Projektmanagement Trends: Was kommt danach? Beyond project management?

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Trends im Projektmanagement
Vergangene Woche ist im TEC-Channel ein Blogbeitrag von Kay-Eric Hirschbiegel (Geschäftsführer Sciforma GmbH) mit dem Titel „Die Trends im Projektmanagement im Überblick“ erschienen. Die darin enthaltenen 7 Thesen möchte ich kurz kommentieren.

1. Strategisches Portfoliomanagement

Der Autor geht davon aus, dass die Bedeutung des strategischen Projektportfoliomanagements weiter ansteigen wird. Als Anbieter einer entsprechenden Software-Lösung muss er dies wohl 🙂

Ich bin diesbezüglich ambivalent. JA, Unternehmen benötigen einen aktuellen Überblick über die laufenden Projekte und deren Status. NEIN, wir dürfen Multi-PM und Projektportfoliomanagement (PPM) nicht nur anhand von Tabellen, Charts und Kennzahlen praktizieren. Tatsächlich kommt es auf die gelebte Kommunikations- und Problemlösungskultur im jeweiligen Unternehmen an.

2. Nutzenorientierung

Der Autor geht davon aus, dass die Geschäftsführung ein immer stärkeres Interesse daran hat, durch aussagekräftige Analysen den tatsächlichen Nutzen von Projekten klarer zu erkennen. Dieses Bedürfnis bringt er in einen direkten Zusammenhang mit den eingesetzten Software-Tools (natürlich mit einem Screenshot der Lösung aus seinem Hause).

Hmmm, ist das wirklich ein Trend? Und kann eine Software alleine hier die Lösung sein? Ich denke nicht.

3. Projektgeschäft durchdringt die Organisation

Der Autor spricht hier die immer stärkere Vernetzung des Projektmanagements mit anderen Bereichen im Unternehmen dar. Diesen Aspekt kann man klar unterstreichen, besonders auch die Dimension der notwendigen Organisationsentwicklung, die angesprochen wird.

4. Verwandtschaft von Produkt- und Projektmanagement

Der Autor stellt die These auf, dass Produkt- und Projektportfoliomanagement immer stärker miteinander zusammen hängen.

Ich frage mich: War das nicht immer schon so?

Ich sehe die Herausforderung darin, Projektmanagement tatsächlich im Gesamtkontext der Organisation zu betrachten und zu gestalten. Hierzu ist ein Führungs- und Organisationsverständnis notwendig, das auf systemischen Modellen und Erkenntnissen aufbaut (wie z.B. die Systemorientierte Managementlehre aus St. Gallen).

5. Agil schlägt Wasserfall

Der Autor weist auf die immer größere Bedeutung agiler Vorgehensweisen hin. Dem ist nur wenig hinzu zu fügen.

Allerdings möchte ich die Frage in den Raum stellen, ob die ganzen „etablierten PM Anbieter“, die ihre Lösungen und Tools auf sehr klassischen PM Logiken aufgebaut haben, agile Prinzipien und Werte wirklich verstanden haben und ob sie diese konsequent in ihren Lösungen umsetzen? Ich befürchte nämlich, dass es sich häufig eher um „Marketing-Bla-Bla“ handelt, wenn Lösungsanbieter ihre Agilität anpreisen.

6. Soziale Vernetzung

Der Autor erwähnt den „Siegeszug sozialer Medien“, die nun auch in der PM-Welt Einzug halten. ich stimme grundsätzlich zu, frage mich aber auch hier, ob „etablierte PM Anbieter“ wirklich verstanden haben, was die dahinter liegenden Prinzipien und Werte in Social Media & Co sind?

Ich möchte keinesfalls überheblich wirken, aber ich glaube auch in diesem Punkt nicht daran, dass die breite Masse in der „PM Szene“ den Trend der Digitalen Transformation wirklich durchdrungen hat. Denn hierzu ist eine aktive Auseinandersetzung mit Facebook, Twitter & Co notwendig.

7. Unverzichtbare Projektwirtschaft

Abschließend hält der Autor fest, dass die Bedeutung des Projektmanagements weiter steigen wird.

