PM Reifegradmodelle: Sinnvoll oder schwachsinnig?

Jurgen Appelo hat kürzlich auf seinem Blog einen Beitrag mit dem Titel “The Nonsense of the Maturity Level” geschrieben. Im Kern gebe ich ihm Recht (“organizations are living systems“), doch richtig eingesetzt können Reifegradmodelle (= Maturity Models) meines Erachtens praktisch und auch nützlich sein. Einige Gedanken dazu.

Schwachsinnig ist der Einsatz von Reifegradmodellen dann, wenn man…

  • …immer noch glaubt, dass man etwas nur verbessern kann, wenn man es messen kann.
  • …das Ergebnis mit der Realität verwechselt wird oder
  • …das Ergebnis unreflektiert und ohne Einbindung der Mitarbeiter/innen in Maßnahmen übertragen wird.

Sinnvoll ist der Einsatz von Reifegradmodellen dann, wenn man…

  • …das Modell als Rahmen für die Analyse und Diagnose versteht,
  • …die hinter dem Reifegradmodell stehenden Erfolgsfaktoren für gelingendes Projektmanagement thematisiert und auf das jeweilige Unternehmen überträgt und
  • …das Ganze nicht zu analytisch-mathematisch sondern vielmehr ganzheitlich-systemisch angeht.

In unseren Consulting-Projekten wenden wir Reifegradmodelle bereits seit mehreren Jahren nicht mehr an. Wir haben einen anderen (nämlich systemisch-konstruktivistischen) Zugang, um Symptomen in Organisationen auf den Grund zu gehen und gemeinsam mit den betroffenen Menschen zu hinterfragen.

Sehr wohl aber steht die Logik von Reifegradmodellen auch bei unserem Beratungsansatz im Hintergrund. Denn selbstverständlich gibt es messbare Unterschiede zwischen Organisationen, die Projekte “ad hoc” (Stufe 0 oder 1 in Reifegradmodellen) angehen und jenen, die eine professionelle Projektkultur etabliert haben und diese auch tatsächlich leben (Stufe 4 oder 5).

Weiterführende Informationen zu Reifegradmodellen:

Ein Gedanke zu „PM Reifegradmodelle: Sinnvoll oder schwachsinnig?

  1. Heinrich Unger

    “das Ergebnis mit der Realität verwechselt wird oder”

    das ist für mich der Kernpunkt der Aussage. Ich kenne genug Firmen, die zwar Messungen durchführen, 100te (ja tatsächlich) KPIs messen, reporten kumulieren bis zur Vorstandsspitze (internationale Konzerne) – die genau nichts bringen – “Weil das Ergebnis mit der Realität verwechselt wird”.

    Es ist deswegen keine Realität, weil die Kennzahlen hingebogen werden, sodass ja grün auf den KPI Tabellen aufscheint. Und mit hingebogen, vermeide ich müssen die Worten “betrogen und belogen wird”.

    Sie sind somit wertlos, weil man nichts, aber auch gar nichts sinnvolles zur Steuerung des Unternehmens damit beiträgt.

    Warum ist das so? Naja z.B. Angst um die Prämie (und zwar durchgehend von oben nach unten) – unten in der Hierarchie Angst um den Arbeitsplatz.

    Solange im Unternehmen keine vernünftige Fehlerkultur herrscht sind solche KPIS und somit auch Vergleiche nach Reifegradmodelle sinnlos.

    Diese Fehlerkultur zeigt sich besonders in Unternehmen – die 100% Ziele ausgeben – also 100% der Projekte müssen in Time, in Budget und in Scope sein – das kann es gar nicht geben. Wird aber verlangt, um die Jahresprämie zu bekommen, also wird kreativ (ich vermeide das Wort lügen) reportet – und alle wissen es (oder sie sind total naiv (hier vermeide ich das Wort verblödet) und das wollen wir von unseren Unternehmenslenkern ja doch nicht glauben, oder? Lieber ein Kreativ berichtender als ein Naivling. Weil Naivlinge führen Unternehmen sicher in den Abgrund

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