Vom Wissen zum Können: 10 Thesen für dynamikrobuste Projekte.

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Neulich bin ich auf eine empirische Studie von Dr. Gerhard Wohland (u.a.) mit dem Titel „Vom Wissen zum Können – Merkmale dynamikrobuster Höchstleistung“ (PDF Download) gestoßen. Bereits vor über 10 Jahren zeigten die Studienautoren auf, wie Organisation in einer zunehmend komplexen, dynamischen und unsicheren Welt gelingen kann (Stichwort: VUCA). Eine tolle Lektüre!

Die in der Studie beschriebenen Thesen (= Merkmale dynamikrobuster Höchstleistung) können auch auf Projekte und Projektmanagement übertragen werden. Dies möchte ich heute mit 10 Thesen für dynamikrobuste Projekte tun und diese damit hier zur Diskussion stellen.

Die Studienergebnisse in Kürze…

Übergang in das vernetzte Zeitalter

Vorab: Ich denke es ist offensichtlich, dass sich das Umfeld für Organisationen (gesellschaftlich, wirtschaftlich, technologisch, ökologisch) in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt hat. Zentraler Treiber für diesen Wandel ist die viel zitierte „digitale Transformation“. Denn die Möglichkeiten der globalen Vernetzung haben zu einer sprichwörtlichen Explosion der Vernetzungsdichte und damit der Komplexität auf der Welt geführt.

Entsprechend sollte uns die Frage beschäftigen, wie wir unter diesen neuen Bedingungen lebendige und überlebensfähige Systeme gestalten und entwickeln können. Denn jede Organisation und jedes Projekt ist ein komplexes, soziales System, welches dem Umfeld einen Nutzen bieten möchte und soll. Wenn dies nicht (mehr) gelingt, ist die Überlebensfähigkeit des Systems gefährdet.

10 Thesen für dynamikrobuste Projekte

  1. Projekte lernen: Jedes Projekt ist einzigartig. Für Projekte in einem dynamischen Kontext gilt dies in besonderem Maße. Wir sollten Projekte als iterativen Lernprozess verstehen, welcher eine entsprechende Geistes-Haltung erfordert. Offen, kollaborativ (= Geist) und zum entscheidenden Zeitpunkt entschlossen und klar (= Haltung).
  2. Probleme erkennen und verstehen: Die Probleme, die einem Projekt zu Grunde liegen, können höchst unterschiedlich sein. Je komplexer und neuartiger das Problemsystem ist, umso wichtiger ist es, das Projekt dynamikrobust aufzusetzen und zu gestalten. Wichtig ist aber in jedem Fall, ein gutes Verständnis für das Problem zu entwickeln, um den richtigen Rahmen für das jeweilige Projekt zu schaffen.
  3. Beitrag und Nutzen klären: In komplexen Situationen ist es von essenzieller Bedeutung, mit allen Projektbeteiligten den übergeordneten Sinn und Zweck des jeweiligen Vorhabens klar im Blick zu haben. Warum und für wen ist dieses Projekt wichtig? Wozu machen wir das Projekt?
  4. Theorie(n) verstehen: Eine Theorie besteht aus verdichteten praktischen Erfahrungen und Erkenntnissen. In dynamischen Zeiten brauchen wir (gute) Theorien, um abseits von vermeintlichen „Kochrezepten“ die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Für die Gestaltung und Entwicklung sozialer Systeme ist die Systemtheorie von besonderer Bedeutung.
  5. Widersprüche als Chance verstehen: Die meisten Menschen haben es nicht gelernt, mit Widersprüchen umzugehen. Lösungen müssen „klar und eindeutig“ sein. Genau dies ist aber in komplexen, dynamischen Situationen unmöglich. Deshalb sollten auch Projektteams heterogen und bunt zusammen gestellt werden, um die Vielfalt des Problems auch im Projekt zu repräsentieren.
  6. Gute Routinen leben: Dynamikrobuste Projekte folgen konsequent einer agilen, iterativen Logik. Rhythmisches Vorgehen ist notwendig, um die Umfeldkomplexität nicht permanent in die Bearbeitungsprozesse einfließen zu lassen. Dies erfordert Disziplin und prinzipiengeleitetes Vorgehen.
  7. Einen geschützten Rahmen schaffen: Teams, die an komplexen Projekten arbeiten, benötigen einen stabilen Rahmen (zeitlich, räumlich, kommunikativ…) für die Bearbeitung. Nur so kann die notwendige Komplexität und Kreativität im Team entstehen. Zudem ist ein stabiler Rahmen notwendig, um die diversen Aufgaben effizient und konzentriert zu bearbeiten („getting work done„).
  8. Verbindliche Transparenz: Neben dem stabilen Rahmen erfordert wirkungsvolle Selbstorganisation einen offenen Umgang mit Informationen. Neben der offenen Grundhaltung können hier analog und digitale Tools einen direkten Nutzen stiften.
  9. Vorbild sein: Reifes Denken und Handeln in Organisationen braucht Vorbilder, die voran gehen. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, dem gesamten System die Zeit für individuelle und kollektive Lernprozesse zu geben. Dies erfordert vor allem reifes und bewusstes Führungshandeln.
  10. Mutig handeln: Wir sind immer öfter mit Situationen konfrontiert, die wir in dieser Ausprägung noch nie erlebt haben. Entsprechend groß kann die Unsicherheit sein, was zu tun ist. Checklisten und vermeintliche Kochrezepte helfen hier nicht weiter. Wir müssen mit offenem Geist an die Themen heran gehen und zum richtigen Zeitpunkt in mutiges und klares Handeln kommen. Hierzu braucht es auch den Mut, bestehende Denk- und Verhaltensmuster zu brechen.

