ich denke, sie wissen, was jetzt kommt.

    Ich habe sehr wohl auch den Eindruck, dass die GPM bzgl. der Öffnung auf einem guten Weg ist. Im Detail kann ich’s aber nicht beurteilen, weil ich kein GPM Mitglied bin. Ich habe auch niemals die GPM spezifisch kritisiert, sondern meine Kritik bezog sich auf die Tatsache, dass nationale und internationale Standards nach wie vor nicht frei verfügbar sind. Zudem bin ich der Ansicht, dass PM Verbände nicht nur die Interessen der Mitglieder im Auge haben sollten, sondern jene der gesamten projektorientierten Wirtschaft. Dass dies einen gewissen Paradigmenwechsel bedeutet, ist mir auch klar.

    Zum Thema „Mitmachen“ (Fachgruppen etc.): Ich denke, es gibt eine große Gruppe an Menschen, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen gerne teilen möchten. Allerdings stellt sich schon die Frage, wie diese „kollaborativen Plattformen“ organisiert werden. Wenn ich mir die Liste der aktuell aktiven Fachgruppen bei der GPM anschaue, dann sind das durchgehend honorierte und hochdekorierte Persönlichkeiten, die die jeweiligen Gruppen leiten. Ein gewisser Teil der (durchaus sehr fachkundigen) Community wird sich aber von dieser Form der Zusammenarbeit nicht angesprochen fühlen. Ich denke, wir brauchen hier teilweise neue Formen und neue Plattformen, auf denen wir uns auf Augenhöhe begegnen und austauschen.

    @Nattl: Auch ich bin für Vielfalt und gegen geschlossene „Biotope“ und „Elfenbeintürme“, wie Du so schön schreibst. Allerdings benötigen wir aus meiner Sicht ein gemeinsames Verständnis, dass es nicht um Eigeninteressen von Organisationen, Firmen oder Einzelpersonen gehen sollte, sondern um gemeinschaftliche und übergeordnete Interessen. Wenn wir diesen Paradigmenwechsel schaffen, dann kann sich in den nächsten Jahren sehr viel tun.

    @Marcus: Ich denke, wir sind uns einig. In der Fokussierung und Qualitätssicherung liegt die „härteste Nuss“. Ich freue mich auf spannende Diskussionen und Entwicklungen. Let’s try.

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  9. Christian Vogel

    Guten Abend allerseits,

    was mich sehr freut: der Openpm Gedanke, das Opempm Thema interessiert und gibt Anreiz zur Diskussion – auch kritisch. Das finde ich toll und zeigt, dass in dem Thema jede Menge Leben steckt!

    Ich glaube nicht, dass openpm die bestehenden Verbände verdrängen/überflüssig machen wird oder kann. Openpm wird in eine Lücke vorstoßen und den Schwerpunkt eben bei „Aus der Praxis für die Praxis.“ (TM by Marcus Raitner *smile*) setzen. Ich bin mir sicher, in diesem Bereich kann eine solche Plattform viel besser agieren als es eine bestehende Institution es könnte.

    Ggü. bestehenden Institutionen haben wir doch bei Openpm 2 entscheidende Unterschiede:

    a) Wir haben keine gewachsene Struktur auf die wir aufbauen und Rücksicht nehmen müssen. Wir können im IT-Jargon gesprochen auf einer grünen Wiese beginnen. Wir unterliegen auch keinem Druck eine Zertifizierung weiterzuentwickeln zu müssen und eine Zertifizierungsgebühr zu rechtfertigen. Wir haben keinen Standard, der in der Wirtschaft als verbindliches Instrument vertraglich vereinbart wird.

    b) Können wir natürlich auf der ganzen Vorarbeit der Institutionen im Bereich PM aufbauen. Wo wäre PM denn heute, wenn es die Verbände nicht gäbe? Wir führen die kritischen Diskussionen ja gerade weil es die bisherige Entwicklung gegeben hat und hoffentlich auch weiter Verbände existieren, damit es insgesamt nach vorne geht.