Meine Meinung hierzu ist: JEIN. Denn sicherlich haben Unternehmen immer mehr komplexe und neuartige Aufgabenstellungen zu bewältigen. Aber ist Projektmanagement wie wir es in den letzten 50 Jahren gelernt haben die Lösung?

Ja, es wird weiterhin die Arbeits- und Organisationsform „Projekt“ geben. Aber hier sollten wir präzise sein, denn wir sprechen von jenen Aufgaben, die die Projektkriterien erfüllen. Aber was ist mit den Aufgabenstellungen, für die beispielsweise gar keine klaren Ziele und Projektinhalte festgelegt werden können? Herausforderungen, die einfach zu komplex und unsicher sind, um nach der klassischen Umfangs-Zeit-Kosten Logik geplant und gesteuert zu werden?

Prozess – Projekt – Pionierarbeit

Für mich ist mittlerweile klar: Herausforderungen, die Organisationen zu bewältigen haben, werden vielfältiger. Gleichzeitig können wir festhalten: Unternehmen müssen zwei „Meta-Fähigkeiten“ besitzen, um heute und in Zukunft überlebensfähig und erfolgreich sein zu können (vgl. „Hypothesen zur Organisation der Zukunft„), nämlich

  • das Verwerten des Bekannten („Management von Stabilität“) und
  • das Erlernen des Neuen („Management von Instabilität“).

Wir müssen (endlich) erkennen, dass uns Projektmanagement beim Erlernen des „wirklich Neuen“ häufig nicht weiter bringt! Denn Projektmanagement ist, da führt kein Weg dran vorbei, der Versuch, neuartige Aufgabenstellungen zu analysieren, Ziele festzulegen, zu planen, zu steuern und schlussendlich das definierte Ergebnis (im Sinne von Umfang-Kosten-Zeit) zu erreichen.

Meine Hypothese lautet: Wir brauchen Fähigkeiten für „Pionierarbeit in Organisationen„, die weit über das (klassische) Projektmanagement hinaus gehen. Agile Werte, Prinzipien und Vorgehensweisen halte ich für die Vorboten eines notwendigen, größeren Paradigmenwandels. Beyond (Project) Management!

Hier eine erste, grobe Gedankenskizze:

3 Gedanken zu „Projektmanagement Trends: Was kommt danach? Beyond project management?

  1. Günter S. Bachbauer

    Lieber Stefan,

    sehr guter Beitrag. Vorab: Mir erscheint auch, dass es sich v.a. um eine Werbeeinschaltung handelt. Das heißt natürlich nicht, dass die Punkte falsch sind. Obwohl ich mir „trendmäßig“ mehr erwartet habe.

    ad Portfoliomanagement:
    Wie die meisten sehe auch ich v.a. Bedarf in einem deutlich besseren, systematischen und umfassenden Ressourcenmanagement. Das inkludiert natürlich auch, dass ich als Organisation weiß, was meine Mitarbeiter können und vor allem was nicht. Talentemanagement, Ressourcenpools und Projektkarrieren sind nur Mosaiksteine dieser umfassenden Herangehensweise. Letztlich geht es doch immer wieder in Richtung projektorientierte Organisation.

    ad Projekt und Produkt:
    Völlig deiner Meinung. Das Projekt schafft Produkte. Teilweise aber IST das Projekt schon in sich ein Produkt, weil es die Möglichkeit eines (organisatorischen) Wandels bringt. Hier wird alter Wein in neuen Schläuchen verkauft – mal wieder.

