Enterprise 2.0 – natürlich geht es (auch) um die Werte.

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Zuerst möchte ich mich für die tollen und konstruktiven Kommentare (z.B. von G. Borck, C. Dethloff, M. Raitner, B. M. Schreurer, G. S. Bachbauer, S. Peschel) bedanken, die meine letzten beiden Blogposts zum Thema „Enterprise 2.0 / Projektmanagement 2.0“ (1 | 2) ausgelöst haben. Urlaubsbedingt habe ich leider etwas länger gebraucht, um die Inputs eingehend zu sichten, daraus zu lernen und meinen Standpunkt weiter zu erläutern. Diesen Blogpost möchte ich nun nutzen, um auf einige Aspekte näher einzugehen.

Die obige Präsentation soll dazu dienen, einige ausgewählte Aspekte grafisch aufzuarbeiten.

Begriffliche Klarheit

In der Präsentation habe ich versucht, einige Begriffe und Grundgedanken etwas klarer heraus zu schälen. Denn ich denke, dass in solchen Diskussionen häufig viel Energie verpufft bzw. verloren geht, indem die zentralen Begriffe nicht ausreichend abgegrenzt und definiert werden.

Hierbei habe ich natürlich nicht das Anrecht darauf, dass „meine“ Definitionen die richtigen sind. Ich möchte damit lediglich offen legen, an welchem Begriffsverständnis meine Argumentation ableitet.

Ursache und Wirkung

Offensichtlich ist das Missverständnis entstanden, dass es meine Meinung wäre, dass die fortschreitende Digitalisierung für die Entstehung gewisser „neuer“ Werte verantwortlich wäre. Dies habe ich natürlich so weder geschrieben und noch viel weniger gemeint.

Sehr wohl vertrete ich aber die Ansicht, dass…

  • neue Technologien gewisse „gute“ Werte (z.B. Respekt, Offenheit, Transparenz, Menschenwürde…) wieder stärker ins Bewusstsein rücken können,
  • dass dies auch ein wesentliches Ziel sein sollte,
  • dass gleichzeitig eine „Führungskultur 2.0“ (und die damit verbundenen Werte) eine gewisse Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Entwicklung hin zum „Enterprise 2.0“ ist,
  • dass Werte eine zentral wichtige Dimension in der gesamten Thematik darstellen und
  • dass Werte Ursache und Wirkung zugleich für den Transformationsprozess hin zum Enterprise 2.0 sind.

Auf der Folie # 9 habe ich das Modell eingefügt, an dem ich mich hier orientiere.

Enterprise 2.0 gestalten!

Ich setze mich leidenschaftlich dafür ein, dass wir uns noch viel stärker bewusst machen, dass WIR (und vor allem die Menschen mit Führungsverantwortung in Organisationen) den Wandel wesentlich selbst gestalten können und müssen. Mir geht es – ehrlich gesagt – auf den Keks, dass wir viel zu häufig von notwendigen Veränderungen sprechen, diese aber nur selten selbst in die Hand nehmen. Ich behaupte: Führungskräfte können und müssen wieder mehr Mut entwickeln und ihre Verantwortung wahrnehmen, um den Wandel aktiv zu führen und zu gestalten. Und genau in diesem Zusammenhang sehe ich in neuen Technologien und Social Software eine riesige Chance – gerade auch im Kontext „Projektmanagement“.

Ich freue mich auf weitere spannende Diskussionen!

5 Gedanken zu „Enterprise 2.0 – natürlich geht es (auch) um die Werte.

  1. Steffen Peschel

    Klar, wenn du von „2.0“ sprichst, gehört da Social Software mit in die Gleichung rein. Und klar könnte man sagen, dass durch die Nutzung neuer Werkzeuge die neue Kultur entsteht. Dafür könnte man sogar in die Menschheitsentwicklung zurückschauen. Mit dem Faustkeil hat der Mensch eine vollkommen neue Kultur entwickelt. Oder auch in der Neuzeit, die Mikroskop, das Fernglas … Telegraf, Telefon, Radio, Fernsehen. Das kennen wir. Was man bei diesen kulturellen Veränderungen auch sehen muss, nicht jeder hat sich darüber total gefreut. Im Grunde genommen wurden neue Ideen, die der herrschenden Kultur entgegen standen immer erstmal verfolgt und unterdrückt. Die Frage ist, will man einfach drauflosgehen und diese vorhersehbaren Konflikte in Kauf nehmen?

    Die Werkzeuge allein reichen mir also nicht. Kultur und Werkzeuge wirken ineinander, wie auf der Enterprise 2.0 Concept Map ja auch darstellst. Ich finde Kultur sollte in die Gleichung mit einfließen.

