PMTV004: Agiles Projektmanagement

Ein Themenwunsch für PROJEKTMANAGMENT TV, der mehrmals geäußert wurde, war „Agiles Projektmanagement“. Deshalb haben Bas de Baar und ich vor einigen Wochen hierzu ein kurzes Gespräch geführt.

In dem Gespräch konnten wir das Thema nur „anreißen“:

  • Was ist agiles Projektmanagement? –> weitere Infos: Wikipedia Artikel | Agiles Manifest | Leseprobe: APM – Agiles Projektmanagement (PDF)
  • Anwendungsbereiche agiler Vorgehensmodelle –> Kann APM auch in Projekten außerhalb der Softwareentwicklung angewendet werden?
  • Erfolgsfaktoren

Eine der besten grafischen Darstellungen, warum agile Vorgehensweisen in Projekten Sinn machen könnten, stammt aus dem Buch „APM – Agiles Projektmanagement“ von Bernd Oestereich und Christian Weiss:

© Oestereich/Weiss

Im Zentrum agiler PM Ansätze steht die Annahme, dass komplexe Projekte nicht vollständig geplant werden können. Vielmehr entstehen während eines gesamten Projekts neue Erkenntnisse, die in das Management und die Abwicklung einfließen sollten. Die anfangs große „Wolke“, was das Ziel des Projekts sein soll, wird immer kleiner – der Nebel verzieht sich.

Dies heißt aber keineswegs, dass in agilen Projekten nicht geplant wird. Natürlich wird auch hier versucht, von Beginn an möglichst klare Ziele und Rahmenbedingungen zu definieren. Allerdings soll bürokratische, starre und unrealistische Planung so weit wie möglich vermieden werden. An ihre Stelle treten intensive, kontinuierliche Kommunikation zwischen ALLEN Beteiligten und das Prinzip, das „große“ Projektergebnis in einzelne, funktionsfähige Zwischenergebnisse zu unterteilen.

Wird sich agiles Projektmanagement durchsetzen? Ja, in vielen Bereichen schon. In gewissen Bereichen werden aber meines Erachtens klassische Planungsansätze weiterhin dominierend sein – z.B. in der Bauindustrie.

Noch ein letzter Gedanke: Ich denke, dass agiles Projektmanagement im Kern nichts Anderes ist als die Übertragung eines modernen Management- und Führungsverständnisses auf Projekte. Denn auch abseits von Projekten wird erkannt, dass

  • Menschen keine „Maschinen“ sind,
  • das Wissen im Team verborgen ist und nicht im Management,
  • soziale Systeme sich so weit wie möglich selbst organisieren müssen oder
  • vertrauensvolle und offensive Kommunikation und Vernetzung aller Beteiligten einen Schlüssel zur Lösung komplexer Probleme darstellt.

Und noch ein allerletzter Gedanke: Wir sollten versuchen, klassische und agile Vorgehensweisen und Methoden sinnvoll miteinander zu kombinieren – zu integrieren. Wir brauchen ein integriertes Verständnis im Management – auch im Projektmanagement. (siehe hierzu auch den Blogpost „Integriertes Projektmanagement„).

Studie: Betriebliche Projektwirtschaft

Das Institut für Beschäftigung und Employability (IBE) hat kürzlich im Auftrag von HAYS eine empirische Studie zur Betrieblichen Projektwirtschaft in Deutschland durchgeführt. Der Fokus der Studie bestand darin, die Betriebliche Projektwirtschaft grundlegend zu vermessen. Hier die Definition, was die Studienersteller unter Betrieblicher Projektwirtschaft verstehen:

„Betriebliche Projektwirtschaft definieren wir als spezielle Organisationsform in Unternehmen. Sie bezieht sich auf Gruppen von Mitarbeitern (Projektteams), die in zeitlich und thematisch begrenzten Projekten eingesetzt werden. Dies kann ein Teil oder aber die gesamte Arbeitszeit von Mitarbeitern umfassen. Während mit Projektarbeit bisher eher besondere Aufgabenstellungen verbunden sind, gehören Projekte nun zum Tagesgeschäft. Zentrale Aufgabenstellungen von Unternehmen werden über Projekte bearbeitet, so dass sich Projekte in der Organisation verfestigen.“

Die Studie beinhaltet Aussagen zu

  • Verbreitung und Struktur,
  • Zielstellung, Motivation und Herausforderungen,
  • Organisation und
  • möglichen Entwicklungen

in der betrieblichen Projektwirtschaft.