    Der Kommentar von Nadja „Die neue Generation der Projektmanager, die ihre Aufgaben per Googledocs und Twitter steuern, langweilen sich schnell in den “klassischen” Formaten (…) und das alles führt dazu, dass neue Spielregeln entstehen.“ ist exzellent, das würde ich sofort unterschreiben. Das ist ein normaler Prozess und auch dieser Umstand hat zur Entstehung von openpm indirekt beigetragen. Schließlich brainstormen wir über tricider, kommunizieren über google+ etc pp.

    Insofern sehe ich für mich zwischen openpm und bestehenden Institutionen keinen Gegensatz, geschweige den Konkurrenz. Vielmehr eine Möglichkeit sich ggs. zu „befruchten“ und Mehrwert zu schaffen. Am Ende wollen wir den „Nutzern“ Informationen und Werkzeuge an die Hand geben, um Projekte erfolgreich zu gestalten und Problemstellungen zu lösen.

    Natürlich müssen wir uns bei openpm an Ergebnissen messen lassen, und ich bin mir sicher, das wollen wir uns auch. Wir haben noch nicht auf alle Fragen und Herausforderungen (Fokussierung und Qualität) eine abschließende Antwort. Wir betreten mit openpm in gewisser Weise aber auch Neuland, bzw. einen neuen Ansatz und die Idee ist noch sehr jung. Und deswegen finde ich „Let’s try“ (Kommentarabschluss von S. Hagen) genau richtig an der Stelle.

    Einen schönen Abend in die Kommentatorenrunde 🙂

    PS: @Marcus: Korrigier mich, wenn ich im Sinne von openpm etwas falsch formuliert habe.

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  10. Pingback: Open-PM: Klärungen | /misc

  11. Rainer Eschen

    Da ich meine Wurzeln in der agilen Welt (Scrum) habe und durch meine hinzugekommene Projektleitertätigkeit jetzt mit der IPMA-Zertifizierung in Berührung gekommen bin, mal einige Anmerkungen von der „anderen“ Seite.

    Das, was ich bisher beobachten konnte bei der GPM/IPMA entzückt mich nicht wirklich. Grundsätzlich stimme ich zu, daß Scrum in der jetzigen Form nicht ausreicht, um alle Aspekte von PM abzudecken (bzw. zu ersetzen ;-)). Deshalb war ich sehr daran interessiert, zu verstehen was das klassische Vorgehen so alles zu bieten hat. Erste Enttäuschung für mich war eine „natürliche Ignoranz“ dem Agilen gegenüber. Entweder war nicht klar, worum es geht, oder es war „nur ein Thema für die Software-Entwickler“. Insofern finde ich den Ansatz „ein einziges PM-Modell für alles“ ziemlich praxisfern. Das ist sehr bedauerlich.

    Es gibt zwar jetzt eine Fachgruppe „Agile Software-Entwicklung“ (zu meiner Freude an meiner damaligen FH in Fulda gegründet), aber ich entdecke wenig konkretes. Nach meiner Einschätzung wird es viel zu lange dauern, bis agile Konzepte im IPMA-Standard Erwähnung finden. Für uns Software-Entwickler sowieso bitter: dort wo es spannend für uns wird, nämlich den Vorgehensmodellen, hört die Sache gleich wieder auf. Aber genau an dieser Stelle kann ich erst über agile Vorgehen überhaupt diskutieren.

    Die Open-PM-Initiative ist für mich deshalb besonders interessant, weil ich beobachten muß, daß die PM-Etablierten zu weit von meiner Praxis weg sind und sich wenig beweglich zeigen. Die bisher geäußerten Ideen zu Open-PM scheinen da eine Alternative zu sein. Ich möchte hier aber die Sache noch ein wenig mit der Entwicklung der agilen Methoden vergleichen. Anfangs hat man versucht, den Rational Unified Process (RUP) und andere Vorgehensmodelle abzustrippen. Später kam man zu radikaleren Ideen, die letzendlich im Agilen Manifest ihren Niederschlag fanden. Den Aspekt, mehr Mensch in die Sache reinzubringen, konnte ich zumindests bei der GPM/IPMA wiederentdecken.