    Schau dir mal die Arbeiter in Argentinien an (http://www.youtube.com/watch?v=yT2iYmTL140) oder dieses Beispiel: http://www.kultur2punkt0.de/2011/unternehmenskultur-ohne-hierarchie-wo-sind-die-nachahmer–1196

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  2. Marcus Raitner

    Ich halte es für fatal zu glauben oder zu suggerieren, dass irgendein Werkzeug die Entwicklung zum Enterprise 2.0 oder zum Projektmanagement 2.0 bewerkstelligen könnte. Insofern finde ich die Definition von Enterprise 2.0 unglücklich, weil sie nur an den Werkzeugen hängt. Für mich sieht es eher so aus: Die Verbreitung von Social Media führte bzw. führt immer noch zu einer Veränderung der Ansprüche von Menschen an ihre Umgebung. Diese Ansprüche übertragen sich nun nach und nach auf die Arbeitswelt, auf das Unternehmen 1.0 und das Projekt 1.0. Nun ist es aber nicht Facebook oder Twitter an sich, was die Menschen an soziale Medien schätzen. Vielmehr ist es beispielsweise der direkte und hierarchiefreie Kontakt oder die Transparenz was die Menschen schätzen. Wenn wir Enterprise 2.0 definieren wollen, sollten wir erst diesen Wertewandel bzw. Wandel an Ansprüchen verstehen, denn das wäre die geeigneten Zutaten für das Enterprise 2.0 / Projekt 2.0. Wie wir die Zutaten dann verpacken (sprich: welche Werkzeuge wir dann einsetzen) ist auch interessant, aber erst in zweiter Linie.

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  3. S. Hagen Beitragsautor

    @Steffen und @Marcus: Ihr habt natürlich vollkommen recht, dass die Kultur in sozialen Systemen nicht durch Werkzeuge alleine verändert werden kann. Allerdings behaupte ich, dass die konsequente, von den Führungskräften vorgelebte und behutsam eingeführte Anwendung sozialer Software eine wichtige, indirekte Einflussgröße auf den Faktor „Kultur“ sein kann. Sicher nicht die einzige, aber eine wichtige.

    Warum? Denn Social Software fördert – wie auch Marcus geschrieben hat – die direkte und hierarchiefreie Kommunikation zwischen Menschen. Und wenn wir Niklas Luhmann glauben schenken dürfen, bestehen soziale Systeme aus sich auf sich selbst beziehenden sozialen, geschlossenen Operationen, nämlich aus Kommunikation. Durch Kommunikation können sich soziale System erst gegenüber ihrer Umwelt abgrenzen, sie definieren sich dadurch und es entsteht eine (System)Identität.

    Nochmals: Ich wollte nicht suggerieren oder ausdrücken, dass neue Technologien und Medien alleine Veränderungen (auf verschiedenen Ebenen, siehe Folie 9) in Organisationen auslösen können. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass der Weg zum Enterprise 2.0 Veränderungen auf ALLEN EBENEN einer Organisation (Folie 9) zumindest unterstützen kann. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass der Veränderungsprozess professionell geplant und geführt wird. Dann kann eine E2.0-Kultur entstehen (und all die anderen Aspekte, die damit verbunden sind).

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  4. Eberhard Huber

    Stefan, ich kann Deine Vision verstehen. Bei mir ist allerdings ein wenig Ernüchterung eingekehrt. Werkzeuge sind erst einmal werte-neutral. Moderne Informationsaustausch und Kollaborationswerkzeuge können im Sinne von Sinnstiftung, flacherer Hierarchie und Selbstorganisation eingesetzt werden – sie müssen es aber nicht. Konkret erlebe ich gerade den Umbau eines Unternehmens von einer gut funktionierenden verantwortungsbasierten Selbstorganisation hin zu einer strikten hierarchischen rein geldwerten Organisation, parallel dazu werden Web 2.0 Werkzeuge eingeführt. Ein ehemaliger Kolelge von mir sagte einmal „Werkzeuge sind neutral, sie können aber Trends verstärken“. Ich denke es gilt die Trends im Auge zu behalten und ggf. zu gestalten.

    Dann noch ein grundlegenderer Gedanken. Moderne Medien und Kommunikationswerkzeuge würde ich auch zu den Kulturwerkzeugen rechnen wenn es da nicht ein Problem gäbe. Inkulturation läuft langsamer als der derzeitige technische Fortschritt ab. Nachhaltige Kulturwandel laufen hingegen auf einer Zeitschiene von Generationen, inzwischen sind umwälzende Fortschritte in der Technik auf einer Zeitskala von wenigen Jahren angekommen – ich bin mir da nicht sicher ob Menschen da Schritt halten können. Wahrscheinlich wird es da noch einiges an kultureller Irritation geben.

    Zu guter Letzt noch etwas Spekulativ-Philosophisches: In meiner Kindheit war es etwas besonderes ein Telefon zu haben. Mobile Telefonie eventuell sogar mit Bild war abgedrehte Sciencefiction, nicht einmal Capt. Kirks Funkgerät hatte Bildübertragung, heute ist das Alltag. Was ist in 10 Jahren normal? Ist es dann das Implantat im Kopf mit dem man online geht, werden wir dann zu den Altvorderen gehören, die den Wandel nicht mehr mitgehen können …

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