Archiv für den Monat: November 2012

Stellen wir uns die richtigen Fragen?

Beim PM Camp 12 in Dornbirn wurden Sichtweisen ausgetauscht, Standpunkte vertreten und Erfahrungen diskutiert. Die Stimmung war auch in diesem Jahr wieder überwiegend sehr wertschätzend, der Austausch konstruktiv, intensiv und teilweise auch recht kontrovers. Ich fand’s toll.

Eine Frage hat mich aber beschäftigt: Stellen wir uns hier die richtigen und wirklich wichtigen Fragen?

Diese Frage mag dem einen oder anderen abstrakt, theoretisch oder sogar überheblich scheinen. Für mich ist sie aber sehr wesentlich. Denn in den letzten Jahren habe ich folgende Erfahrungen gemacht:

  • Die wichtigsten „Aha-Erlebnisse“ hatte ich nicht im engeren Sinne im Projektmanagement oder in Projekten.
  • Stattdessen hat mich die Auseinandersetzung mit der „Funktionsweise sozialer Systeme“ am stärksten wach gerüttelt.
  • „Funktionsweise“ ist eigentlich der falsche Begriff, denn er klingt allzu mechanistisch. „Gelingende Zusammenarbeit in sozialen Systemen“ wäre die treffendere Formulierung.
  • Die Grundlagen für diese Art des Denkens und Handelns liegen in der Systemtheorie, der Kybernetik oder im radikalen Konstruktivismus.
  • Aber erst wenn die Essenz (guter) Theorien mit allen Sinnen erlebt werden, befindet man sich auf dem (lebenslangen) Lernweg von der Theorie zur Praxis sozialer Systeme.
  • Für mich persönlich war Kambiz Poostchi in diesem Zusammenhang der wichtigste Mentor der letzten Jahre.

Wicked Question Game beim PM Camp 12

Um es kurz zu machen: Ich glaube, wir stellen uns vielfach im Projektmanagement (und auch in anderen Lebensbereichen) nicht die Fragen, die uns wirklich weiter bringen.

Deshalb habe ich – um zum Ursprung dieses Blogbeitrags zurück zu kommen – beim PM Camp 12 eine Barcamp-Session zu diesem Thema angeboten. Die Methode, die wir zum „Aufwärmen“ der Diskussion genutzt haben, war das „Wicked Quesion Game„. Die Session habe ich anschließend auf openPM dokumentiert, dort wurde die Diskussion im kleinen Kreis weiter geführt.

Soweit – so gut. Was könnten nun aber die Fragen sein, mit denen wir uns (im Projektmanagement und auch anderswo) noch stärker beschäftigen sollten? Hier ein Vorschlag, der sich für mich aus der genannten Session auf dem PM Camp ergeben hat:

Wie kommt das Neue in die Welt?

Klar ist für mich: „Das Neue“ muss den Menschen dienen, und nicht umgekehrt!

Über eine rege Diskussion zu diesem Thema würde ich mich freuen. Gleichzeitig darf ich hiermit ankündigen: Auf dem PM Blog wird es zukünftig vermehrt „Systemisches“ geben. Auch auf die Gefahr hin, dass ich damit den einen oder anderen Leser verschrecken oder gar vertreiben werde. Aber die Zeit ist reif.

changeX – Lesetipp zum Wochenende

Seit einigen Wochen lese ich regelmäßig das Online-Magazin changeX. Das Abo kostet zwar ein bisschen was, aber ich finde, es ist eine hervorragende Investition.

Der Chefredakteur, Winfried Kretschmer, beschreibt changeX wie folgt:

changeX ist das Online-Medium für Zukunftsideen, neue Wirtschaft und Innovation. changeX behandelt Themen, die morgen wichtig werden. In Essays, Interviews, Buchrezensionen und Reports suchen wir nach Ideen mit Zukunft. Im Mittelpunkt: Innovation, Führung, Management, Wirtschaft, Bildung, Denken, Zukunft und andere Themen des Wandels in Wirtschaft und Gesellschaft. Motto: „In die Zukunft denken“. Ziel: Angesichts der Turbulenzen der Zeit den Überblick zu wahren.“

Das changeX-Team erfüllt diesen Auftrag meines Erachtens in hervorragender Art und Weise. Wir brauchen in der heutigen Zeit definitiv mehr davon: Neues Denken – neue Haltung – neues Tun – neue Erkenntnis! (vgl. Wallner/Völkl).