    ad Agil vs. Traditionell:
    Ich vermeide hier den Begriff „Wasserfall“, da es sich hier nicht um eine dedizierte Projektmanagement-Methodik, sondern um ein allgemeines, mehr oder weniger stark sequenzielles Vorgehensmodell handelt. Unabhängig davon finde ich die Tool-Diskussion eher entbehrlich. Gerade bei APM geht es um die WERTE hinter den Methoden. Es ist letztlich völlig egal, ob ich Kanban, Scrum oder sonst eine Methode betreibe und ob ich dazu Excel, ein Whiteboard oder Applikation XYZ verwende. Gerade Techniker haben ja Schwierigkeiten damit zu akzeptieren, dass eben nicht alles plan-, steuer- und kontrollierbar ist. Da hilft mir auch kein Tool, wenn das nicht in den Kopf rein will. 🙂

    ad Pionierarbeit:
    Bin nicht ganz deiner Meinung. Ich denke schon, dass PM die Basis ist, um in Organisationen überhaupt etwas Neues zu lernen/entwickeln. Damit meine ich jetzt keine dedizierten Prozesse, sondern die systematische Ermöglichung der strukturierten Kommunikation. Sprenger beschreibt das in seinem Buch IMHO ganz gut als Führungsaufgabe „Zusammenarbeit organisieren“. Das Tagesgeschäft frisst doch die Zeit für „new thinking“ völlig auf. Aus meiner Sicht muss hier noch viel stärker die (auch im tec-Artikel) erwähnte Konzentration auf SINNVOLLE Projekte gelegt werden. Effizienz und Effektivität anstatt politisch initiierter Projekt(schein)vorhaben.
    Ob Organisationen die dafür notwendigen Paradigmenwechsel – weg vom Angestellten hin zum Unternehmer im Unternehmen – schaffen, bezweifliche auch in Anbetracht unseres Bildungs- und Gesellschaftspolitischen Systems.
    Für einen Tischler ist die Beherrschung seiner Werkzeuge die Basis (Tools u. Methoden) aber erst wenn er sich auf neue Ideen einlässt und akzeptiert, dass eigenveranwortliches Handeln einen persönlichen Mehrwert bringt kann er Großartiges schaffen. Ansonsten bleibt noch immer die 08/15 Einbauküche (die leider austauschbar ist).

    Irgendwie kommt mir vor, dass wir gerade in Österreich lieber bei der Küche bleiben. Im Sinne eines „da wissen wir wenigstens was wir bekommen“.

    lg Günter

    Antworten
  2. Holger Zimmermann

    Lieber Stefan,

    wie immer freut es mich, Deine Positionen zu lesen, da Du oft aus einem anderen Blickwinkel zu Schlüssen kommst, die meinen ähnlich sind. Das finde ich spannend.

    Was das „wirklich Neue“ betrifft, mache ich mir dazu schon seit einigen Jahren viele Gedanken, da ich sehr häufig erlebe, dass Projektmanagement auf etwas reduziert wird, was ich als „Abarbeiten von Aufgabenlisten“ bezeichnen würde. Aus meiner Sicht kann und muss Projektmanagement jedoch mehr leisten, gerade wenn die Unsicherheit und das Unbekannte größer werden.

    Um die Anforderungen an das Projektmanagement für Anwender greifbar und diskutierbar zu machen, habe ich vor einiger Zeit für unsere Arbeit in und an Projekten ein Modell entworfen, das dabei hilft. Einen Ausschnitt der Gedanken hierzu gab es auch mal als Artikel in meinem Blog (http://bit.ly/3-projektmanagement). Wobei die Gedanken immer weiter sind, als die veröffentlichten Texte.

    Einfach zusammengefasst fehlt mir in der Betrachtung von Projektmanagement die neben den Anforderungen an Organisation und Zusammenarbeit die dritte Anforderungsachse, nämlich die Anforderungen an die kreative Leistung. Diese Achse dürfte wohl in Deinen Worten den Anforderungen an die Pionierleistung entsprechen. Je nachdem, wie sich die Anforderungen aus dem Zusammenspiel dieser drei Achsen ergeben, muss ich mein Projektmanagement anders einrichten. Ob das dann noch Projektmanagement heißen muss, steht auf einem anderen Blatt. Wobei ich Projektmanagement in diesem Zusammenhang so verstehe, dass die Zusammenarbeit der Beteiligten irgendwie im Sinne des angestrebten Nutzens gestaltet werden muss.

    Würde mich freuen, wenn wir uns dazu mal austauschen könnten. Ich nehme an, wir sehen uns beim PM Camp in Dornbirn?

    Beste Grüße
    Holger

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