Selbstorganisation – Chance oder Illusion?

Organisationen (= Unternehmen, Projekte, Vereine…) sind komplexe, sozioökonomische Systeme. Management und Führung hat die zentrale Aufgabe, diese Systeme zu gestalten und zu lenken – im Sinne des übergeordneten Systemziels. Soweit zur abstrakten Definition.

Wir alle wissen aber, dass es konkret um die Kooperation von Menschen geht – mit all Ihren Fähigkeiten, Talenten, Eigenheiten und auch Schwächen. Dort liegt die WIRKLICHE Herausforderung eines jeden Managers und einer jeden Managerin. Hierzu habe ich folgende Thesen:

  • Damit Führungskräfte OPERATIV wirkungsvoll führen können, benötigen Sie ein Grundverständnis über das „Funktionieren“ komplexer Systeme.
  • Management sollte in jedem Fall anstreben, dass es obsolet wird und dass die Managementfunktion von den Mitgliedern des Systems wahrgenommen (= Selbstorganisation).
  • Ich glaube NICHT, dass sich Organisationen längerfristig „von alleine“ selbst organisieren können. Vielmehr bedarf es einer sinnvollen und der jeweiligen Situation angepassten Balance zwischen direkter, struktureller, partizipativer und selbstorganisierter Führung.
  • Damit Selbstorganisation überhaupt eine Chance haben kann, müssen in einer Organisation Werte wie Vertrauen, Respekt und gegenseitige Wertschätzung hochgehalten und eingefordert werden.

Jurgen Appelo (NOOP.nl) hat zu diesem Thema wieder einmal eine hervorragende Präsentation veröffentlicht. Besonders beeindruckt bin ich von der optischen Aufbereitung, denn offenbar fertigt Jurgen die Grafiken für die Präsentationen jeweils selbst an. Erste Sahne…

Zum Kern dieser Präsentation nimmt auch der geniale Prof. Peter Kruse in diesem Interview Stellung. Er nennt selbstorganisierte Systeme hier „informelle Netze“. Weiters definiert er „qualitätsgesicherte Prozesse“ als Voraussetzungen für selbstorganisierte Systeme.

Was meint Ihr? Ist Selbstorganisation eine Chance oder doch eine Illusion?

Komplexe Systeme modellieren und simulieren: CONSIDEO MODELER

Auf Dr. Stephan Lists Blog „Interessante Zeiten“ habe ich kürzlich einen Link zu einer Software entdeckt, nach der ich schon lange Zeit gesucht hatte. Nämlich eine Software zur Modellierung und Simulation komplexer Systeme: CONSIDEO MODELER. Und das allerbeste daran ist: Es gibt eine (abgespeckte) Version zum kostenlosen Download! (übrigens für PC und Mac)

Beispielmodell eines neu zu planenden Projekts:

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Warum systemisches Denken in Projekten? Ganz klar: Projekte sind (wie bereits mehrfach erwähnt) komplexe Systeme. Und die professionelle Bearbeitung derartiger Systeme mit Methoden und Denkweisen der Systemtheorie, des vernetzten und systemischen Denkens erfordert auch entsprechend systemische Darstellungsformen.

Lesen Sie hierzu auch: Prof. Dr. Günther Ossimitz: Systemisches Denken braucht systemische Darstellungsformen (kostenloses PDF)

Zurück zum Consideo Modeler: Natürlich habe ich sofort etwas herum experimentiert. Mein erster Eindruck: GENIAL! Ich war natürlich nicht schüchtern und habe den Hersteller gleich nach einer kostenlosen „Presse-Lizenz“ gefragt, damit ich auch die Vollversion ausgiebig testen kann. Die Testergebnisse werde ich hier dann natürlich demnächst veröffentlichen.

Soviel schon vorweg: Aktuell ist die Software zum Einführungspreis von EUR 250 (netto) erhältlich. Ein absolutes Schnäppchen, denn vergleichbare Tools zur Darstellung, Modellierung und Simulation komplexer Systeme kosten ein Vielfaches. Jetzt zugreifen!

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PS: Produkt- und Kaufempfehlungen auf dem PM-Blog.com erfolgen stets auf der Basis meiner persönlichen Meinung. Ich habe zu keinem Zeitpunkt dafür irgendwelche Prämien oder Honorare kassiert – und werde dies auch zukünftig nicht tun!

Komplexitätsmanagement als zentrale Erfolgsstrategie in Projekten

Projekte sind komplexe Systeme. Komplexe Systeme verfügen über viele Elemente oder Variablen, die ihre Verbindungen gleichzeitig dynamisch verändern.

Komplexe System zu planen, zu steuern und schlussendlich zu beherrschen (wenn man in diesem Zusammenhang überhaupt von „beherrschen“ sprechen darf) ist eine große Herausforderung für einen Projektmanager und sein Team. Ich meine, dass Wissen über Systemtheorie, Komplexität und Managementkybernetik zur Grundausstattung eines jeden Projektmanagers gehören sollte. Zumindest ab einer gewissen Projektgröße und Komplexität.

Wie aber reagieren Menschen überhaupt auf Komplexität? Der geniale Prof. Dr. Kruse beschreibt in diesem Zusammenhang 5 typische Verhaltensmuster:

Und, erkennen Sie Ihr eigenes Verhalten teilweise wieder? 🙂 Also ich schon…

Was mir an Prof. Kruse besonders gefällt: Er kommentiert und beschreibt Themen mit großer intellektueller Schärfe und trotzdem sehr verständlich und praxisnah.

Hier noch einige Buchtipps zu den Themen Systemtheorie, systemisches Management und Managementkybernetik:

David J. Krieger: Einführung in die allgemeine Systemtheorie (Schnäppchen für EUR 3,90)

Fredmund Malik: Strategie des Managements komplexer Systeme

Fritz B. Simon: Einführung in die systemische Organisationstheorie

Fritz B. Simon: Einführung in Systemtheorie und Konstruktivismus