Fazit: Ganzheitliches Organisationsverständnis für das komplexe Zeitalter.

Agile Frameworks und Vorgehensweisen haben die Türe zu einem neuen Projektverständnis weit aufgestoßen. Dies war aber nur der Anfang.

Um Projekte unter zunehmend dynamischen und unsicheren Umfeldbedingungen erfolgreich zu meistern, brauchen wir ein ganzheitliches Verständnis für zeitgemäße Führung, Organisation und Zusammenarbeit. Die Projektmanagement-Disziplin im engeren Sinn versucht zwar, hierauf Antworten zu geben. Leider aber mit mäßigem Erfolg.

Mehr noch: Wir müssen lernen, nicht permanent die richtigen Antworten geben zu wollen, sondern für das jeweilige Projekt auf die Suche nach den richtigen Fragen zu gehen und diese in einem kollaborativen Lern- und Arbeitsprozess zu lösen.

3 Gedanken zu „Vom Wissen zum Können: 10 Thesen für dynamikrobuste Projekte.

  1. Sven

    Hallo Stefan,

    die Zusammenstellung gefällt mir.

    Insbesondere der letzte Punkt: Mutig handeln. Ich merke das in meiner täglichen Arbeit immer wieder, dass es oft genau daran fehlt. Mutiges Handeln, (abgesicherte) Risiken eingehen, Etabliertes gezielt verlassen und Widersprüche zulassen.

    Wenn ich der Sache auf den Grund gehe, stellt sich meistens heraus, dass die Menschen dazu durchaus bereit wären, die im Unternehmen etablierte Fehlerkultur dies aber nicht zulässt.

    Von daher fände ich es ein gute Ergänzung zu deiner Liste, wenn noch „Fehler als Motor für Verbesserung und Weiterentwicklung sehen“ hinzukäme. Dahingehend ist eine Kultur zu etablieren, die Fehler, die aus (fundierten) Entscheidungen entstehen, sanktionslos bleiben und als unbedingt notwendig angesehen werden.

    Wie siehst du das?

    Grüße und gute Projekte
    Sven

    Antworten

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