    Ich hätte nichts dagegen, wenn Open-PM die Entwicklung des agilen Wegs auch beschreitet, selbst, wenn es 10-15 Jahre dauert. Ich gehe sowieso davon aus, daß sich in den Best Practices jene Teile der etablierten Standards niederschlagen werden, die tatsächlich praxisrelevanz bewiesen haben. Auch in Scrum stecken Teile von RUP. Der nächste Schritt könnte sein, eine Brücke zwischen diesen Best Practices und Scrum zu schlagen. Hier sehe ich meinen Schwerpunkt bei einer Mitarbeit in Open-PM. Ich werde mich dann zwar im „Scrum-But“ tummeln, wie Ken Schwaber so schön formuliert hat, aber mein Projektumfeld braucht genau hier eine praktikable Lösung.

    Um den Gebrauch moderner Werkzeuge noch mal zu unterstreichen: Wie wäre es mit einer Plattform für soziale Netzwerke für openpm.info? BuddyPress wäre evtl. dafür geeignet.

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  12. Marcus Raitner

    @Rainer Eschen: Danke für die Anregung BuddyPress einzusetzen. Ich hatte es auf die Schnelle nicht geschafft mehr als die statische Seite zu basteln, ist mir allerdings auch ein Dorn im Auge. Deshalb hatte ich auch schon überlegt das auf ein Blog zu migrieren damit zumindestens grundlegende Interaktion möglich ist solange bis openpm in voller Schönheit zur Mitarbeit bereitsteht.

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  13. Pingback: #openPM – freies PM-Praxiswissen auch für Bauprojekte – Bau.Projekt.Management-Blog

  14. Jan Fischbach

    Hallo zusammen,

    ich finde jede Idee gut, die Projekte verbessert. Die Resonanz auf open-pm zeigt, dass die Initiative den Nerv der Zeit getroffen hat. Also bitte ausprobieren.

    Ich habe folgende Anmerkungen:

    1. Ich glaube nicht, dass wir eine weitere Stelle brauchen, die noch mehr Tools und Methoden bereit hält. Wir ertrinken in Wissen. Wir filtert denn das relevante Wissen heraus? Ich glaube, open-pm will sich nicht anmassen, zu entscheiden, was gut und was schlecht ist. Das widerspricht ihren Werten.

    2. Tools und Methoden sind nicht allein der Schlüssel zum Erfolg, wenn ich mir die Geschichte des Projektmanagements im 20. Jahrhundert ansehe (z. B. bei books.google.com/books?id=AkhqNzThyLkC). Mindestens genauso wichtig ist die Sinnfrage: “Warum machen wir dieses Projekt?”. Wie will open-pm die (Projekt-) Manager dabei unterstützen, dass solche Fragen auch beantwortet werden und dass der “politische Zuspruch” zu einem Projekt auch erhalten bleibt?

    3. Wenn wir die PM-Bücher und Standards dieser Welt aufschlagen, sehen wir immer nur die fertige und vermeintlich richtige Lösung. Aber jede Lösung hat eine Geschichte und es gab Umstände, unter denen sie angemessen war. open-pm könnte dafür sorgen, dass diese Geschichten erzählt werden. Das trägt zum Verständnis der Methoden bei und eröffnet die Spielräume, die Projektmanager/-innen heute brauchen, um Werkzeuge anzupassen.

    4. Wie werden Projektmanager/-innen heute ausgebildet? Kulturgut kann man nicht wie eine Linux-Distribution runterladen und installieren. Es muss in die Köpfe. Das geht durch Ausprobieren, Diskutieren, Fehler machen, durch Sinneserfahrungen, durch regelmäßiges Üben und Trainieren. open-pm könnte Spiele erfinden, Spielwiesen bereit stellen, Mitspieler/-innen finden.

    Beste Grüße, Jan Fischbach

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