Zuerst die Zusammenarbeit

Der aktuelle Leitartikel behandelt das Thema Zusammenarbeit und Führung. Der bekannte Buchautor Reinhard Sprenger (u.a. Mythos Motivation) vertritt die These, dass das Organisieren von Zusammenarbeit die wichtigste Führungsaufgabe in unserer Zeit ist. Ich kann diesem Gedanken sehr viel abgewinnen und werde das neue Sprenger-Buch „Radikal führen“ sicher noch lesen und auf dem Blog rezensieren.

Nachtrag: Gerade habe ich noch diese interessante Buchliste auf changeX gefunden. Einige der Bücher habe ich mir gleich bestellt…

PM Camp 12 – Ein Rückblick.

Roland Dürre, Jens Hoffmann, Eileen Hörtreiter, Eberhard Huber, Marcus Raitner und ich sind letztes Jahr mit der Vision angetreten, mit dem PM Camp DIE Unkonferenz zum Thema Projektmanagement ins Leben zu rufen. Es handelte sich von Beginn an um ein großes (soziales) Experiment. Denn wir hatten zwar „Barcamp-Erfahrung“, allerdings konnte keiner von uns vorhersehen, wie dieses innovative Veranstaltungsformat bei Projektmanager/innen und PM Interessierten ankommen würde. Um es kurz zu machen: Das PM Camp kommt hervorragend an.

Warum ein PM Camp?

Mir ist es immer wieder ein Anliegen, den formulierten Auftrag des PM Camps als Ausgangspunkt anzuführen:

Das PM Camp ist Brückenbauer und Impulsgeber im Dienste der Weiterentwicklung des Projektmanagements.

Es geht uns im Kern um die Weiterentwicklung der PM Profession. Allerdings haben wir nicht die Haltung, dass einige wenige diese Aufgabe meistern können. Wir brauchen einen respektvollen und vielfältigen Diskurs möglichst vieler Menschen, die in Projekten arbeiten, sie leiten oder von ihnen betroffen sind.

Wie lief das PM Camp 12 ab?

Auch dieses Jahr fand das PM Camp für die DACH-Region wieder inmitten des Dreiländerecks, nämlich an der FH Vorarlberg in Dornbirn statt. An dieser Stelle danke ich Hannelore Nagel vom FHV Veranstaltungsmanagement und ihrem Team für die tolle Arbeit! Ohne die organisatorische Unterstützung und die kostenlose Bereitstellung der Top-Räumlichkeiten durch die FHV wäre das PM Camp in dieser Form niemals möglich.

So sah der Lageplan des PM Camps 12 aus:

Donnerstag, 8.11.2012: Das traditionelle Get-Together startete um 18 Uhr. Ehrlich gesagt hatten wir an das Get-Together keine allzu großen Erwartungen, denn letztes Jahr war die Stimmung eher zurückhaltend und abwartend. Umso größer war die Überraschung, wie es dieses Jahr verlief. Die Stimmung war von Anfang an toll. Bekanntschaften aus dem letzten Jahr begrüßten sich freudig, aber auch alle „neuen“ PM Camp’ler wurden herzlich aufgenommen und willkommen geheißen. Kurz: Das Get-Together hatte fast schon den Charakter der PM Party. Diese folgte allerdings erst am Freitag.

Freitag, 9.11.2012: Die ca. 120 Teilnehmer/innen trafen pünktlich ein. Im Kaffee-Raum „Aberdeen“ begann schon vor der offiziellen Eröffnung ein reger Austausch. In der Eröffnung wiederholten wir kurz die Entstehungsgeschichte sowie die strategische Konzeption des PM Camps. Danach folge der Vortrag von Olaf Hinz, der viele Anregungen und Ideen für die weiteren Barcamp Sessions lieferte. Die darauf folgende Session Planung wurde dankenswerterweise vom erfahrenen „Barcamper“ Sven Tiffe übernommen.

Um es kurz zu machen: Die Barcamp Sessions wurden von den Teilnehmer/innen mit großem Engagement vorgeschlagen und abgehalten. Am Nachmittag folgte ein gemeinsames Closing, in dem die wichtigsten Eindrücke des Tages kurz gemeinsam verarbeitet wurden.

Abends fand dann die „PM Party“ statt, die sich mit fortlaufender Dauer zu einem rauschenden Fest entwickelt hat.

