PM Trends in 2012
Geschrieben von S. Hagen am 12. Januar, 2012
Bei ComputerWeekly.com ist dieser Tage ein Artikel mit dem Titel “Top 10 project management trends for 2012” erschienen (@Nadja, danke für den Hinweis). Der Autor J. LeRoy Ward identifiziert folgende 10 Trends für 2012 (und darüber hinaus):
- Programm Management: Umfangreiche, komplexe Vorhaben in Unternehmen aber auch in der Politik / der öffentlichen Verwaltung werden vermehrt als Programme wahrgenommen und organisiert. Allerdings müssen auch die entsprechenden personellen und sonstigen Rahmenbedingungen geschaffen werden.
- (Webbasierte) Collaboration Software: Der Erfolg von Projekten steht und fällt mit der Kommunikation und Zusammenarbeit in Teams. Moderne Software Tools (insbesondere webbasierte Collaboration Tools) nehmen weiter an Bedeutung zu und werden in vielen Bereichen schon bald zur Standardausstattung im Projektgeschäft gehören.
- Lerntransfer: Die Projekt- (PMO’s) und Personalentwicklungsabteilungen fokussieren sich verstärkt auf den Transfer der Lerninhalte aus Lehrgängen, Seminaren, Coachings etc. in die Praxis (= Wirksamkeit von Personalentwicklungsmaßnahmen) und damit auf die Professionalisierung der Projektmanager/innen und des PM.
- Integrierte, hybride PM Ansätze: Unternehmen und Projektteams wenden vermehrt integrierte PM Ansätze an. Prinzipien, Methoden und Vorgehensmodelle aus klassischen und agilen PM Ansätzen werden für den jeweiligen Anwendungsfall sinnvoll miteinander kombiniert.
- Prozess- UND Projektmanagement: Die Organisations- und Arbeitsformen (Geschäfts)Prozessmanagement und Projektmanagement werden in der Unternehmens- und Organisationsentwicklung verstärkt miteinander kombiniert (Prozess- und Projektorientierte Organisation).
- Interne PM-Zertifikate vs. Zertifikate der großen PM-Verbände: Der Zertifizierungs-Boom im Projektmanagement war in den letzten Jahren enorm. Alleine die Zertifizierung zum PMP® haben weltweit ca. 470.000 Projektmanager/innen absolviert. Demgegenüber steht die steigende Bedeutung interner Zertifizierungs- und Weiterbildungsprogramme (vor allem in größeren Unternehmen und bei öffentlichen Körperschaften). Die Zertifikate der großen PM-Verbände werden weiterhin wichtig sein, doch die spezifischen Bildungsmaßnahmen nehmen an Bedeutung zu.
- Erfolgsmessung: Die für das (Multi)-Projektmanagement zuständigen Organisationseinheiten (meist PMO’s) in Unternehmen und öffentlichen Körperschaften werden die PM-Effektivität, den Projekterfolg sowie den Einfluss auf das Gesamtergebnis von Organisationen in Zukunft noch genauer messen und analysieren.
- Kampf um die besten Projektmanager/innen: Erfahrene und professionelle Projektmanager/innen werden in vielen Bereichen händeringend gesucht. Die wirkungsvollen Projektmanager/innen werden sich um ihre berufliche Zukunft keine Sorgen machen müssen.
- Kundenorientierung: “Wertschöpfung für den Kunden” wird zur maßgebenden Erfolgsgröße im Projektmanagement. Die kundenzentrierte Betrachtung des Projekterfolges löst somit das “magische Dreieck der Projektziele” (scope, budget, time) schrittweise ab.
- PM Assessment: Aufgrund der weiter steigenden Bedeutung versuchen die HR-Abteilungen vermehrt, die Leistungsfähigkeit und Professionalität von Projektmanager/innen mit so genannten Assessment-Tools zu messen.
Kritik
J. LeRoy Ward hat einige Trends identifiziert, die ich voll und ganz teile (z.B. # 2, 3, 4, 5, 8). Andere Punkte treffen in meiner Wahrnehmung aber auf Europa bzw. die deutschsprachigen Länder nur bedingt zu (z.B. # 1, 6, 7, 9, 10.). Begründung:
- ad. 1: Es wäre zwar dringend notwendig, große Vorhaben von strategischer Bedeutung als Programme abzuwickeln, eine wirklich deutliche Bewusstseinsbildung im Top-Management und in der Politik in diese Richtung (geschweige denn ein gezieltes Vorgehen in diese Richtung) sehe ich aber noch nicht.
- ad. 6: PM Zertifizierungen haben meines Erachtens in den USA einen wesentlich größeren Stellenwert als in Europa. Entsprechend kann ich den “Shift” in Richtung interner Zertifizierungsprogramme noch nicht erkennen. Was ich hingegen absolut teile ist die implizite Kritik an den PM-Zertifizierungen, denn die sind meines Erachtens tatsächlich zu hinterfragen.
- ad. 7: Eine sinnvolle und gezielte Messung und Bewertung der Wirksamkeit und des Erfolges im PM ist unbestritten. Allerdings kann ich auch hier noch keinen wirklichen Trend in diese Richtung feststellen – leider.
- ad. 9: In meinem Verständnis ist das “Triple Constraint” (Magisches Dreieck der Projektziele) aktueller und relevanter denn je. Denn die Stärke des Modells liegt genau in der Einfachheit. Den Trend in Richtung Kunden- und “Value”-Orientierung sehe ich natürlich schon auch. Ich verstehe aber nicht, warum wir deshalb das Triple Constraint in Frage stellen sollen?
- ad. 10: Das stärkere Hinterfrage der notwendigen Kompetenzen im Projektmanagement sehe ich sehr wohl als einen sehr wichtigen Punkt an. Aber auch hier ist meine Meinung: Eine Entwicklung in diese Richtung kann ich noch nicht feststellen.















