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Das wichtigste Wort in Projekten: NEIN.

Schon längere Zeit wollte ich über das Thema schreiben, und gestern war es dann soweit: Gleich dreimal innerhalb von 24 Stunden hat es mich beschäftigt – das wichtigste Wort im Projektgeschäft: Nein.
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Was ist Management? Prof. Dr. Malik meldet sich zu Wort.

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Prof. Dr. Fredmund Malik

Den regelmäßigen Leserinnen und Lesern dieses Blogs wird es nicht entgangen sein: Mein Beitrag „Was ist Management?“ hat eine intensive und interessante Diskussion ausgelöst. Vor gut einer Woche hat sich nun überraschenderweise Prof. Dr. Malik persönlich bei mir gemeldet. Hier einige Auszüge seiner e-Mail:

Mehrfach war ich versucht, in der Diskussion mitzumachen, die Sie Ende Juli durch Ihre Meinung über den 1. Band meiner Buchreihe über Management ausgelöst haben. Vermutlich wäre das aber nicht zielführend, weil der Meinungsaustausch dann möglicherweise nicht mehr so entspannt und frei laufen würde.“

Weiters geht Malik kurz auf sein Verhältnis zum Begründer der St. Galler Managementlehre ein: Prof. Hans Ulrich. Denn Malik war während der Entwicklung des St. Galler Management Modells der 1. Generation einer der engsten wissenschaftlichen Mitarbeiter von Hans Ulrich. Dieses Modell hat Malik später weiter entwickelt. Entsprechend hält er auch die Definitionsunterschiede des Managementbegriffs, wie ich sie in meinem Blogbeitrag zwischen ihm und Prof. Ulrich getroffen habe, für unnötig.

Zur Kritik meines Kollegen Gebhard Borck schreibt Malik:

Die interessanten Einträge von Herrn Borck, dessen Kritik sich zurecht gegen weitverbreitete Realitäten in der heutigen Managementpraxis richtet. Seine Kritik ist u. a. deshalb berechtigt, weil er das ins Visier nimmt, was ich falsches und schlechtes Management nenne und aus diesem Grunde meinen Ansatz für richtiges und gutes Management entwickelt habe, wie ich im diskutierten Buch ausführlich begründet zu haben glaube.“

Spätestens am Fr, den 27.11. werde ich in Ludwigsburg die Gelegenheit bekommen, diese Frage mit Gebhard persönlich intensiv zu diskutieren.

Prof. Dr. Malik schließt seine Mail mit folgenden vier Punkten („Kontextinformationen“ zu unserer Management-Diskussion, wie er sie nennt) ab:

„1. Meine Management-Lehre und Management-Systeme sind  zum Unterschied anderer – völlig transparent, weil ich seit Jahren alles publiziere. Das hat mir häufig Kritik von Consulting-Konkurrenz eingetragen, dadurch würde ich das Consulting Geschäft schädigen, weil die Kunden dann alles Wissen hätten. Mit dieser Transparenz lade ich jedoch zu Auseinandersetzung und Kritik ein.
Management halte ich für gesellschaftlich zu wichtig und schlechtes Management für zu schädlich (siehe Krise), um es als geheimes Geschäftswissen zu behandeln.

2. Meine Ergebnisse wende ich nicht nur bei Kunden an, sondern zuerst und vorrangig in meinem eigenen Unternehmen, das heisst, wir probieren alles zuerst aus, bevor wir es Kunden empfehlen.

3. Im Laufe der Zeit habe ich die Rechte am Know How und am geistigen Nachlass vieler Pioniere erworben, mit denen ich zu ihren Lebzeiten eng zusammenarbeitete, so z. B. Aloys Gälweiler, Stafford Beer (Viable System), Frederic Vester, Wolfgang Mewes (EKS), und auch die Rechte am St. Galler Management Modell (Ulrich / Krieg) gehören mir, die ich der Universität St Gallen aber zur Nutzung überlasse.