Die Ergebnisse sind teilweise überraschend klar. Beispielsweise ist der Anteil projektwirtschaftlicher Abläufe sowohl in großen als auch mittelständischen Unternehmen offensichtlich in den letzten Jahren weiter gewachsen:

© HAYS / IBE, 2010

Ein weiteres markantes Ergebnis ist aus meiner Sicht, dass offensichtlich ein zentraler Grund für die Einführung Betrieblicher Projektwirtschaft in der zunehmenden KOMPLEXITÄT von Aufgabenstellungen liegt.

© HAYS / IBE, 2010
© HAYS / IBE, 2010

In der Studie sind viele weitere interessante Aspekte zum Stand des Projektmanagements – genauer gesagt zur Betrieblichen Projektwirtschaft – enthalten. Es ist ratsam, die Studie kostenlos herunter zu laden, auszudrucken, in Ruhe durchzulesen und die darin enthaltenen Ergebnisse mit den persönlichen Erfahrungen zu vergleichen. Dabei werden sich wahrscheinlich gewissen Hypothesen bestätigen, in anderen Punkten wiederum stimmen Sie vielleicht mit den Studienerstellern nicht überein. In jedem Fall eine hervorragende Diskussionsgrundlage für die weitere Professionalisierung und Etablierung der Betrieblichen Projektwirtschaft in Unternehmen!

Projektmanagement und Social Media

Der Erfolg von Projekten hängt vor allem von einem zentralen Faktor ab: der KOMMUNIKATION zwischen allen Beteiligten.

Gleichzeitig sind neue Medien und die damit in Verbindung stehenden Technologien unter dem Schlagwort „Social Media“ in aller Munde. Auch hier geht es im Kern um Kommunikation zwischen Menschen. Warum also nicht mal die beiden Themen miteinander verbinden?

Genau das hat mein Kollege Bas de Baar in dieser Präsentation gemacht:

View more presentations from Bas de Baar.

Ein paar Gedanken zu dem Thema:

  • Es ist legitim, Social Media (Facebook, Twitter, Youtube & Co) für Schwachsinn und Zeitverschwendung zu halten. Aber: Sie sollten es nicht tun, denn Social Media werden (vielleicht) unser berufliches und privates Leben nachhaltig verändern (auch, wenn Zukunftsforscher wie Dr. Horx anderer Meinung sind). Über diesen Aspekt kann man lange diskutieren, im Kern handelt es sich um eine Glaubensfrage. Schauen Sie sich dieses Video von Prof. Kruse an (hier können die Folien dazu herunter geladen werden), dann wissen Sie, was ich meine.
  • Es ist legitim daran zu zweifeln, dass Social Media eine Relevanz für die Wirtschaft haben. Aber: Bei Social Media geht es um Kommunikation, und auch unsere Wirtschaft lebt im Kern von Kommunikation und Vertrauen. Social Media können Kommunikationsprozesse zwischen Menschen unterstützen und teilweise intensivieren – sowohl privat als auch beruflich. Alles, die Social Media regelmäßig nützen, werden wissen, was ich meine.
  • Es ist legitim, den sinnvollen Einsatz von Social Media in Projekten anzuzweifeln. Aber: Wenn man innovative und höchst erfolgreiche PM Tools wie „Basecamp“ kennt, wird man erkennen, dass kommunikationsgetriebene Webtools – in vielen Bereichen ähnlich konzipiert wie Facebook & Co – in Projekten sehr wertvolle Dienste leisten können.

Eines ist klar: Wir stehen in dieser Entwicklung noch ganz am Anfang. Ich persönlich bin mir aber sicher, dass sich Funktionalitäten, die wir aus Social Media kennen, immer stärker auch in professioneller Software wieder finden werden.

