Das wichtigste Wort in Projekten: NEIN.

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Schon längere Zeit wollte ich über das Thema schreiben, und gestern war es dann soweit: Gleich dreimal innerhalb von 24 Stunden hat es mich beschäftigt – das wichtigste Wort im Projektgeschäft: Nein.

Nein im Projektgeschäft

Ich möchte eines der gestrigen Erlebnisse heraus greifen. Vor ca. einem Jahr hat mich der Leiter eines ehrenamtlich geführten Museums kontaktiert. Gemeinsam mit einem Kollegen – beide gute 60 Jahre alt – hat er mich dann besucht. Es ging um einen möglichen Strategieprozess, den mein Beratungsunternehmen begleiten sollte. Das Gespräch ist sehr gut verlaufen, die Herren haben offenes Interesse an einer Zusammenarbeit bekundet. Nachdem ca. 2 Wochen vergangen waren, hat mich die Information erreicht, dass sie „noch etwas Zeit für die Vorbereitung des Prozesses brauchen würden“.

Vor knapp einer Woche hat mich dann eine freundliche e-Mail mit der Einladung zur Teilnahme an einer Ausschreibung erreicht. Es ging um den besagten, recht umfangreichen Strategieprozess. Selten habe ich so sauber ausgearbeitete Unterlagen für ein Projekt dieser Ausprägung gesehen. Einer der Herren war offensichtlich in technischen Ausschreibungen sehr versiert und erfahren – ich kenne solche Lastenhefte sonst nur aus dem Baubereich.

Natürlich habe ich mir die Vorgaben und Anforderungen sehr gut durchgelesen. Bereits nach kurzer Zeit beschlich mich aber ein flaues Bauchgefühl, welches wenige Minuten später bis zu meinem Kopf durchdrang. Um es kurz zu machen: Ich habe dem potenziellen Kunden mitgeteilt, dass unser Unternehmen an der Ausschreibung nicht teilnimmt. Die Begründung habe ich kurz gefasst, aber mit der jederzeitigen Möglichkeit eines persönlichen Gesprächs.

Grenzen ziehen

Ich werde vielleicht ein anderes Mal auf die Problematik von Ausschreibungen im Dienstleistungsbereich eingehen. Heute geht es mir aber um das „Nein-Sagen“, das Grenzen ziehen in Projekten. Warum ist es so wichtig?

  • Nein vor dem eigentlichen Projekt: Gerade im Projektgeschäft ist dieses Nein von essenzieller Bedeutung. Gleichzeitig ist es eines der schwierigsten. Man möchte den Kunden nicht vor den Kopf stoßen, nicht arrogant oder überheblich wirken, gleichzeitig winkt ein möglicherweise sehr lukrativer Auftrag, den das Unternehmen gut vertragen könnte. Um es kurz zu machen: Offensichtliche Unstimmigkeiten, die Sie zu einer frühen Projektphase nicht ausräumen, werden sie später in der Regel wieder einholen. Allerdings mit verstärkter Intensität.
  • Nein während des Projekts: Auch während der Durchführung von Projekten gibt es etliche Situationen, in denen Klarheit gefordert ist. Dies ist dann umso schwieriger, wenn man mit seiner Meinung relativ alleine dasteht. In der Rolle des Projektleiters ist es aber gerade dann wichtig, für seine Überzeugungen einzustehen. Und auch die Teammitglieder sollten intervenieren, wenn Entscheidungen ihrer Ansicht nach falsch oder nicht machbar sind.
  • Konstruktives Nein: Um eines ganz klar zu machen: Häufig treffen wir zwei Formen von „Neins“ an, nämlich ein konstruktives und ein destruktives Nein. Zu akzeptieren ist natürlich nur ersteres. Wenn Menschen aus Prinzip dagegen sind oder ihre Meinung partout für wichtiger halten als jene der Kolleg/innen, darf dieses Verhalten nicht toleriert werden.
  • Konstruktiver Umgang mit Widersprüchen: Im Kern geht es häufig um die Art und Weise, wie wir in Projekten mit Widersprüchen, Polaritäten und Spannungsfeldern umgehen. In vielen Situationen – besonders in komplexen und dynamischen Projekten – gibt es kein objektives richtig oder falsch. In solchen Situationen brauchen wir eine konstruktive, kooperative Streit- und Widerstandskultur, in der verschiedene Meinungen respektvoll in den Diskurs aufgenommen werden. Gleichzeitig ist es aber auch nötig, Aushandlungsprozesse ab einem bestimmten Zeitpunkt zu beenden und zu einer Entscheidung zu kommen.

Fazit: Gerade in komplexen Projekten ist es von entscheidender Bedeutung, Widersprüche offen zu artikulieren, respektvoll und konstruktiv zu bearbeiten und zu entscheiden. NEIN sollte das Wort sein, das vor allem Projektleiter/innen mit großer Bedacht aber trotzdem konsequent einsetzen.

Etwas provokativ möchte ich behaupten, dass der Bau des Berliner Flughafens anders verlaufen wäre, wenn einige der Beteiligten von Beginn an öfter mal Nein gesagt hätten 😉

Weiterführende Informationen

11 Gedanken zu „Das wichtigste Wort in Projekten: NEIN.

  1. Thomas Egger

    Sehr gut geschrieben! Es ist immer sehr spannend all das lesen zu können, was sich in manchen Fällen zuvor bereits im Büro angekündigt hat.

    Antworten

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