Buchtipps zum Wochenende

Projekte werden vermeintlich immer komplexer und schwieriger. Aber stimmt das wirklich? Oder liegt es nur daran, dass wir noch nicht ausreichend gelernt haben, mit Komplexität angemessen umzugehen?

Kürzlich habe ich mich in diesem Kontext mit folgenden Büchern beschäftigt, die ich Ihnen ans Herz legen möchte:

Gloger/Rösner: Selbstorganisation braucht Führung

Boris Gloger zählt zu den erfolgreichsten Scrum Trainern und Autoren im deutschsprachigen Raum. Er sollte jedoch nicht auf dieses Thema reduziert werden, denn durch seinen soziologischen und systemtheoretischen Hintergrund geht er die Themen fachlich sehr fundiert an.

Ein weit verbreiteter Denkfehler im Kontext „agiles Management“ besteht darin, dass effektive Arbeitsprozesse, -entscheidungen und -ergebnisse quasi basisdemokratisch erzielt werden können – sogar müssen. Damit räumen Gloger/Rösner in ihrem Buch „Selbstorganisation braucht Führung“ gründlich und sehr differenziert auf.

Ein Plädoyer für dienende, reflektierte und klare Führung in dynamischen Kontexten. Genau zur richtigen Zeit.

Rupp: Requirements Engineering und Management

Chris Rupp hat gemeinsam mit einem ganzen Team an Autoren – den SOPHISTen – ein bemerkenswertes Grundlagenwerk zum Thema Requirements Engineering und Management vorgelegt.

Auf über 500 Seiten werden Prinzipien, Methoden und Erfolgsfaktoren des Requirements Engineering sehr fundiert und praxisnah erläutert. Themen sind u.a.:

  • Grundlagen des Anforderungsmanagements (Begriffe, Verständnis)
  • Von der Idee zur Spezifikation
  • Klassisches vs. agiles RE
  • Anforderungen ermitteln und formulieren (inkl. Use Cases)
  • Dokumentation im agilen Umfeld
  • uvm.

Bei uns dient das Buch auch immer wieder als Nachschlagewerk, um Inputs für RE/RM im Projektalltag zu erhalten. Absolut empfehlenswert!

Eisenberg: Kanban – Mehr als Zettel

Viele Unternehmen ertrinken förmlich in der Flut an Projekten, Initiativen, Meetings und Aufgaben. Dies führt häufig zu sehr ineffizienten Bearbeitungsprozessen, Multitasking und vor allem Frust bei den Beteiligten.

Kanban wird in diesem Zusammenhang immer wieder als Methode genannt – doch nur die wenigsten Unternehmen wenden Kanban gezielt und pragmatisch an.

Florian Eisenbergs Buch „Kanban – Mehr als Zettel“ ist in Geschichtenform geschrieben – vergleichbar mit Tom DeMarcos „Der Termin“.  Ich musste mich zuerst daran gewöhnen, aber schon nach kurzer Zeit hat mich das Buch überzeugt. Sehr eindrücklich und praktisch beschreibt er, wie Kanban sehr gezielt und trotzdem vielfältig eingesetzt werden kann.

Einziger Kritikpunkt: Ich hätte mir etwas mehr Illustrationen gewünscht.

Mamoli/Mole: Gemeinsam großartige Teams schaffen

Grundsätzlich bin ich ja eher skeptisch, wenn es um Bücher zum Thema Teamentwicklung und -management geht. Das aus dem Englischen übersetzte Buch von Sandy Mamoli und David Mole hat mich aber überzeugt. Warum? Es ist nicht rezepthaft wie viele andere Vertreter dieser Kategorie – sondern überzeugt durch eine systematische Vorgehensweise, die an den jeweiligen Anwendungsfall angepasst werden kann.

Worum geht es? Mamoli/Mole machen Hochleistungsteams an zwei Faktoren fest (entspricht auch meiner Überzeugung):

  • Wollen die Mitarbeiter/innen an dem Problem arbeiten?
  • Wollen die Mitarbeiter/innen miteinander arbeiten?

Mit der Methode „Agile Self-Selection“ zeigen sie auf, wie sich (speziell in großen Unternehmen) die richtigen Teams finden und entwickeln können, um komplexe Projektherausforderungen zu meistern. Ein neuer Ansatz, der mich inspiriert hat.

„Self-Selection ist ein moderierter Prozess, der es Menschen ermöglicht, sich selbst in kleinen, funktionsübergreifenden Teams zu organisieren.“

Speziell in längerfristigen Organisationsentwicklungs- und Transformationsprozessen erscheint mir Self-Selection sehr interessant zu sein. Wir werden es sicher bei der nächsten passenden Gelegenheit mal ausprobieren 😉

 

PS: Ich habe mir erlaubt, in dem Blogbeitrag Amazon Affiliate Links zu verwenden.

 

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