Am Montag nehme ich mit Bas die nächste Episode von PROJEKTMANAGEMENT TV auf. Ich werde ihm vorschlagen, dass wir uns zu diesem Thema unterhalten. Wenn Sie Fragen zu dem Thema haben, bitte ich um einen kurzen Kommentar zu diesem Beitrag. Dann werden wir die Fragen am Montag gerne diskutieren.

PS: Gerade habe ich einen ähnlichen Beitrag auf dem Blog von Christian Henner-Fehr gefunden.

Machtfrage Change

In den nächsten Wochen werde ich auf dem PROJEKTMANAGEMENT BLOG einige Bücher rezensieren, von denen ich denke, dass sie für meine Leserinnen und Leser von Relevanz sein könnten.

Beginnen möchte ich heute mit einem aktuellen Werk zum Thema Change Management – dem Buch „Machtfrage Change“ von Torsten Oltmanns und Daniel Nemeyer.

Das Konzept

„Macht“ ist ein Begriff, der in der modernen Management- und Führungsliteratur kaum noch vorkommt. Warum eigentlich? Denn Führungskräfte haben doch Zweifels ohne Macht, die sie ausüben sollen/dürfen/müssen. Immer häufiger aber hat man den Eindruck, dass sich Manager vor dieser Verantwortung drücken – gerade wenn es um schwierige Veränderungs- und Restrukturierungsprozesse in Unternehmen geht.

Oltmanns und Nemeyer richten in ihrem Buch den Scheinwerfer auf das Verhalten von Führungskräften in Veränderungsvorhaben. Sie stellen die These auf, dass ein Großteil der Change-Projekte scheitert, weil das Top-Management sich scheut, eine klare Richtung, ein klares „Weltbild“ vorzugeben. Dies mag auf den ersten Blick radikal klingen. Trotzdem schaffen es die Autoren aus meiner Sicht, diese These schlüssig zu argumentieren.

Worum es in dem Buch nicht geht.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Selbstverständlich geht es bei dem Konzept NICHT um die Renaissance eines veralteten, autoritären Führungsstils. Vielmehr geht es darum, in Veränderungsprojekten einen stabilen Rahmen und klare Orientierung zu schaffen und die vom Wandel betroffenen Führungskräfte und Mitarbeiter gleichzeitig wertschätzend einzubinden und „mitzunehmen“. Ein durchaus anspruchsvolles Unterfangen, wie alle wissen, die mit Change-Projekten praktische Erfahrung gesammelt haben.

Wer sollte „Machtfrage Change“ lesen?

Wer ein Grundlagen- oder Einsteigerbuch zum Change Management sucht, ist mit „Machtfrage Change“ falsch beraten. Das Buch ist aber eine sehr wertvolle Lektüre für

  • erfahrene Führungskräfte,
  • Organisationsentwickler und
  • Manager von Veränderungsprojekten,

die den Erfolgsfaktor „Macht in Veränderungsprozessen“ differenziert reflektieren möchten.

Was muss ein Projektleiter können?

Vor einigen Tage habe ich im Rahmen der Blitzumfrage 23 gefragt, welche Fähigkeiten und Kompetenzen ein Projektleiter haben sollten. Hier das durchaus überraschende Ergebnis:

Offensichtlich sind die Leser des PM Blogs der Ansicht, dass ein Projektleiter vor allem ein guter Kommunikator sein muss. In der Rangliste gefolgt werden diese Fähigkeiten von sozialer Kompetenz, gleich danach folgt die Führungskompetenz.

Klar ist, dass die jeweiligen Kompetenzen teilweise überschneiden. Deutlich wird aber: Ein Projektleiter muss in erster Linie eine gute FÜHRUNGSKRAFT sein! Dazu gehören vor allem kommunikative und soziale Fähigkeiten aber auch ein Werkzeugkoffer an Methoden, die ein guter Projektleiter gezielt und sicher anwendet. Die Fachkompetenz liegt mit nur 4 % der Nennungen an letzter Stelle.

Über Eure Meinung zu diesem Thema würde ich mich freuen!