4. Seit einigen Jahren organisieren wir die Ökopoliciade, einen Schüler-Politiker-Wettbewerb im vernetzten Denken. 2008/09 haben 90 000 deutsche Schüler mitgemacht. Die Siegerehrung war am 19. 6. 09 im Deutschen Bundestag. Die nächste Durchführung hat soeben begonnen. Diesmal werden wir 200.000 Schüler erreichen, die innert weniger Wochen systemisch-vernetzt Denken und Handeln lernen.“

Mein persönliches Fazit:

Ich halte die Management-Lehre von Prof. Dr. Malik nach wie vor für eine der besten und schlüssigsten. Selbstverständlich muss (und wird) sich das Management und die Führung von Organisationen in den nächsten weiterentwickeln. Ich denke aber, dass Maliks Werke schon sehr viel von dem beinhalten, was „richtiges und gutes Management“ heutzutage ausmacht.

ES BLEIBT SPANNEND.

Ist Management „tot“?

Kaum ein Beitrag hat in den letzten Jahren auf diesem Blog eine intensivere Diskussion ausgelöst als „Was ist Management?“.

Ich habe mich in dem Beitrag (wie vorher auch schon) offen als Befürworter einer modernen, integrierten und ganzheitlichen Managementlehre „ge-outet“. Meine Haltung und mein Verständnis zu diesem Thema wurde einerseits durch meine persönlichen Erfahrungen geprägt, und andererseits durch die Auseinandersetzung mit den Werken der großen Management-Denker wie Peter F. Drucker, Tom Peters, Michael Hammer, Gary Hamel oder auch die Beiträge im Kontext der „St. Galler Managementlehre“ von Ulrich, Krieg, Malik, Gomez, Probst, Rüegg-Stürm, Schwaninger etc.

Zu meinem persönlichen Erfahrungshintergrund möchte ich ergänzen, dass ich seit meiner Jugend über 10 Jahre hinweg im elterlichen Textilbetrieb mitgearbeitet habe. Diese „unternehmerischen“ Erfahrungen haben mich auch auf meinem späteren Weg geprägt. Im Kontext meines Verständnisses von „Management“ haben sie dazu beigetragen, dass ich diesen Begriff mit der unternehmerisch geprägten, werteorientierten Führung, Koordination und Gestaltung von Organisationen verbinde. Gutes, effektives und menschenwürdiges Management ist folglich für mich etwas Positives. Und dafür trete ich ein.

Trotzdem hat der kritische Diskurs natürlich viele Fragen aufgeworfen. Wie u.a.:

  • Ist Management tatsächlich „tot“? Muss der Managementbegriff eliminiert werden?
  • Wenn ja, welche schlüssigen Alternativkonzepte gibt es?
  • Brauchen Organisationen überhaupt etwas wie „Management“? Oder können sie sich selbst managen?
  • Liegen die „Management-Gurus“ der letzten Jahre und Jahrzehnte mit ihren Konzepten vollkommen daneben? Muss Management (oder sein Nachfolger) wirklich völlig neu gedacht und konzipiert werden?

Bezugnehmend auf die letzte Frage in dieser beispielhaften Aufzählung meine ich zum jetzigen Zeitpunkt: NEIN. Ich glaube nämlich immer noch nicht, dass die gemeinhin akzeptierte Management-Theorie völlig falsch ist – sehr wohl aber in vielen Punkte entwicklungs- und verbesserungswürdig (wie alles im Leben). Oder wie es Gary Hamel häufig formuliert: „We must re-invent management.“

Eine Frage drängt sich aber immer stärker auf:

Warum erleben wir so wenig „gute Theorie“ in der Praxis? Haben wir ein Erkenntnisdefizit oder haben wir nicht vielmehr ein Transfer- und Umsetzungsdefizit?

Wenn wir dann zum Schluss kommen, dass Management „tot“ ist und dass es ersetzt werden muss, dann soll’s mir auch recht sein. Denn in zumindest einem Punkt gebe ich allen Management-Kritikern völlig recht: WIR HABEN EIN ECHTES PRAXISPROBLEM IM MANAGEMENT!