Samstag, 10.11.2012: Der letzte Tag des PM Camps startete mit einer kurzen Vorstellung der PM Camp Philosophie, Mission, Vision und Strategie. Unser erklärtes Ziel ist es, das Format weiter zu öffnen und Interessenten anzubieten, PM Camps an anderen Standorten zu organisieren. Derzeit sieht es so aus, dass 2013 Camps in Wien, Aberdeen, Stuttgart, Zürich, Frankfurt und eventuell auch Berlin stattfinden werden. Natürlich wird es im November auch wieder ein PM Camp im DACH-Dreiländereck geben.

Im Impulsvortrag des 2. Tages präsentierte Wolfram Müller mit „Reliable Scrum, Ultimate Scrum, agile Enterprise“ einige kontroverse Thesen, welche die Diskussionen weiter anheizten.

Aufgrund der Tatsache, dass wir dem Zeitplan etwas voran waren, wurden die anschließenden Sessions um 30 Minuten vorverlegt. Rückblickend betrachtet würde ich dies heute nicht mehr so machen – denn diese (demokratisch entstandene) Orga-Änderung sorgte kurzfristig für Unruhe.

Fazit

Aus meiner ganz persönlichen Sicht war das PM Camp 12 ein großer Erfolg und ein Schritt in die richtige Richtung, um die „Idee“ und Philosophie der Veranstaltung weiter zu in die Breite zu tragen. Der Zwischenstand des standardisiert erhobenen Teilnehmer/innen-Feedbacks zeigt ebenfalls ein sehr positives Bild. Der Gesamteindruck aller Rückmeldungen liegt bei 1,21 (nach dem Schulnotenprinzip).

Wir konnten das Format und die gesamte Organisation dazu weiter festigen und teilweise standardisieren. Besonders positiv ist auch die stärkere Verschränkung mit openPM zu sehen – denn in diesem Jahr wurde ein erheblicher Teil der Sessions auf openPM dokumentiert.

Gleichzeitig gibt es auch wieder diverse Punkte, die wir bei der nächsten Durchführung verbessern möchten. Ich sehe spontan vor allem folgende Entwicklungspotenziale und Herausforderungen im Zusammenhang mit dem PM Camp:

  • Die Grundwerte der Veranstaltung müssen weiter thematisiert und geschärft werden. Vor allem muss es gelingen, die Werte auch in allen „regionalen“ PM Camps zu etablieren. Dies passiert vor allem durch die jeweiligen Organisator/innen.
  • Der Auftrag des PM Camps, aus dem sich der Sinn & Zweck für die Organisator/innen und Teilnehmer/innen ergibt, muss weiter konkretisiert werden. Auch die Abstimmung mit openPM ist in diesem Zusammenhang ein Thema.
  • Weiters stellt sich für mich die Frage, wie die Vielfalt der Teilnehmer/innen noch weiter gesteigert werden kann? Denn das Format lebt davon, dass sich Teilnehmer/innen unterschiedlicher PM Anwendungsbereiche, Branchen, Altersstufen, Geschlechter mit entsprechend heterogenem Wissens- und Erfahrungshintergrund auf Augenhöhe austauschen.

Danke an alle, die einen Beitrag zum PM Camp 12 geleistet haben!

Führung und Management – Zwei Seiten einer Medaille.

Organisationen (= Unternehmen, Non-Profit Organisationen, Projekte…) sind zweckorientierte, soziale Systeme. In einer komplexen und sich rasch verändernden Umwelt steigen die Herausforderungen an die Gestaltung, Entwicklung und Koordination von Organisationen kontinuierlich an.

Ich halte die Differenzierung von Führung und Management in diesem Zusammenhang für wichtig. Folgende Überzeugungen möchte ich deshalb hier zur Diskussion stellen:

  • Führung und Management bilden in sozialen Systemen zwei sich ergänzende Funktionen.
  • Führung = Wirken am System.
  • Management = Wirken im System.
  • Viele Organisationen sind „over-managed“ aber „under-led“.
  • Wir sollten stets versuchen, Menschen und Systeme zu selbstverantwortlichem, selbstorganisierten Verhalten anzuregen und den (individuellen und systemischen) Entwicklungs-/Reifeprozess zu unterstützen.
  • Führung und Management sollte aus einer dienenden Haltung erfolgen. Dies stellt keinen Widerspruch zu wichtigen Prinzipien wie Verbindlichkeit, Zielorientierung, Fokus.

Ich habe eine kleine Präsentation zu dem Thema erstellt. Vielleicht werde ich beim PM Camp diese Woche auch eine kleine Barcamp Session dazu anbieten.